Lexikon: Poliovirus

 

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Das Poliovirus ist der Erreger der (Poliomyelitis). Es handelt sich um ein unbehülltes mit einzelsträngiger plus- von ca. 25 Nanometer Durchmesser, das zum Genus Enterovirus der Picornavirus|Picornaviren gehört. Es kommt außer beim en auch beim Affen vor. Bild: Poliovirus.jpg Das Virus wird fäkal-oral (durch Schmierinfektion) auch über Gegenstände übertragen. Es ist also ein sehr umweltstabiles Virus, und Hygiene|hygienische Maßnahmen helfen nur wenig. Dabei befällt es zunächst den und breitet sich von dort in seltenen Fällen hämatogen (über das Blut) aus (zyklische Allgemeininfektion).

Die erzeugt meistens keine e. Manchmal kommt es zu grippeähnlichen Beschwerden. Nur relativ selten (ca. 1% der Infektionen) befallen die Viren auch n, dann vorzugsweise die für die Muskulatur wichtigen Vorderhornzellen im , und führen so zum sbild der .


Weltweit gibt es noch ca. 7.000 Neuerkrankungen pro Jahr, v.a. in Indien und Afrika, aber auch wieder sporadisch in den Industrienationen (wohl wegen steigender Impfkritik|Impfskepsis); Amerika ist seit 1994 poliofrei.

Die (WHO) will in den nächsten Jahrzehnten das Poliovirus, ähnlich wie in den 1970ern die Pocken, weltweit Eradikation|eradizieren, also die Welt poliofrei machen; der Erreger scheint dazu geeignet, da er sich praktisch nicht verändert und faktisch nur den Menschen als Reservoir hat.

Unabdingbar für das Gelingen dieses Vorhabens ist jedoch eine nicht nachlassende Impfbereitschaft weltweit, da das Virus eben sehr umweltstabil ist (und quasi "ausgehungert" werden muss, so dass es keinen Wirt mehr findet): Eine möglichst hohe weltweite Immunisierungsrate über Jahre ist dafür nötig.


Immunologische Einteilung

  • Typ 1 (Typ "Brunhilde"): am häufigsten, auch schwere Erkrankung möglich
  • Typ 2 (Typ "Lansing"): eher leichte Verläufe
  • Typ 3 (Typ "Leon"): selten, aber mit ernstem Verlauf


Nachweismethoden

  • Stuhldiagnostik in ca. 3/4 der Fälle positiv (erste Wochen mit manifester Erkrankung)
  • Serodiagnostik durch Nachweis von neutralisierenden n (Neutralisationstest) oder durch Komplementbindungsreaktion (KBR)
  • Polymerasekettenreaktion (PCR) zum Nachweis von Virus-n


Verwendung in Impfstoffen

  1. Totimpfstoff|Totimpfstoff nach Salk (IPV) zur intramuskulären , enthält auf Affennierenzellkulturen gezüchtete, mit Hitze und inaktivierte Virusbestandteile der 3 Typen
    • 10 Jahre Schutz, allerdings unsicherer als mit dem Lebendimpfstoff
    • dafür ist Impfpolio und Ansteckung Ungeimpfter ausgeschlossen
    • soll aber nicht während Epidemien verwandt werden
  2. Impfung#Beispiel 2: Kinderlähmung|Schluckimpfung mit dem Lebendimpfstoff|Lebendimpfstoff nach Sabin (OPV), einer Mischung aus den 3 Typen als sogenannte Attenuierung|attenuierte Viren (noch vermehrungsfähig, aber praktisch ohne Krankheitspotential)
    • für 5-10 Jahre effektiverer Schutz als mit dem Totimpfstoff
    • in Deutschland wegen der Seltenheit der Erkrankung gleichwohl nicht mehr Standard: Impfpolio nicht vollkommen ausgeschlossen (die Chance von 1:1,5 Millionen ist höher als das allgemeine Risiko!), auch mögliche Infektion nicht geimpfter Personen durch engen Umgang mit Geimpften (siehe dazu auch )


Literatur

  • Anonymus: Globale Polioeradikation - zwischen Bangen und Zuversicht. Hygiene und Medizin 29(11), S. 400 - 401 (2004), ISSN 0172-3790