Lexikon: Sonnenwind

 

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Der Sonnenwind ist ein Strom geladener Teilchen, der von der ins All strömt. (Anmerkung: In der Presse wurde in der Berichterstattung zur Genesis (Sonde)|Genesis-Sonde häufig fälschlich der Begriff Sonnenstaub verwendet.)

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Entstehung und Zusammensetzung

Der Sonnenwind besteht hauptsächlich aus Protonen und en sowie aus kernen (Alphateilchen); andere Atomkerne und nicht ionisierte (elektrisch neutrale) Atome sind nur in kleinem Umfang vorhanden. Obwohl der Sonnenwind aus den äußeren Schichten der Sonne stammt, spiegelt der Sonnenwind die Elementhäufigkeit dieser Schichten der Sonne nicht exakt wider, da durch Fraktionierungsprozesse (FIP-Effekt) manche Elemente im Sonnenwind angereichert bzw. verdünnt werden. Im Inneren der Sonne wurden die Elementhäufigkeiten durch die dort stattfindende geändert, da die äußeren Schichten der Sonne jedoch nicht mit den inneren Schichten gemischt sind, entspricht deren Zusammensetzung noch der Zusammensetzung des Urnebels, aus dem sich das Sonnensystem gebildet hat. Die Erforschung des Sonnenwinds ist deshalb auch interessant, um sowohl auf die chemische Zusammensetzung als auch auf die enhäufigkeiten des Urnebels schließen zu können.

Die Sonne verliert durch den Sonnenwind pro Sekunde etwa 1 Million Tonnen ihrer Masse. Man unterscheidet den langsamen und den schnellen Sonnenwind. Die Geschwindigkeit des langsamen Sonnenwinds liegt bei etwa 400 Kilometern pro Sekunde, der schnelle Sonnenwind, der an den len Löchern austritt, erreicht 800–900 Kilometer pro Sekunde. In Erdnähe hat der Sonnenwind eine Dichte von ca. 5*106 Teilchen pro m³.

Auswirkungen des Sonnenwinds

Da der Sonnenwind aus Elektrische Ladung|elektrisch geladenen Teilchen besteht, stellt er ein Plasma (Physik)|Plasma dar, das sowohl das der Sonne wie auch das der Erde verformt. Das irdische Magnetfeld hält den Teilchenschauer zum größten Teil von der Erde ab. Nur bei einem starken Sonnenwind können die Teilchen in die hohen Schichten der eindringen und dort er hervorrufen, ebenso wie auf anderen Planeten mit einem Magnetfeld. Starke Sonnenwinde haben auch Einfluss auf die Ausbreitung von elektromagnetischen Wellen und können unter anderem den Kurzwellenfunk und die Kommunikation mit Satellit (Raumfahrt)|Satelliten stören.

Ein deutlich sichtbares Anzeichen für die Existenz des Sonnenwinds liefern die en: Kometenschweife zeigen immer von der Sonne weg, denn die Gas- und Staubteilchen, welche die Koma und den Schweif bilden, werden vom Sonnenwind mitgerissen.

Der Sonnenwind reicht weit bis über die äußeren Planetenbahnen hinaus. Er treibt das Interstellare Materie|interstellare Gas aus dem hinaus und bildet eine Art Blase im Weltall, welche Heliosphäre genannt wird. Die Grenze der Heliosphäre, an der die Teilchen des Sonnenwinds abgebremst werden, heißt Heliopause. Sie wird oft als die Grenze des Sonnensystems angesehen. Die genaue Entfernung ist nicht bekannt, Beobachtungen der Raumsonde Voyager 2 geben Grund zu der Annahme, dass sich die Heliopause in etwa der vierfachen Entfernung des Pluto (Planet)|Plutos befindet.

Entdeckung und Erforschung

Bereits 1859 beobachtete der Forscher Richard Christopher Carrington|Richard Carrington einen Zusammenhang zwischen Flare|Sonnenflares und zeitlich versetzten irdischen Magnetfeldstürmen, was - obwohl damals unerklärlich - ein frühes Indiz für die Existenz des Sonnenwindes war. Anfang des 20. Jahrhunderts vertrat der norwegische er Kristian Birkeland die Auffassung, die Polarlichter würden durch Teilchenströme von der Sonne ausgelöst. Seine Idee wurde jedoch ebenso wenig ernst genommen, wie die des deutschen Physikers Ludwig Biermann, der eine "Solare Teilchenstrahlung" annahm, um die Richtung der Komet#Schweif|Kometenschweife erklären zu können. Astronomen war aufgefallen, dass die Kometenschweife nicht exakt von der Sonne weg gerichtet waren, sondern einen kleinen Winkel dazu aufwiesen. Biermann erklärte diese Eigenschaft 1951 durch die Bewegung des Kometen in einem sich ebenfalls bewegenden Teilchenstrom, gewissermaßen ein seitliches Abdriften durch die Strömung. Eugene N. Parker|E.N. Parker hat 1959 die englische Bezeichnung solar wind eingeführt und eine Magnetohydrodynamik|magnetohydrodynamische Theorie zur Beschreibung des Sonnenwindes vorgeschlagen.

Die Existenz des Sonnenwinds konnte erst 1959 durch die sowjetische Lunik-Mission |Lunik 1 und 1962 durch die amerikanische Mariner 2 auf ihrem Weg zur Venus (Planet)|Venus experimentell bestätigt werden.Ein weiterer Meilenstein in der Erforschung des Sonnenwindes waren die Sonnenwindsegel welche mit Ausnahme von Apollo 13 und 17 bei allen Mondlandungen aufgestellt wurden und Daten über die Isotopenhäufigkeiten der Edelgase , Neon und Argon im Sonnenwind lieferten. Viele weitere Missonen haben zum Verständnis des Sonnenwindes beigetragen. Die Raumsonden Pioneer 10/11, Voyager 1/2 und die Ulysses (Sonde)|Ulysses-Mission lieferten Daten des Sonnenwindes außerhalb der Erdumlaufbahn, während Helios 1/2 und die Mariner- und Pioneer-Venus|Pioneer-Missionen zur Venus sowie russische VeGa-Sonden Daten von innerhalb der Erdumlaufbahn lieferten. IMP 1–8, AIMP 1/2, ACE, ISEE 1–3 Sonden sowie das Sonnenobservatorium Solar and Heliospheric Observatory|SOHO und die Raumsonde Wind (Sonde)|Wind lieferten Sonnenwinddaten in Erdnähe. Die Ulysses-Mission lieferte auch Daten über den Sonnenwind außerhalb der Ekliptik. Im Jahr 2001 wurde die Genesis (Sonde)|Genesis-Mission gestartet bei welcher hochreine Kristalle im einem der Lagrange-Punkt L1 des Erde-Sonne-Systems dem Sonnenwind ausgesetzt wurden und danach zur Untersuchung zur Erde zurückgebracht werden sollten. Die Mission schlug jedoch bei ihrem Abschluss im Jahr 2004 fehl, da die Kapsel, in der die Sonnenwindteilchen zur Erde transportiert werden sollten, nicht wie geplant von einem Fallschirm abgebremst und dann von einem Helikopter aufgefangen wurde, sondern auf dem Boden zerschellte, da sich der Fallschirm nicht geöffnet hatte.

Weblinks

  • http://webdoc.gwdg.de/diss/1999/ivory/phd_ivory.pdf
  • http://nssdc.gsfc.nasa.gov/space/disciplines/solar_wind.html (engl.)
  • http://genesismission.jpl.nasa.gov/ (engl.)
  • http://www.spaceweather.com/ (engl.)

Kategorie:Sonne

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