Lexikon: Torf

 

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Bild: Torfstecher.jpg]] Torf ist ein er Bodentyp, der für Moore typisch ist. Er entsteht aus der Ansammlung pflanzlicher Substanzen in verschiedenem Grade der Zersetzung.

Entstehung

Durch einen niedrigen pH-Wert und Luftabschluss durch Wassersättigung wird die Zersetzung pflanzlicher Substanzen extrem verlangsamt. Die Bildung von Torf geht dadurch so langsam vor sich, dass es bis zur Entstehung z.B. des norddeutschen Teufelsmoores ca. 8000 Jahre dauerte (ca. 1 m pro 1000 Jahre).

So entsteht ein Mittelzustand zwischen Land und Wasser: die Moore (Lohden der Oberpfälzer, Ried in Schwaben und Thüringen, Moos (Moor) in Bayern).

In den ersten Stadien der Bildung lässt der Torf die Struktur der Pflanzen noch deutlich erkennen, es entsteht der so genannte Weisstorf; bei weiterer Zersetzung entsteht ein homogener, wenigstens bei Betrachtung mit bloßem Auge strukturloser Körper, Brauntorf|Braun- oder auch Bunttorf genannt. Die älteste Torfschicht ist der so genannte Schwarztorf. Die unteren Schichten eines Torflagers sind dabei (weil älter und größerem Druck ausgesetzt) in der Zersetzung weiter vorgeschritten (reifer) als die oberen (unreifen). Wo die Bodenbeschaffenheit eine Ansammlung von stehendem seichtem Wasser gestattet, wird dieses durch Pflanzen überwuchert, die dann ihrerseits wiederum das Wasser vor schneller schützen.

Die Torfmoorbildung wird begünstigt durch eine Einsenkung des Bodens oder Verbindung mit benachbarten Gewässern sowie einen undurchlässigen Untergrund.

Auch auf spaltenfreien Gesteinen, die ein Versickern des Wassers nicht gestatten, und auf solchen, welche bei ihrer Verwitterung einen undurchlässigen Tonmineral|Ton liefern, können Moore entstehen. Ferner müssen die tischen Bedingungen mehr Wasser nachliefern als durch und Abfluss entzogen werden, wie in regen- und nebelreichen Gegenden, weshalb die gemäßigten Zonen die eigentliche Heimat der Moore bilden, während sie sich in der heißen Zone auf hoch gelegene Plateaus und auf regenreiche Wälder beschränken.

Außer durch die Atmosphäre|atmosphärischen Niederschlag|Niederschläge, beziehen die Moore das Wasser aus Seen, Schnee- und Eisfeldern oder aus Flüssen, welche sie oft saumartig umziehen.

Federsee.jpg|thumb|Federseegebiet bei Bad Buchau, mit 3300 ha das größte Moor in SüdwestdeutschlandAufgrund der Verlandung, bei der die Vermoorung eine wichtige Rolle spielt besitzt der Federsee in Oberschwaben heute nur noch eine Wasseroberfläche von 256 Hektar, während er noch gegen das Ende des 18. Jahrhunderts 1100 Hektar groß war.

Die Pflanzen, die zur Vermoorung führen, sind solche, welche in großer Anzahl vorkommen und stark wuchern, besonders aber verfilzte Wurzeln treiben: die Heiden (Besenheide|Calluna vulgaris und Glockenheide|Erica tetralix), , Riedgrasgewächse|Riedgräser (besonders Seggen-Arten), Wollgras|Wollgräser, Simsen (Botanik)|Simsen, Binsen, gelegentlich auch Borstgras (Nardus stricta), sowie vor allem Torfmoose (Sphagnum). In hoch gelegenen Regionen kann auch die Bergkiefer (Pinus mugo) eine Rolle spielen. Je nach der hervorragenden Beteiligung einzelner der genannten Pflanzen an der Moorbildung unterscheidet man Wiesen- (Grünlands-) Moore und Heide- (Moos- oder Hoch-) Moore. In ersteren dominieren die Carex- und Eriophorum-Arten; bisweilen tritt auch Hypnum in großer Menge auf, während Sphagnum fehlt.

Torfabbau

Torfried-schussenried.jpg|thumb|240px|Torfabbau in Schussenried in Oberschwaben ca. 1920 Bild: Torfabbau-.jpg]] Torf wird nach dem Tagebauverfahren in einem so genannten Torfstich gewonnen. Traditionell wurde Torf vor allem als Heizmaterial verwendet. Da Moore heute als bewahrenswerte Biotope angesehen werden, findet in Deutschland ein Abbau in großem Umfang kaum noch statt. In Skandinavien und Irland wird Torf noch regelmäßig zur Energie- und Wärmegewinnung abgebaut und dient vor allem der lokalen Versorgung.

Die Eigenschaften von Niedermoor- und Hochmoor|Hochmoortorfen unterscheiden sich beträchtlich. Niedermoore spielen (außer bei Urbarmachung) wirtschaftlich keine Rolle, nur in geringen Mengen wird Niedermoortorf für Balneologie|balneologische Zwecke abgebaut. Die Nutzung von Torf als Brennstoff an der Nordseeküste wird bereits von Plinius überliefert; auch ein arabischer Reisender des 10. Jahrhunderts berichtet von "brennbarer Erde". Hochmoortorf hat seit dem 15. Jahrhundert bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts sowie in Notzeiten des 20. Jahrhunderts als Brennstoff in Form des minderwertigen Splinttorfes große Bedeutung besessen. Heute wird er hauptsächlich in der Pflanzenindustrie und sowohl von Berufs- wie Hobbygärtnern in großen Mengen verwandt. Durch den Abbau des Torfes, der i.d.R. eine Entwässerung voraussetzt, werden die betroffenen Moore großflächig zerstört. Angesichts ihrer Langsamwüchsigkeit und des schweren Eingriffs, den der Abbau bedeutet, können sie sich oft nicht mehr erholen. In einigen Ländern, wie z.B. Kanada und Finnland, gibt es Anstrengungen, abgetorfte Flächen zu regenerieren. Aufgrund des gestiegenen Umweltbewusstseins der Bevölkerung treibt die Torfindustrie in vielen Ländern Projekte zur Wiedervernässung, Regenerierung oder zur land- und forstwirtschaftlichen Nutzung ehemaliger Torfabbaugebiete voran. Die Zulassung neuer Flächen unterliegt strengen Auflagen.

Torfnutzung

Heizmaterial

Torf war bis ins 20. Jahrhundert hinein das Heizen|Heizmaterial der Armut|Armen; Heiztorf wurde mit dem Spaten|Torfspaten "gestochen"; da Asche|Torfasche lange nachglüht, führte dies zu vielen Brand|Bränden.

Whisky-Herstellung

Viele Whisky-Sorten, vor allem Schottland|schottische, erfordern das Trocknen des es über einem Torffeuer, da nur so der spezielle rauchige Geschmack erzielt werden kann.

Brennstoff für Dampflokomotiven

Torf wurde in verschiedenen Gegenden auch als Heizmaterial für Dampflokomotiven verwendet. Wegen des - wie gesagt - langen Nachglühens der Asche|Torfasche hatten diese Dampflokomotiven zur Verhinderung von Brand|Waldbränden (charakteristisch) birnenförmige Schornsteine. Um eine entsprechende Menge von Torf mitführen zu können, führten Dampflokomotiven teilweise mehrere geschlossene Schlepptender|Torftender oder auch sogenannte Torfmunitionswagen hinter sich her.

Kultursubstrat

In der Berufsgärtnerei dient heute die Beimischung von Torf üblicher Weise zur präzisen Regelung des Säurehaushaltes des Bodens. Daher gibt es in diesem Bereich kaum Ersatzmöglichkeiten für Torf. Kritisiert wird von Naturschutz|Naturschützern insbesondere der Einsatz von Torf im privaten Bereich. Im falschen Glauben, den Boden zu verbessern, werden von Hobbygärtnern jedes Jahr rund 2,3 Millionen Kubikmeter Torf ausgebracht, welche allerdings die Bodenqualitität verschlechtern, da Hochmoortorf extrem nährstoffarm ist und zur Bodenversauerung führt.

Torfbett

Torf wurde früher gelegentlich auch als preiswerte Schlafunterlage verwendet und eignete sich angeblich besonders für Bettnässer und Kleinkinder. Auch in jüngster Zeit werden Torffasern als natürlicher Rohstoff für Matratzen, Bettdecken und Kissen wieder verwendet.

Medizin, Kosmetik

Torf wird vielfach in der Medizin und Körperpflege eingesetzt, vor allem als Moorbad, Moorpackungen und sogar als Torfsauna. Die heilende Wirkung des Torfes ist dabei noch nicht vollständig erforscht.

Kleidung

Aus Torffasern lassen sich auch Textilien herstellen, die besonders leicht und warm sind.

Links

Deutsche Gesellschaft für Moor- und Torfkunde

Kategorie:Naturschutz Kategorie:Bodenkunde

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