Lexikon: Raps

 

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z   Alle

Raps
brassica_napus.jpeg|300px|thumb|Raps (Brassica napus)
'
: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
: Rosenähnliche (Rosidae)
: Brassicales
: Kreuzblütengewächse
(Brassicaceae)
: Kohl (Brassica)
: Raps (Brassica napus)
Wissenschaftlicher Name
Brassica napus
L.

Raps (Brassica napus ssp. oleifera) gehört zur Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae), zu denen auch Senf und Kohl gehören. Brassica napus ist ein amphidiploider Bastard, der aus einer Bastardisierung von Rübsen (B. rapa) und Kohl (B. oleracea) hervorgegangen ist. Das Genom von Raps besteht aus 19 Chromosomen und setzt sich aus den Chromosomen der beiden Ausgangsformen zusammen (n=10 + 9).
Er wird in Mitteleuropa als Nutzpflanze zur Gewinnung von hochwertigen en angebaut, die vor allem industrielle Verwendung finden. Er dient außerdem der Produktion von Tierfutter.

Geschichte

Raps wird schon seit Jahrhunderten wegen des hohen Ölgehaltes seiner Samenkörner kultiviert. Ursprünglich stammt er aus dem östlichen Mittelmeerraum und wurde zur Gewinnung von Speiseöl|Speise- und vor allem Lampenöl verwendet. In Mitteleuropa wird Raps etwa seit dem 14. Jahrhundert angebaut, aber erst ab dem 17. Jahrhundert in größerem Stil. Im Zweiten Weltkrieg diente er vor allem der Margarineherstellung.

Da der Raps Senföl|Allylsenföl enthält, ist er wegen dessen beißenden Geschmacks als Speiseöl recht unbeliebt gewesen, Rapsöl galt als Arme-Leute-Öl. Der bittere Geschmack ist auch auf Glucosinolate zurückzuführen, weshalb er für eine Nutzung als Tierfutter nur eingeschränkt in Frage kam. Seine Hauptbedeutung hatte er als Brennstoff für Öllampen und in manchen Regionen als Teil der Fruchtfolgewirtschaft, da er die Böden gut durchwurzelt und so gleichmäßig Sauerstoff und Nährstoffe in den Boden einbringt.

Null- und Doppelnull-Raps

Bild: Rapsfeld.wmt.jpg
Bild: Raps1.jpg
Bild: Raps2.jpg

Nach intensiver Forschung und Züchtungen gelang es 1974 den Null-Raps (0-Raps) auf den Markt zu bringen, der anstelle der einfach ungesättigten Erucasäure Ölsäure enthält, die für den menschlichen Organismus wesentlich besser verträglich ist.

Nach weiterer Züchtungsarbeit wurde 1985 der Doppelnull-Raps (00-Raps) vorgestellt, bei dem auch der Gehalt an Glucosinolaten sehr stark gesenkt werden konnte.

Nach der Zusammensetzung der n kommt das 00-Rapsöl dem Olivenöl praktisch gleich. Der Anteil an essentielle Fettsäure|essentiellen Fettsäuren, insbesondere der alpha-Linolensäure ist noch um ein mehrfaches höher.

Der 00-Raps ist nicht unumstritten. Ein Gerücht besagt, Wildtiere wie Hasen und Rehe könnten ihn nicht verdauen, so dass sie trotz Sättigung (Physiologie)|Sättigung verhungern müssten. Wissenschaftlich ist dies zwar widerlegt, hält sich aber als Gerücht. Allerdings kann Raps bei Wiederkäuern Anämie|Blutarmut verursachen. Durch die reduzierten Anteile an Senfölen im 00-Raps kann es vorkommen, dass sich Tiere in Zeiten der Nahrungsknappheit an den für sie lebensbedrohlichen Raps wagen.

Nutzung

Neben seiner Nutzung als Speiseöl und als Rohstoff für Speisefette wird Raps in Deutschland hauptsächlich zur Herstellung technischer Produkte angebaut. Der Anbau von Winterraps zur Ernte 2004 beläuft sich nach den aktuellen Schätzungen des Marktforschungsinstituts Kleffmann auf rund 1,23 Millionen Hektar, was einer Rapssamenmenge von ca. 3,5 Millionen Tonnen entspricht. Der Anteil des Non-Food-Raps-Anbaus liegt hierbei bundesweit konstant bei etwa einem Viertel (311.265 ha) der Gesamtanbaufläche. Weit über die Hälfte des in Deutschland produzierten Pflanzenöls ist mittlerweile Rapsöl.

Neben den vielfältigen neuen Nutzungsmöglichkeiten des 00-Rapses liegt die wachsende Popularität des Rapsanbaus vor allem an der Landwirtschaftspolitik der EU: Landwirte bekommen Stilllegungsprämien für so genannte konjunkturell stillgelegte Flächen; auf diesen Flächen ist der Anbau von Raps als nachwachsender Rohstoff aber möglich und beihilfefähig.

Rapsöl (Rüböl) wird vor allem für die Herstellung von Schmierstoffen verwendet, auch für Reinigungsmittel und und als "Pöl" in angepassten Dieselmotoren. Der nach dem Auspressen der Ölsaat verbleibende Presskuchen wird anstelle von schrot als Protein|eiweißreicher Futterzusatz für Tierfutter verwendet.

Rapsölmethylester

Der Hauptteil des Rapses wird aber in der Produktion von Rapsölmethylester (RME) eingesetzt, der auch unter dem Begriff bekannt ist.

Da er als nachwachsender Rohstoff für eine CO2-Minderung sorgt, biologisch abbaubar ist und bei der Verbrennung weniger Ruß als Diesel erzeugt, wird seine Produktion von der Bundesregierung wirtschaftlich stark gefördert. Auch die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft spielt eine große Rolle. Biodiesel ist deshalb an vielen Tankstellen deutlich billiger als herkömmlicher Diesel.

Kritiker halten den positiven Effekten des Rapsölmethylesters den hohen Flächen- und Dünger|Düngemittelverbrauch sowie den Energieverbrauch bei der Treibstoffherstellung aus Rapsöl entgegen.

Anbau

Die Aussaat des Rapses beginnt im August. In Deutschland wird fast ausschließlich 00-Raps als Winterraps gesät. Im Mai und Juni blüht der Raps leuchtend Gelb und prägt damit inzwischen viele Kulturlandschaften mit.

Abhängig von der Sorte und den Anbaubedingungen bringt der 00-Raps einen Ertrag von bis zu 4.000 Kilogramm pro Hektar Ölsaaten. Der mittlere Ölgehalt beträgt 43 Prozent.

Die wichtigsten Anbaugebiete liegen in China, Kanada und Indien.

2004 betrug die Anbaufläche in Deutschland 1,279 Mio Hektar (Quelle: FAO).

Weblinks

Kategorie:Kreuzblütengewächse

cy:Rêp en:Rapeseed es:Colza fr:Colza it:Colza ja:アブラナ nl:Koolzaad