Lexikon: Taxonomie

 

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Die Taxonomie ist die Einteilung von Dingen, insbesondere Organismus|Organismen, in Taxa (Sing.: ) (Gruppen). In der Biologie erfolgt diese Einteilung traditionell in einen bestimmten Rang, wie Art (Biologie)|Art, Gattung (Biologie)|Gattung oder Familie (Biologie)|Familie. In der Sprachwissenschaft|Linguistik beschäftigt sich die Taxonomie mit der Segmentierung und Klassifikation sprachlicher Einheiten, um mit diesen ein Sprachsystem zu beschreiben. Auch andere Fachbereiche verwenden den Begriff der Taxonomie allgemein für ein Klassifikationssystem, eine Systematik oder den Vorgang des Klassifikation|Klassifizierens.

Taxonomie in der Biologie

Die Taxonomie ist ein Teilgebiet der Biologie, das die verwandtschaftlichen Beziehungen von Pflanzen- und Tierarten sowie gegeneinander in einem hierarchischem System erfaßt.

Ein Taxon ist in der eine Gruppe von , die sich durch gemeinsame Merkmale vollständig beschreiben und von anderen Gruppen unterscheiden läßt. Die Aufstellung von Taxa ist die Grundlage für die Taxonomie, der wissenschaftlichen Gliederung der Organismen nach international festgelegten Nomenklaturregeln. Siehe unter Nomenklatur (Biologie)|biologische Nomenklatur.

Durch die Abgrenzung der verschiedenen Taxa erfolgt eine Klassifikation nach bestimmten Stufenfolgen.

Die Taxa:

Deutsch Latein
Reich Regnum
Unterreich Subregnum
Abteilung Divisio
Stamm Phylum
Unterstamm Subphylum
Klasse Classis
Ordnung Ordo
Unterordnung Subordo
Familie Familia
Unterfamilie Subfamilia
Gattung Genus
Art Species

Eine Schlüsselstellung besitzt hierbei die Art (Species). Die Art ist die Gemeinschaft aller Individuuen, die eine Fortpflanzungsgemeinschaft bilden.

Mit der Veröffentlichung der “Systema naturae” im Jahre 1739 durch Carl von Linné hat sich die binäre Nomenklatur durchgesetzt. Der erste Name bezeichnet hier die Gattung (Genus) und der zweite Name gibt die Art (Species) an.

Methoden

Traditionelle Methoden richteten sich nach Morphologie|morphologischen Merkmalen, wie etwa dem Körperbau bei Tieren oder dem Blütenaufbau bei . Mit dem Aufkommen neuer Erkenntnisse in den Wissenschaften (Mikroskopie, , , ) erschlossen sich auch dem Taxonomen neue Einteilungsmerkmale.

Verwandte Gebiete

Die Systematik (Biologie)|biologische Systematik ist tiefergehend. In ihr spielen Phylogenie|phylogenetische Verwandtschaftsbeziehungen eine Rolle. Die unterschiedlichen Taxa werden in der Systematik in einen Hierarchie|hierarchischen evolutionärer Stammbaum|Stammbaum eingeordnet, der ihre Evolutionstheorie|evolutionäre Abstammung widerspiegeln soll. Die ist heute die Standardmethode zur Erstellung eines Stammbaums.

Kritik

Ludwig Wittgenstein zeigte in den 1950er|1950er Jahren grundsätzliche Probleme jeglicher hierarchischer Klassifikationssysteme auf; er wies die Problematik in seinen Philosophischen Untersuchungen (1953) am Beispiel der Familienähnlichkeit nach.

Auch der Philosoph Michel Foucault kritisiert in Die Ordnung der Dinge (1974) die Fragwürdigkeit jeglicher Kategoriensysteme, da sie einer Raum-Zeit-Gebundenheit unterliegen (Archäologie des Wissens). Als Beispiel führt er einen Text von Jorge Luis Borges über unterschiedliche Tierkategorien in "einer gewissen chinesischen Enzyklopädie" an, in der Tiere folgendermaßen eingeteilt werden:

  1. Tiere die dem Kaiser gehören,
  2. einbalsamierte Tiere,
  3. gezähmte,
  4. Milchschweine,
  5. Sirenen,
  6. Fabeltiere,
  7. herrenlose Hunde,
  8. in diese Gruppierung gehörige,
  9. die sich wie Tolle gebärden,
  10. die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind,
  11. und so weiter
  12. die den Wasserkrug zerbrochen haben,
  13. die von weitem wie Fliegen aussehen.

Dieses Beispiel zeigt, dass jedes Kategoriensystem willkürlich wirkt, wenn es von einer Außenperspektive aus betrachtet wird.

Taxonomie in der Belletristik

Neal Stephenson beschreibt in seinem Roman Quicksilver, wie sein Protagonist Daniel Waterhouse im Auftrag seines Mentors Wilkins eine Taxonomie aller Dinge aufstellt zu dem Zweck, eine Sprache der Wissenschaft zu entwickeln, die auch von Bewohnern anderer Welten aus sich selbst heraus verstanden werden kann.

Taxonomie bei bildungtechnologischen Standards

Mit Taxonomie bezeichnet man hier ein Modell, das wie der Thesaurus versucht, Begriffe eines Themengebietes zu definieren und sie in Beziehung zu setzen; anders gesagt, Begriffe systematisch zu ordnen und zusammenzuführen um so ein Themengebiet möglichst präzise zu beschreiben und zu repräsentieren. Im Unterschied zum Thesaurus werden hier die gesammelten Begriffe in hierarchische Beziehung gesetzt, klassifiziert also z.B.

Sprachwissenschaft ist eine Unterdisziplin der Geisteswissenschaften.

Taxonomie von Lernzielen

In der Lerntheorie werden die Lernziele entsprechend ihrer intellektuellen Anforderungen an die Lernenden in verschiedene Taxonomiestufen eingeordnet. Weltweit am bekanntesten sind für den kognitiven Bereich die von Benjamin Bloom beschriebenen 6 Lernzielstufen.

Taxonomie in der IT

In Bezug auf Dokumente bzw. Inhalte wird der Begriff Taxonomie für ein Klassifikationssystem, eine Systematik oder den Vorgang des Klassifikation|Klassifizierens verwendet. Klassifizierungen können beispielsweise durch die Erfassung von Metadaten und/oder die Verwendung einer Ablagestruktur vorgenommen werden.

Taxonomie-Artikel in der Wikipedia

  • Systematik (Biologie)
  • Hierarchie mathematischer Strukturen

Siehe auch

  • Familienähnlichkeit
  • Baum des Wissens
  • Arbor porphyriana
  • Dendrogram
  • Clusteranalyse

Literatur

Philosophische Betrachtungen zur Taxonomie:

  • Michel Foucault: Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften. 13. Auflage. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-518-27696-4
  • Paul Michel: Ordnungen des Wissens. In: Ingrid Tomkowiak (Hrsg.): Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens. Chronos, Zürich 2002, S. 35-85, ISBN 3-0340-0550-4
  • Werner Kunz: Was ist eine Art? In der Praxis bewährt, aber unscharf definiert. In: Biologie in unserer Zeit. 32/1/2002, S. 10-19, ISSN 0045-205X

Taxonomien im linguistischen Sinne werden betrachtet in:

  • David Alan Cruse: Lexical Semantics. Cambridge Univ. Press, Cambridge 2001, ISBN 0-521-27643-8

Weblinks


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