Lexikon: Muskulatur

 

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Die Muskulatur ist ein Organsystem, das alle Muskeln eines s oder ens umfasst. Allerdings kann damit auch lediglich eine bestimmte Muskelgruppe gemeint sein, wenn man beispielsweise von Bein- oder Brustmuskulatur spricht.

Der Muskel (Latein|lat. musculus "Mäuschen") ist ein mehrmals und in mehreren Formen vorkommendes kontraktiles im Tiere|tierischen Körper und hat eine eigene Gewebe (Biologie)|Gewebeart. Seine wichtigste Aufgabe ist es, innere und äußere Körperteile zu bewegen, damit sich das Tier oder der Mensch fortbewegen, seine Gestalt anpassen und viele seiner Körperfunktionen erhalten kann.

Aufbau und Funktionsweise

Wirksam wird der Muskel, indem er sich anspannen oder zusammenziehen (Muskelkontraktion|Kontraktion) und dabei Kraft ausüben kann. Eine Muskelkontraktion wird von elektrischen Impulsen (en) ausgelöst, die vom oder ausgesandt und über die en weitergeleiteten worden sind. Nach dem Entspannen oder auch Erschlaffen (Muskelrelaxation|Relaxation) allerdings, wenn die anregenden elektrischen Impulse aufhören, verharrt der Muskel ohne Weiteres in seinem verkürzten Zustand, nicht im Stande, sich in seine Ursprungslage zurückzustrecken. Wieder ausgedehnt wird er entweder, indem ein sich kontrahierender Gegenspieler-Muskel die Kontraktionswirkung des Muskels aufhebt und so dabei auch ihn in den Ursprungszustand zieht, oder aber, indem die Zugkraft anderer elastischer Körpergewebe wie Band (Anatomie)|Bänder beziehungsweise Drücke von anderen Organen oder Flüssigkeiten wie oder -Inhalt ihn zurückstreckt.

Jeder Muskel ist von einer festen Hülle aus (Faszie) ummantelt, die mehrere Fleischfasern (auch Sekundärbündel) umschließt, welche wiederum mit Bindegewebe (Perimysium externum und Epimysium) umschlossen und zusammengehalten werden, das von Nerven und Blutgefäßen durchsetzt ist und sich an der Faszie befestigt. Jede Fleischfaser unterteilt sich in mehrere Faserbündel (auch Primärbündel), die zueinander verschiebbar gelagert sind, damit der Muskel biegsam und anschmiegend ist. Diese Faserbündel sind eine Vereinigung von bis zu zwölf Muskelfasern, die durch feines Bindegewebe mit Kapillargefäßen vereint sind.

Die Muskelfaser ist eine Vereinigung mehrerer n zu einer großen Zelle mit einer beachtlichen Länge von bis zu mehr als 30 cm und ungefähr 0,1 Millimeter Dicke. Genaugenommen aber ist sie keine Zelle, da sie trotz einer Membran (Sarkolemma) mehrere Zellkerne besitzt. Sie kann sich deshalb auch nicht teilen, was der Grund ist, warum bei einem Verlust der Faser kein Ersatz nachwachsen kann und bei Muskelzuwachs sich lediglich die Faser verdickt. Das heißt, von Geburt an ist die Obergrenze der Muskelfasern festgelegt. Neben den üblichen Bestandteilen einer tierischen Zelle (Biologie)|Zelle machen hauptsächlich Myofibrillen, das sind feinste Fäserchen, zu etwa 80 % die Fasermasse aus.

Kontraktion

Die Kontraktion ist ein chemischer Vorgang, der durch einen Aktionspotenzial|Nervenimpuls ausgelöst wird. Dabei schieben sich die feinen Eiweißfasern (die Myofibrillen) ineinander, indem sie sich durch ihre kleinen Fortsätze mit flinken Ruderbewegungen aneinander vorbeischieben. (Mehr Details: siehe .) Hört der Nerv auf, den Muskel mit Impulsen zu versorgen, erschlafft der Muskel, man spricht dann von .

Kontraktionsarten

Je nachdem, in welche Bewegung die freigewordene, mechanische Energie umgesetzt wird, lässt sich die Kontraktion unterschiedlich charakterisieren:

  • isotonisch (gleichgespannt): die Spannung des Muskels, mit der der Körper den Widerstand überwindet, verändert sich nicht.
  • isometrisch (gleichen Maßes): der Muskel wirkt gegen den Widerstand, ohne ihn zu bewegen, ganz gleich, wie sehr er angespannt ist.
  • auxotonisch (verschiedengespannt): es verändert sich die Spannung und der Widerstand. Das geschieht in den meisten Fällen der Muskelarbeit.
  • isokinetisch (gleichschnell): der Widerstand wird mit einer gleichbleibenden Geschwindigkeit überwunden.
  • konzentrisch: der Muskel überwindet den Widerstand und wird dadurch kürzer.
  • exzentrisch: ob gewollt oder nicht, der Widerstand ist größer als die Spannung im Muskel, dadurch wird der Muskel gedehnt.

Einteilung

Ein Muskel lässt sich auf verschiedene Weise einordnen, wobei diese Einteilung nicht direkt und eindeutig ist. Oft überschneiden sich die Eigenschaften. Je nach Blickwinkel werden sie durch ihre Zellstruktur, Form oder Funktion unterschieden. Weiterhin lassen sich Typen von Muskelfasern unterscheiden, die in einem Muskel vermischt vorkommen.

Zytologisch

  • n sind die willkürlich steuerbaren Teile der und gewährleisten die des Tieres. Sie heißen auch gestreifte - bzw. quergestreifte Muskeln, da ihre Myofibrillen im Gegensatz zu den glatten Muskeln ganz regelmäßig angeordnet sind und dadurch ein erkennbares Ringmuster aus roten Myosinfilamenten und weißen Aktinfilamenten erzeugen. Sämtliche Skelettmuskeln werden der somatischen Muskulatur zugeordnet.
  • Die glatte Muskulatur ist nicht der bewussten Kontrolle unterworfen, sondern vom vegetativen Nervensystem innerviert und gesteuert. Dazu zählt zum Beispiel die Muskulatur des s. Sämtliche glatte Muskeln werden der viszeralen Muskulatur zugeordnet.
  • Der arbeitet ständig, kann nicht Muskelkrampf|krampfen, hat ein eigenes Nervensystem, kann spontan depolarisieren, enthält die kardiale Isoform des Troponin I und T. Er weist die Querstreifung von Skelettmuskeln auf, ist allerdings unwillkürlich gesteuert und stellt somit eine eigene Muskelart dar.

Die gestreifte Muskulatur stammt von den Myotomen der Somiten der Leibeswand ab, die glatte aus dem Mesoderm der Splanchnopleura, sodass diese auch als Eingeweidemuskulatur bezeichnet wird. Im Bereich des Kopfdarms wird die viszerale Muskulatur von den Innervation|innerviert und ist quergestreift, während die restliche Eingeweidemuskulatur aus glatte Muskulatur|glatten Muskelfasern besteht.

Anatomisch

  • Ringmuskel
Beispiele: Ziliarmuskel zur Verformung der Linse (Auge)|Linse des s, Schließmuskeln um Anus|After, , , Blasenausgang und ausgang (Pylorus).
  • Hohlmuskel
Beispiele:

, , ,

  • spindelförmige Muskeln
  • federförmige Muskeln
  • mehrbäuchige Muskeln
  • mehrköpfig
Beispiele: Biceps brachii, Triceps brachii und Quadrizeps|Quadriceps femoris.

Funktional

  • Im Hinblick auf ihre Zusammenarbeit werden Muskeln in gegenspielende und zusammenwirkende unterteilt. en (Spieler) und en (Gegenspieler) haben zueinander eine entgegengesetzte Wirkung. Synergisten dagegen haben eine gleiche oder ähnliche Wirkung und arbeiten deshalb bei vielen Bewegungsabläufen zusammen.
Beispiel: Antagonisten: Biceps brachii|Bizeps und Triceps brachii|Trizeps;
Beispiel: Synergisten: für Liegestütze braucht man den Triceps brachii|Trizeps und die Brustmuskeln (pectoralis major,pectoralis minor|- minor).
  • Muskeln, die Extremitäten an den Körper heranziehen, heißen en (Beuger), ihre Antagonisten, die Abduktoren (Strecker), sorgen dafür, dass die Extremitäten vom Körper abgespreizt werden.

Beispiel: äußere und innere Muskeln des Oberschenkels, mit welchen man die Beine spreizen und zusammenführen kann.

  • Flexoren (Beuger) dagegen knicken Finger und Zehen ein, ihre Antagonisten sind die Extensoren (Strecker).
  • Rotatoren

Muskelfasertypen

  • Typ I: ST-Fasern (Englische Sprache|eng. slow twitch fibers „langsam zuckende Fasern“) sind sehr ausdauernd, entwickeln allerdings nicht hohe Kräfte.
  • Typ II: FT-Faser (Englische Sprache|eng. fast twitch fibers „schell zuckende Fasern“) dagegen können hohe Kräfte entwickeln, ermüden aber auch viel schneller. Sie werden weiter unterschieden in Typ II A, Typ II B  und Typ II C. B und C sind in ihren Eigenschaften dem Typ I näher als A.

Das Verhältnis der Zusammensetzung der verschiedenen Typen ist weitestgehend Gen|genetisch bestimmt und ist nur durch ein gezieltes Ausdauer- beziehungsweise Krafttraining begrenzt zu verändern.

Mensch

Jeder gesunde Mensch besitzt über 600 willkürliche Muskeln, wobei diese beim Mann etwa 40 %, bei der Frau etwa 23 % der Gesamtkörpermasse ausmachen, die Muskulösität hängt insgesamt aber von der ab: Menschen in Dienstleistungsgesellschaft|postindustriellen Gesellschaften sind durch geringere Bewegung im Alltag und einer einseitigen, zu Kohlenhydrate|kohlenhydrat- oder Fett|fettreichen deutlich unmuskulöser als die Mitglieder von Naturvolk|Naturvölkern.

Der größte Muskel ist der Latissimus dorsi|Große Rückenmuskel (musculus latissimus dorsi), der stärkste der Kaumuskel (musculus masseter), der längste der Schneidermuskel, die aktivsten die Augenmuskeln und der kleinste der Steigbügelmuskel. Aufgrund des Umfangs mechanische Arbeit|mechanischer Arbeit, die die Muskeln leisten müssen, sind sie neben dem einer der Hauptabnehmer von Körperenergie.

Erkrankungen und Verletzungen

  • Krampf|Muskelkrampf
  • Muskelprellung
  • Muskelzerrung
  • Muskelfaserriss
  • Muskelhartspann (Myosklerose, Muskelhypertonus)
  • Muskelhärte (Myogelose)
  • Muskelverkalkung
  • Muskelbruch (Hernie)
  • Myasthenia gravis|Myasthenie (Muskelschwäche)
  • Muskelatrophie (Muskelschwund)
  • Muskeldystrophie
  • muskuläre Dysbalance
  • Parese

Siehe auch:

  • Sehnenentzündung, Sehnenzerrung, Sehnenriss

Literatur

  • Dr. Smith, T.: Der menschliche Körper - ein Bildatlas. Augsburg Bechtermünz Verlag 1999.
  • Prof. Dr. Benner, K.-U.: Der Körper des Menschen. Augsburg Weltbild Verlag GmbH 1996.

weitere Artikel

Adenosindiphosphat|ADP, Adenosintriphosphat|ATP, Anabolika, Anatomie des Menschen, , , Motorische Endplatte, , , Fettreduktion, , , , Körperfett, Kreatin, Sarkomer, Sarkoplasma, , , Vertebratenmuskulatur, Fibrodysplasia_Ossificans_Progressiva|FOP, Nomenklatur (Anatomie),

Weblinks


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