Lexikon: Nikotin

 

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Strukturformel
Bild: nicotine.png
Allgemeines
Name Nikotin
C10H14N2
Andere Namen L-3-(1-Methyl-pyrrolidin-2-yl)-pyridin
Handelsbezeichnungen Destruxol
54-11-5
Sicherheitshinweise
Bild: Gefahrensymbol_T.png Bild: Gefahrensymbol_N.png
T+ (Sehr Giftig) N (Umweltgefährdend)
R- und S-Sätze R 25-27-51/53
S 36/37-45-61
MAK 0,5 mg/m³ oder 0,07 ppm
LD50 (Maus) 3 mg/kg
LD50 (Ratte) 50 mg/kg
LD50 (Mensch) 0,5 bis 1 mg/kg
Physikalische Eigenschaften
Dichte 1,01 g/cm³
162,2 g/
-80 °C
247 °C
0,05 hPa (25 °C)
Mit Wasser in jedem Verhältnis mischbar

Soweit möglich und gebräuchlich wurden SI-Einheitensystem|SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Normbedingungen.

(Das) Nikotin (Nicotin), benannt nach Jean Nicot, ist ein organischer Stoff, ein Alkaloide|Alkaloid, das nicht nur in der pflanze sondern auch vielen anderen n vorkommt, mit besonders hoher Konzentration in den Blättern. In der ganzen Pflanze kommt es mit einem Massenanteil von 5 Prozent vor. Nikotin ist ein starkes (Nerven)-Gift. Es ist eine farblose, ölige Flüssigkeit, die sich bei Luftkontakt braun färbt.

Eigenschaften

Das reine Nikotin ist bei Zimmertemperatur eine farblose, ölige Flüssigkeit. Nikotin ist wasserlöslich und hat einen tabakähnlichen Geruch. Es färbt sich an der Luft rasch braun. Nikotin gehört zu den n.

Biologische Wirkungen

Nikotin verengt die Blutgefäße, dadurch wird die Versorgung mit und Nährstoffen des ganzen Körpers reduziert. Adern können verstopfen, die Gefahr für (eine Gefäßerkrankung, bei der ein Gefäß durch einen Thrombus (Blutgerinnsel) verstopft wird), (ein Myokardinfarkt (MI) bzw. Herzinfarkt ist eine Zerstörung von Herzmuskelgewebe aufgrund einer Durchblutungsstörung) und Raucherbein steigt, die Haut wirkt schlaff und grau, Frauen kommen früher in die , Männer verlieren ihre , Wunden und Knochenbrüche heilen langsamer, die Gefahr für eine Gelber Fleck (Auge)|Makula- und damit steigt.

Toxische Wirkung

Nikotin ist stark giftig für höhere Tiere, da es die Ganglien des Vegetatives Nervensystem|vegetativen Nervensystems blockiert. Reines Nikotin wurde früher als Pflanzenschutzmittel|Pestizid gegen saugende oder beißende Insekten (unter anderem Blattläuse) eingesetzt. Für die Pflanzen ist der Stoff gut verträglich und ist zudem biologisch gut abbaubar. Aufgrund der hohen besteht für Nikotin jedoch seit den Siebziger Jahren ein Anwendungsverbot. Synthetisch hergestellte wie beispielsweise E605 Parathion (ein Phosphorsäure-Ester) wurden als Ersatz verwendet.

Nikotin wird im Körper schnell oxidativ abgebaut, eine chronische Nikotinvergiftung kann also nicht auf einer Kumulation des Wirkstoffes beruhen. Man stirbt also nur deshalb nicht unmittelbar am Rauchen, weil sich das Gift so schnell im Körper verteilt und weil es schnell wieder abgebaut wird. Für ein Kleinkind kann aber bereits das Verschlucken einer Zigarette Tod | tödlich sein. Die tödliche Dosis für einen erwachsenen Menschen beginnt bei ca. 50 mg, damit ist Nikotin giftiger als oder Kaliumcyanid|Zyankali.

Karzinogene Wirkung

Karzinogen | Karzinogene Wirkung wurde bisher (Stand 2004) nur für Ratten sicher bestätigt. Im US-Fachblatt "Journal of Clinical Investigation" wurde berichtet, dass Nikotin die Fähigkeit des Körpers blockiert, Zellen mit beschädigtem Erbmaterial zu zerstören. Derartige Zellen müssen aber vom Körper möglichst schnell abgebaut werden, weil sie sich sonst weitervermehren und zu Krebsgeschwulsten führen können. Darüber hinaus wurde im Fachblatt "Nature Medicine" berichtet, dass Nikotin die Bildung neuer Blutgefäße in Krebsgeschwulsten fördert, wodurch diese besser mit Nahrungsstoffen versorgt werden und schneller wachsen können.

Biochemische Wirkung

Nikotin wirkt als Agonist des s, einem bei der nervösen Erregungsweiterleitung vorkommenden Neurotransmitter. Hierbei bindet Nikotin an ACh-Rezeptoren des postsynaptischen Spalts und löst dort eine Depolarisation aus.

Sonstige Wirkungen

Nikotin führt zu einer Aktivierung der en, was wahrscheinlich der Hauptgrund für die vermehrten Gefäßerkrankungen bei Rauchern ist.

Entgegen früherer Untersuchungen wirkt sich Nikotin keineswegs positiv in Bezug auf Alzheimersche Krankheit|Alzheimer aus. Es hat weder einen positiven noch einen negativen Einfluss auf die Entstehung der für diese Krankheit typischen Amyloid-Plaques. Jedoch fördert Nikotin die Entstehung schädlicher Ablagerungen im Inneren der Nervenzellen.

Extremes Suchtpotenzial

Nikotin gehört zu den Substanzen mit dem höchsten Suchtpotential, auch gemessen an illegalen Drogen wie z.B. Kokain, und ist neben einem Lerneffekt mit verantwortlich für die nach erzeugnissen.

Vor allem ist von Bedeutung, dass Nikotin unterschwellig das Verlangen nach einer Zigarette erzeugt und durch das immer kürzer werdende gewöhnungsbedingte Reiz-Reaktions-Intervall eine immer stärker ausgeprägte Sucht in Form von erhöhtem Tabakkonsum ensteht.

Man weiß heute, dass bereits nach 3 Wochen Abstinenz keine messbare Veränderung der Acetylcholinrezeptoren mehr vorhanden ist - sie sich also wieder auf Normal-Niveu eingestellt haben. Das Nikotin selbst ist zu diesem Zeitpunkt schon längst nicht mehr im Gehirn nachweisbar (bis max. 3 Tage nach Beendigung des Nikotinkonsums).

Folglich kann man nach differenzierter Betrachtung des Wirkungsspektrums dieser Substanz sehr wohl ein sehr hohes Suchpotential konstatieren, welches aber eher unbewusst, d.h im unreflektierten Alltag, seine stärkste Ausprägung findet und in Entzugsphasen dadurch zum Vorschein tritt, dass vormals unbewusste verhaltensbedingte Veränderungen der menschlichen Kognition durch Lernen nun bewusst durch den Entziehenden verarbeitet werden müssen.

Im Ergebnis ist festzustellen, dass die suchterzeugene Wirkung nach der eigentlichen Substanz Nikotin nicht während des Entzugs von Bedeutung ist, was viele gescheiterte Therapien mit Nikotinsubstituten zeigen, sondern vielmehr der durch die nicotinerge Stimulation des nucleus accumbens induzierte Lernprozess. In geeigenter Weise kann dieser Lernprozess aber nur durch stärkste Selbstmotivation (sog. eiserner Wille) oder professionelle Verhaltens- und Gesprächstherapien beeinflusst bzw. umgekehrt werden.

Nikotin in Genussmitteln

Der Nikotingehalt des s einer betrug lange Zeit etwa 1 E-5 kg|1,2 mg. Inzwischen liegen die Werte bei (fast) allen Marken deutlich niedriger als noch 2000. Die Zigarette selbst enthält wesentlich mehr Nikotin, das beim Rauchen jedoch größtenteils einfach verbrennt, bevor es eingeatmet wird. Siehe hierzu auch Zigarettenfilter (Lippenstudie).

In kleinen Konzentrationen hat es einen stimulierenden Effekt. Nachdem es in den Blutkreislauf gelangt, fördert es die Ausschüttung der Stresshormone , und auch . Nikotin beschleunigt den Herzschlag, erhöht den und verringert den Appetit. Es kommt zu einer Steigerung der Magensaftproduktion und zu einer erhöhten Darmtätigkeit. Außerdem ist auch eine Diurese|antidiuretische Wirkung des Nikotin bekannt. Entzug|Entzugserscheinungen wie oder Ängstlichkeit können bis zu 72 Stunden andauern.

Siehe hierzu: , , Nikotinsäure

Weblinks

  • http://www.arguk.de/infos/nicotininfo.htm Allgemeine Nikotin-Informationen
  • http://www.f-r.de/ressorts/wissenschaft/?cnt=576291 Hirnrezeptor für Nikotinsucht aufgeklärt
  • http://www.gesundheit.de/roche/ro25000/r26746.000.html Maßnahmen bei Nikotinvergiftung
  • www.wissenschaft.de: Nikotin und Alzheimer-Krankeit


Kategorie:Droge Kategorie:Gesundheitsrisiko Kategorie:Alkaloid

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