Lexikon: Tomate

 

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Tomate
Image:Tomatoes-on-the-bush.jpg|300px|none|TomateTomate (Solanum lycopersicum)
'
: Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrige
(Rosopsida)
: Asternähnliche (Asteridae)
: Nachtschattenartige (Solanales)
:
(Solanaceae)
: Nachtschatten (Solanum)
: Tomate (S. lycopersicum)

Die Tomate ist eine Art (Biologie)|Pflanzenart aus der Familie (Biologie)|Familie der . Umgangssprachlich wird vor allem die als verwendete rote Frucht als Tomate bezeichnet. Ihren Namen hat die Tomate von tomatl, dem Wort für diese Frucht in der sprache Nahuatl. Ihr botanischer Name ist Solanum lycopersicum (ehem./synon. Lycopersicon esculentum oder Lycopersicon lycopersicum), und wird auch Liebesapfel, Paradiesapfel oder in Ost der Paradeiser genannt.

Bezeichnung

Namen in anderen Sprachen sind: tomater (dk); tomate (fr); tomato, love-apple (en); paradajka (sk); tomate (es); tomaat, liefdesappel (nl); pomodoro (it); pomidor (pl, ru); tomates, kärleksäpple (se), tomate (pt); patlagele rosii (ro); paradicsom (hu); paradajz/rajcica (cr).

Geschichte

Das Ursprungsgebiet der Tomate ist Mittelamerika|Mittel- und/oder Südamerika, wobei die Wildformen von NordChile|chile bis Venezuela verbreitet und beheimatet sind. Die größte Vielfalt der in Kultur befindlicher Formen ist in Mittelamerika zu finden. Dort wurden sie schon von Azteken|Azteken und s etwa 200 v. Chr. bis 700 n. Chr. als "tomatl" kultiviert. Samen wurden bei Ausgrabungen südlich von -Stadt in Erdschichten von Höhlen im Tehuacan-Tal gefunden.

Die Tomate wurde erstmals Mitte des 16. Jahrhunderts durch die Entdecker mit Christoph Kolumbus (1493-1504) nach Spanien und Portugal eingeführt. Sie zählt damit in Europa zu den Hemerochorie|hemerochoren Pflanzen und aufgrund ihrer Einführung nach 1492 zu den Neophyten.

Erste Beschreibungen, die teilweise auch bereits bebildert waren, stammen aus Italien (1522), von Georg Oelinger (1553) und Conrad Gesner (1561). Auf den Zeichnungen lassen sich bereits erste Selektionserfolge erkennen. Man vermutet, dass die ersten Pflanzen gelbe Früchte trugen und die Größe einer Kirsche hatten. Auch große rote Tomaten waren schon bekannt. Im frühen 19. Jahrhundert wurde sie dann auch in Nordamerika eingeführt. Vor dem Erster Weltkrieg|Ersten Weltkrieg war die Tomate bei den Italien|Italienern schon längst im Anbau, während in Deutschland die Pflanzen noch als Zierpflanze angesehen wurde und als nicht einfach zu kultivieren galt. Erst ab 1925 fand in Deutschland ein regelrechter Siegeszug der Tomate statt, der gut mit dem der Kartoffel verglichen werden kann. Neuerdings werden in Kalifornien von Ökobauern alte Sorten, die fast ausgestorben sind, wieder angebaut.

Beschreibung

Bild: Fleurtomate.jpg Die Tomate ist eine Einjährige Pflanze|einjährige, Frost|frostempfindliche Pflanze. Sie wird 30 bis 150 cm hoch, teilweise jedoch mit über 4 m auch deutlich höher. Als Jahreskultur im professionellen Anbau kann sie eine Länge von 20 m erreichen. Die ganze Pflanze ist besonders im Blütenstand drüsenhaarig überzogen. Die Laubblätter sind unterbrochen-unpaarig-gefiedert, Blättchen meist unregelmäßig fiederschnittig bis lappig gezähnt. Die gelben Blüten erscheinen von Juli bis Oktober. Die Frucht (Botanik)|Frucht der Tomatenpflanze ist botanisch gesehen eine .

Einteilung nach Typen

  • Fruchtform: rund und glatt (Normale Tomate), flachrund und glatt (meist Fleischtomate), flachrund und faltig (Cuore di Bue in Norditalien), herzförmig (Russland|russische Cuore di Bue), oval oder Pflaume|pflaumenförmige Eiertomate (meist im Cherry- oder Cocktailbereich), Birne|birnenförmig (Cherrytomate), länglich (San Marzano-Tomate).
  • Größe: Sie ist stark von der Anzahl Fruchtkammern (Kammern) abhängig. Cherrytomate (2-3), Cocktailtomate (2-3), Normale Tomate (3-5), Cuore di Bue (4-5), Fleischtomate (3-6), San Marzano, Riesentomaten (bis 1 kg). Auch Früchte mit bis zu 10 Kammern sind bekannt.
  • Farbe: weiß, gelb, orange, rot, rosa, violett, schwarz. Auch grünlich abreifende Sorten sind bekannt.
  • Farbverteilung: unicolor (UC), bicolor (BC) meist mit grünem Ansatz beim Stängel, getigert/gefleckt.
  • Wuchstyp: unbegrenzt wachsend (indeterminiert) oder begrenzt wachsend (determiniert), als Busch- oder Stabtomate (auch an Schnur) gezogen.
  • Reifetyp: früh-, mittel- oder spätreifend (erste rote Tomate bringend), als lose Tomaten oder Trosstomaten erntbar.
  • Verwendung: Zierpflanze, Hobbyanbau, Selbstpflücke, Direktverkauf und Marktfahrer, Engrosvermarktung oder verwertung.
  • Ernteeignung: Maschinenernte Industrie, lose ohne Blütenkelch, lose mit Blütenkelch, Tross/Traube, Tross/Traube jointless (Stiel ohne Sollbruchstelle)

Verwendung als Nahrungsmittel

Bild: Tomatoes plain and sliced.jpg Hauptbestandteil der Tomate ist Wasser (etwa 95%), außerdem enthält sie Vitamin A, Vitamin B1|B1, Vitamin B2|B2, Vitamin C|C, Vitamin E|E, Niacin sowie Mineralstoffe, besonders und Spurenelemente. Der rote Farbstoff ist Lycopin, ein Carotinoide|Carotinoid, das die Abwehr stärken soll, da es antioxidativ wirkt und das Risiko bestimmter Krebs (Medizin)|Krebserkrankungen senken soll. Der Nährwertgehalt ist mit etwa 75 Joule|kJ pro 100 g relativ gering. Aus Tomaten wird in großen Mengen Tomatenmark hergestellt.

Bei der Vorbereitung von Mahlzeiten sollten grüne Teile und der Stielansatz entfernt werden. In den unreifen grünen Stellen der Frucht befindet sich das giftige Solanin, das sich vor allem in der Pflanze aber auch in grünen Früchten befindet. Es kann zu gesundheitlichen Schäden führen. Allerdings gibt es auch bestimmte Tomatensorten, die von Natur aus außen grün sind. Dies soll daran liegen, dass diese Tomaten von innen nach außen reif werden und nicht, wie wir es von den roten Tomaten kennen, von außen nach innen. Diese z.B. schwarzbraunen bis grünen Tomaten, angeblich aus einer Tomatensorte der Galápagos-Inseln gezüchtet, sollen also keinen höheren Solanin-Gehalt als die roten Tomaten haben.

Aktuelle Untersuchungen haben ergeben, dass der Gehalt an Vitaminen in Konservendosenware meist höher liegt als bei frischer Ware. Industrietomaten werden fast immer dort konserviert, wo sich deren Produktion befindet. Solche Tomaten reifen deutlich besser aus, werden meist noch am Erntetag verarbeitet und haben einen geringeren Wassergehalt als Frischware aus dem Ausland. Dies macht Verarbeitungsverluste mehr als wett. Die Tomate kann sicher nicht als Heilpflanze bezeichnet werden. Dazu besitzt sie nicht die nötigen nachweisbaren akuten Heilwirkungen. Jedoch wird sie von Ernährungswissenschaftlern zur empfohlen. Sicher enthält sie viele Wirkstoffe, die sehr gesund sind. Diese kommen jedoch vor allem dann zur Wirkung, wenn der physische Zustand eines Menschen angeschlagen ist; sonst scheinen sie wirkungslos.

Lagerung

Die Lagerung der Früchte geschieht am besten bei 13-18 °C und bei einer relativen Luftfeuchte von 80-95 %. Im Gegensatz zu Blattgemüse ist die Tomate bis zu 14 Tage haltbar. Dabei verliert sie kaum wichtige Inhaltsstoffe. Fälschlicherweise bewahren viele Verbraucher Tomaten im Kühlschrank auf, wo sie deutlich an Geschmack, Textur und Haltbarkeit verlieren.

Verbrauch und Herkunft

Im Durchschnitt isst jeder Deutsche rund 15 kg Tomaten pro Jahr. Nur 6 % der in Deutschland vermarkteten Tomaten werden auch dort produziert. Heute wird die Tomate weltweit in vielen Zuchtformen angebaut. Herkunftsländer sind unter anderem die (mengenmäßig führend), Spanien (besonders die Kanarische Inseln|Kanarischen Inseln), Italien und Marokko.

Kultur

Bild: P5260299b.jpg Es gibt sicher deutlich über 2500 Sorten und mindestens nochmal so viele Züchtersorten, die nie angemeldet waren und deshalb auch nie einen Namen erhalten haben. Auch sind die Anzahl Neuheiten, die jedes Jahr hinzukommen sehr groß.

Zuchtziele

Bei der Selektion neuer Sorten stehen gewöhnlich folgende Zuchtziele im Vordergrund: lockerer Wuchs, breite und/oder Toleranz gegen Umwelteinflüsse, Krankheiten, Schädlinge und Viren, gute Produktivität, hohes Ertragsniveau, schnelle Fruchtentwicklung, sicherer Fruchtansatz auch bei ungünstigen Klimabedingungen, einheitliche Sortierung, bestimmte Größe und Gewicht, gleichmäßige Farbe und Farbe selbst, guter Geschmack und hoher Gehalt an wichtigen Inhaltstoffen, gute Transportfähigkeit und Fruchtfestigkeit, lange Haltbarkeit, verwendungsspezifische Eignung allgemein. Bei der Zucht alter Sorten durch Ökobauern zählt dagegen nur der Geschmack, da hier der Kunde Preise über 10 Euro zu zahlen bereit ist.

Erfolgsfaktoren der Tomatenkultur

Damit die Tomatenkultur zu einem möglichst guten Ergebnis führt, sind folgende Faktoren zu optimieren: resistente und tolerante Sorten, gleichmäßige Bewässerung für gleichmäßiges Wachstum, ausgeglichene, kontinuierliche Nährstoffversorgung, viel , ausreichend Wärme, gute Bodenstruktur bis etwa 50 cm Tiefe, bei Bodenkultur keine frische Kalkung, warme Böden (Temp. > 14 °C), möglichst frühe Ernte anstreben.

Trends im Tomatenanbau

Ökobauern in Kalifornien ziehen im Gewächshaus eine Vielzahl von nicht mehr bekannten altertümlichen Sorten (engl. "heirloom vegetable varieties"), die aus den Anfängen des Tomatenanbaus stammen. Die Tomaten werden auch hier von Hand geerntet und erzielen Preise von (umgerechnet) über 10 Euro pro Kilo. Solch ein Sortiment wurde vor wenigen Jahren auch von der Nr. 2 der Einzelhandelsketten in der Schweiz lanciert. Dieser Trend entspringt dem Gedanken, dass Altbewährtes besser sein kann und hat durch die Unbekanntheit der Produkte einen gewissen Neuheitswert. Tatsächlich werden durch solche Gemüse keine großen Märkte erschlossen. Sie sind in der Regel Nischenprodukte von Marktfahrern für Liebhaber und im Hobbyanbau, die Raritäten pflegen.

Kulturanleitung

Siehe Tomatenanzucht, wo eine ausführliche Kulturanleitung mit Differenzierung für Hobby/Profi zu finden ist.

Literatur

Weblinks

Kategorie:Nachtschattengewächse Kategorie:fruchtgemüseKategorie:Heilpflanze Kategorie:Neobiota


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