Lexikon: Regelkreis

 

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Unter einem Regelkreis versteht man ein , dessen Ausgangsgröße, die Regelgröße (Istwerte x), möglichst gut seiner Eingangsgröße, der Führungsgröße (Sollwerte w), folgen soll. Kennzeichnend für einen Regelkreis ist der geschlossene Wirkungskreis. In einem Regelkreis müssen mindestens zwei Teile unterschieden werden:

  • Regelstrecke
  • Regler (Regeleinrichtung)


Regelstrecke und Regler = Regelkreis

In der Regelungstechnik werden im Regelkreis sieben Teile unterschieden, welche Teil der Regelstrecke oder der Regeleinrichtung sein können:


1. Messglied

2. Regler

3. Verstärkungsglied

4. Vergleichsglied

5. Steller

6. Stelleinrichtung

7. Stellglied

  • Eingangsgröße der Regelstrecke ist die Stellgröße y
  • Ausgangsgröße ist die Regelgröße x.
  • Außerdem wirkt auf die Regelstrecke die Störgröße z. Ihretwegen ist überhaupt die Regeleinrichtung erst nötig.

Das Messglied ist sowohl Teil der Regelstrecke, wie auch der Regeleinrichtung. Von der Regelstrecke nimmt er die Regelgröße x als Eingangsgröße auf und verarbeitet sie zur Rückführgröße r weiter, welche er an die Regeleinrichtung leitet.

Aus den beiden Größen Rückführgröße r und Führungsgröße w bildet das erste Glied des Reglers, das Vergleichsglied, die Regeldifferenz e nach der Formel

e = w - r

Die Regeldifferenz e verstärkt das Verstärkungsglied zur Hilfsstellgröße yr.

Die Stelleinrichtung ist wie die Messeinrichtung sowohl Teil der Strecke, wie auch der Regeleinrichtung. Deren erstes Glied, der Steller, verarbeitet die Hilfsstellgröße yr zur Stellgröße y und leitet sie an das Stellglied weiter.

Das Stellglied bewirkt durch Stellungsänderung eine Veränderung der Regelgröße x und der Regelkreis ist geschlossen.

Beispiele

Aus der Technik

  • Drehzahlregelung einer Dampfmaschine mit Fliehkraftregler|Fliehkraftregelung (klassisches Beispiel eines Reglers, allerdings nichtlinear)
  • Temperaturregelung im Kühlschrank
  • Regelung der Geschwindigkeit ("Tempomat")
  • Regelung einer Heizung
  • Regelung einer Flugbahn (Autopilot, Beispiel eines komplexen Regelsystems; mehrere Regelkreise)

Aus der Biologie

  • Regelung der Körpertemperatur
  • Regelung des Pulses
  • Regelung des s
  • Regelung des -Spiegels (mittels ausschüttung)
  • Regelung des Sauerstoffgehaltes des Blutes
  • Regelung des einfallenden Lichtes durch Vergrößerung bzw. Verkleinerung der Pupille

Die Regelung des Pulses, des Blutdrucks und des Sauerstoffgehaltes des Blutes sind nicht unabhängig voneinander.

Mathematische Beschreibung

Regelkreise können mathematisch mit Hilfe einer speziellen Systemtheorie beschrieben werden, die zusammen mit der Regelungstechnik entwickelt wurde. Diese Theorie vermag sowohl zeitkontinuierliche als auch zeitdiskrete Systeme und Signale zu beschreiben.

Signal

Unter Signal wird die Darstellung einer physikalischen Größe in Abhängigkeit der Zeit verstanden. Signale sind mathematisch gesehen kontinuierliche oder diskontinuierliche Funktionen.

z. B. eine Sinusspannung

s(t) = A \cdot \sin(\omega t)

System

Unter einem System wird ein mathematisches Modell verstanden, das in sehr allgemeiner Weise zur Beschreibung und zur Untersuchung technischer Prozesse verwendet werden kann. Ein System kann daher ein Regelkreis sein. Aber auch die Bestandteile (Regler, Regelstrecke ...) selbst sind wiederum Systeme. Es ist charakteristisch für Systeme, daß sie Ein- und Ausgangssignale besitzt. Dabei hängen alle Ausgangsgrößen ursächlich von den Eingangssignalen ab.

Die Eingangssignale von Systemen werden durch die Eigenschaften des Systems in Ausgangsgrößen transformiert. Dieser Sachverhalt wird mathematisch folgendermaßen allgemein beschrieben:

Eingangsgröße:  x(t)
Ausgangsgröße:  y(t)
Transformation: T
         
 y(t) = T\{x(t)\} 

Systemverhalten (Transformation)

Die Transformation T (das Systemverhalten an sich) kann durch die sogenannte Übertragungsfunktion - das System an sich - ersetzt werden

y(t) = (g(t) \quad {\rm gefaltet} \quad {\rm mit} \quad x(t))

Da die Systeme und Signale mathematisch durch Differentialgleichungen im sogenannten Zeitbereich beschrieben werden, ist die rechentechnische Handhabung bekanntlich schwierig. Zudem erschwert die mathematische Operation der Faltung das Rechnen erheblich.

Vereinfachung der mathematischen Handhabung

Durch einen mathematischen "Kniff" läßt sich die Handhabung von Systemen bzw. Regelkreisen unter bestimmten mathematischen Prämissen wesentlich vereinfachen. Liegen sog. LTI-Systeme (Lineare zeitinvariante kausale) vor, können für die Signale und Systeme die sog. Laplace-Transformierten gebildet werden.

Der Regelungstechniker wendet die sog. Fourier-Transformation|Fourier- und Laplace-Transformationen an.

Die Funktionen des Zeitbereichs werden in Funktionen des Frequenzbereichs mit der imaginären Frequenz Omega transformiert. Symbolisch:

Zeitbereich            Frequenzbereich
Abhängig von t         Abhängig von  \omega = 2 \pi f
x(t)             o-O   X(iω)   mit p = iω  kurz X(p)
y(t)             o-O   Y(iω)   mit p = iω  kurz Y(p)
g(t)             o-O   G(iω)   mit p = iω  kurz G(p)

In diesem Falle falle werden Integral- und Differentialoperatoren auf einfache Multiplikationen und Divisionen reduziert.

Eingangsgröße:                            X(p)
Ausgangsgröße:                            Y(p)
System / Übertragungsfunktion:        G(p)
Y(p) = G(p) \cdot X(p)

Zusammenfassung

Grundsätzlich können Regelkreise also mit Hilfe von Funktionen in Abhängigkeit der Zeit oder von Frequenzen beschrieben werden. Ob im Zeit- oder Frequenzbereich gerechnet wird ist Geschmacksache und daher bleibt die Wahl jedem selbst überlassen.

Systemtheoretisch beschreiben also sog. Übertragungsfunktion oder Transferfunktion ein System genau.

Erst durch Schließen des offenen Regelkreises kann die Regelgröße geregelt werden (closed loop).

Grundsätzlich können alle Bestandteile des Regelkreises, wie zum Beispiel Regelstrecke, Regler, Eingangs-, Stör- und Ausgangsgrößen mathematisch durch eine Übertragungsfunktion beschrieben werden. Regelkreise können dabei mehr als eine Eingangs-, Ausgangs- und Störgrößen haben.

Die Mathematik untersucht grundsätzlich kontinuierliche und diskontinuierliche (diskrete) Systeme in der Regelungstechnik.

Stabilität

Für die analoge und digitale Regelungstechnik ist die Stabilität des (geschlossenen) Regelkreises wichtig. Die Stabilität bezieht sich dabei auf das Verhalten der zu regelnden Ausgangsgrößen in Abhängigkeit der Führungs- (Eingangsgrößen) und Störgrößen des Systems. Geschlossene Regelkreise können immer einem der folgenden Status zugeordnet werden:

  • stabil
  • labil
  • instabil

Im stabilen Fall vermag der Regler der Führungsgröße zu folgen. Im labilen Fall geht der Regler in einen schwingungsfähigen Zustand über. Der instabile Fall wird dabei oft als Resonanzkatastrophe bezeichnet. Diese gilt es unter allen Umständen zu vermeiden.

Um das zu regelnde System stabil zu halten gibt es zahlreiche mathematische Verfahren zur Bestimmung der Regelkreisstabilität mit Hilfe von Übertragungsfunktionen und bestimmten Eingangsgrößen.

Siehe auch

Wichtige mathematische Stichworte sind unter anderen:

  • Komplexe Zahl
  • Funktion (Mathematik)|Funktion
  • Laplace-Transformation
  • Fourier-Transformation
  • Leonhard Euler
  • Zustandsregelung
  • Kybernetik
  • Systemtheorie

Simulation

Eine Vielzahl kommerzieller und freier Software erleichtert die Arbeit mit technischen Systemen und Regelkreisen auf dem Rechner. Mit Hilfe bestimmter Anwendungen lassen sich Regelkreise auf dem Computer graphisch Simulation|modellieren.

Darüber hinaus kann über die Ausgabe von x-t-Diagrammen, Übertragungsfunktionen, Frequenzgang|Frequenzgängen, Ortskurven und Wurzelortskuven das Verhalten der technischen Systeme graphisch dargestellt werden.

Die erstellten Modelle können auf Wunsch mit geeigneter Ausstattung kompiliert und auf eine Elektronik übertragen werden.

Siehe auch:

  • Regelungstechnik
  • Wurzelortskurve

Kategorie:Kybernetik Kategorie:Steuerungs- und Regelungstechnik