Lexikon: Rückenmark

 

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Bild: Image661.gif Das Rückenmark (Medulla spinalis) ist der Teil des s, der innerhalb der Wirbelsäule verläuft. Zusammen mit dem bildet es das Zentrale Nervensystem .

Anatomie

Das Rückenmark ist von den selben Hirnhaut|Hüllen umgeben wie das Gehirn. Es ist wie die Wirbelsäule segmental aufgebaut. In Höhe eines jeden Wirbels tritt beiderseits ein Rückenmarks- oder Spinalnerv in den Wirbelkanal ein. Dieser teilt sich dann in seinen afferenten (zuführenden) und efferenten (wegführenden) Anteil. Die Afferenzen ziehen von hinten (bei Tieren oben) als Radix posterior bzw. dorsalis (Tiere) in das Rückenmark. Die efferenten kommen aus der Radix anterior/ventralis. Diese Radices (Wurzeln) erscheinen wie ein Büschel aus Faserbündeln.

An zwei Stellen ist das Rückenmark deutlich verdickt. Zum einem in der Intumescencia cervicalis, wo zusätzlich zu den Nerven des Körpers die des Arms (Vorderbeins) entspringen. Zum anderen in der Intumescencia lumbalis, wo die Nerven für das (Hinter-)Bein entspringen. Zum Ende hin läuft das Rückenmark spitz aus (Conus medullaris).

Während des Wachstums des Menschen wächst die Wirbelsäule schneller als das Rückenmark, so dass das Rückenmark auf Höhe des 1. LendenWirbel (Anatomie)|wirbel endet (sogenannter Ascensus, "Aufstieg"). Auch bei den übrigen n bleibt das Längenwachstum des Rückenmarks hinter dem der Wirbelsäule zurück, hier endet das Rückenmark in Höhe der hinteren Lendenwirbel. Bei n tritt dies nicht auf.

Dieser Umstand erlaubt eine Lumbalpunktion, bei der zu Diagnose|diagnostischen Zwecken aus dem Wirbelkanal entnommen wird, ohne Gefahr zu laufen, das Rückenmark zu verletzen.

Eine weitere Konsequenz der Rückenmarksverkürzung ist, dass die zugehörigen Nervenfasern weiter kaudal (schwanzwärts) aus dem Wirbelkanal austreten als sie aus dem Rückenmark entspringen. Dies verstärkt sich um so weiter kaudal man geht. Die Spinalnerven verlaufen dadurch eine immer größere Strecke im Wirbelkanal. Am Rückenmarksende entsteht dadurch ein kaudal ziehendes Bündel der Kreuz- und Schwanznerven, der sogenannte Pferdeschweif (Cauda equina).

Innerer Aufbau

Im Rückenmark sind die enfasern und die Soma|Somata (Nervenzellkörper) der Efferenz|efferenten n angesiedelt. Die Somata der Afferenz|afferenten Nerven liegen in einem Ganglion (Nervensystem)|Ganglion (Ganglion spinale) außerhalb des Rückenmarks, aber noch im Wirbelkanal.

Bei einem Schnitt durch das Rückenmark fällt eine schmetterlingsähnliche, graue Form auf, die außen von einer weißen Substanz umgeben ist. Die weiße Substanz (Substantia alba) besteht aus den Fortsätzen (Axone und Dendrit (Biologie)|Dendriten). Die graue Substanz (Substantia grisea) enthält die Somata der efferenten Rückenmarkse. Hier sind auch die Interneurone zu finden, die direkt Verbindungen und Beeinflussung zwischen einzelnen Neuronen ermöglichen. Im Zentrum der Schmetterlingsstruktur aus grauer Substanz gibt es einen Hohlraum, der über die gesamte Länge den Zentralkanal (Canalis centralis) des Rückenmarks bildet. Er ist der Überrest des Lumens des Neuralrohrs, aus dem das Rückenmark beim Embryo entsteht. Der Zentralkanal ist mit Liquor cerebrospinalis gefüllt, bei älteren Individuen kann er sich auch verschließen (obliterieren).

Die afferenten Bahnen erhalten als 2. Neuron ihre Signale vom ersten Neuron, dessen Zellkörper im Spinalganglion liegen und ziehen das Rückenmark hinauf bis zum Nucleus ventralis posterolateralis des Thalamus. Dabei kann man die weiße Substanz in mehrere Bahnen mit unterschiedlichen sensiblen Qualitäten unterteilen. Der Vorderseitenstrang (Tractus spinothalamicus) enthält seitlich Bahnen für die Schmerz- und Temperaturempfindung (Tractus spinothalamicus lateralis), vorne Bahnen für die Druck- und grobe Berührungsempfindung (Tractus spinothalamicus anterior). Die Bahnen für die feine Tast- und Berührungsempfindung sowie Tiefensensibilität liegen im Hinterstrang. Dabei liegen medial die Fasern aus der unteren Körperhälfte (Fasciculus gracilis), lateral davon die aus der oberen Körperhälfte (Fasciculus cuneatus). Alle 2. Neurone wechseln außerdem die Seite und laufen dann jeweils kontralateral. Die aus dem Hinterstrang tun das allerdings erst im Hirnstamm.

Die efferenten (motorischen) Bahnen laufen seitlich oder vorne.

Blutversorgung

Das Rückenmark erhält seine Blutversorgung vorwiegend aus Ästen, die direkt aus den Zwischenrippen- (Arteriae intercostales) und Lendengefäßen (Arteriae lumbales) entspringen. Im Bereich zwischen dem 4. uns 6. Brustwirbel ist die Ausbildung von Kollateralgefäßen gering, sodass bei einem Infarkt dieser Abschnitt besonders gefährdet ist. Im Halsbereich erfolgt der Zufluss aus Ästen der Arteria subclavia und Arteria vertebralis.

Innerhalb des Rückenmarkkanals teilt sich die segmentale Arteria radicularis in einen vorderen und hinteren Ast, der vorne als Arteria spinalis anterior und hinten als Arteria spinalis posterior das Nervengewebe versorgt. Bei Tieren wird aufgrund der horizontalen Körperposition von Arteria spinalis ventralis und dorsalis gesprochen.

Schäden des Rückenmarks

Schäden des Rückenmarks können durch Druck (z.B. durch oder Bandscheibenvorfall), Durchtrennung (Querschnittslähmung), Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Degeneration|degenerative Prozesse ausgelöst werden.

Eine Durchtrennung des Rückenmarks ist nach heutigem medizinischen Kenntnisstand irreparabel.

Jedoch stellten im Jahre 2005 israelische Forscher einen Ansatz zur Behandlung von Lähmungen wegen schwerer Rückenmarkverletzungen vor. Um einen Heilungsprozeß auszulösen, wurden sogenannte in das Rückenmark gespritzt (so die Angaben der Forscher der Proneuron Biotechnologies in Jerusalem). Die Behandlung mit diesen Immunzellen müsse aber binnen 14 Tagen beginnen. Bei 30 Prozent der Verletzten gebe es einen Heilungsvorgang. Bei einer ersten klinischen Studie hätten fünf von 16 Personen Körpergefühl und Bewegungsfähigkeit zurückerlangt.

Fehlbildungen des Rückenmarks

  • spina bifida (offener Rücken)
  • Tethered cord (Verwachsungen)
  • Diastomatomyelie (Rückenmarksspaltung)

Weblinks



Kategorie:Neurologie Kategorie:Zentralnervensystem

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