Lexikon: Umgangssprache

 

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Umgangssprache (oder Alltagssprache) ist die Sprache des täglichen Lebens mit dem breitesten Kommunikationspotenzial. Sie folgt nicht immer den Regeln der formellen Schriftsprache oder Standardsprache.

Dennoch kann man nicht sagen, dass die Umgangssprache dort, wo sie von den präskriptiven Regeln der hochsprachlichen Norm abweicht, "falsch" ist, denn sie folgt einfach ihren eigenen Regeln. Problematisch ist für Nicht-Fachleute, dass viele Grammatiken (z. B. der Duden) die Regeln der Umgangssprache nicht in ausreichendem Maße berücksichtigen und so leicht der Eindruck aufkommen kann, Abweichungen der Umgangssprache von der hochsprachlichen Norm seien "falsch" oder zeugten von Sprachverfall.

Umgangssprache ist aber auch nicht mit "Mundart" (Dialekt) bzw. Regiolekt gleichzusetzen.

Mit Umgangssprache können zwei verschiedene Begriffe bezeichnet werden:

  1. die Ausgleichsvarietät zwischen Dialekt und Standardsprache, ohne dass diese extreme Dialektismen aufweist.
  2. die Sprachschicht, die für informellere, private Situationen benutzt wird, als es die auf formelle Sprachsitutationen beschränkte Hochsprache erlaubt.



Allgemeines

Die Abweichungen von der Hochsprache sind gering, so dass die Umgangssprache allgemein verständlich ist. Umgangssprache redet, wer wie Martin Luther "dem Volk aufs Maul schaut".

Eine Sprache wird in der Regel nicht von den Sprechern selbst als Umgangssprache bezeichnet.

Umgangssprache unterscheidet sich in dieser Hinsicht von der gehobenen Sprache, von öffentlicher Rede, Dramatik|Drama, Gedicht, aber auch dem Lexikonartikel sowie der Zwischenschicht von Popularität|populärer "gehobener Umgangssprache" (Essay, Zeitungsartikel, Rundfunk- oder Fernsehsprache (Fernsehdeutsch)).

Genauso unterscheidet sich die Umgangssprache des Laien von der Fachsprache mit Terminus|Spezialausdrücken (Termini der Medizinersprache, Technikersprache). Hier ist nicht die grammatikalische Konstruktion der Sprache, sondern ein ungenaues Benutzen der Fachausdrücke Kennzeichen des Umgangssprachlichen. (Siehe auch: Jargon). Insofern ist der Begriff Umgangssprache nicht wohldefiniert, sondern hängt vom Zusammenhang ab, in dem er gebraucht wird.

Es handelt sich bei Diskrepanzen zwischen Fachsprache und Umgangssprache aber nicht durchwegs um Ungenauigkeiten oder Kontextabhängigkeiten. Es gibt unzweideutige, klar definierte Unterschiede zwischen Umgangssprache und Fachsprache, die in unterschiedlichen Werten zwischen bestimmten Berufsgruppenangehörigen und Laien begründet sind. Ein solches Auseinanderklaffen von Werten wird abwertend auch als déformation professionnelle bezeichnet.

Beispiele:

Ein medizinischer Befund gilt für die Fachperson als negativ, wenn das Vorliegen einer bestimmten aufgrund dieses Befundes nicht zu vermuten ist, und der Befund wird als positiv beurteilt, wenn er das Vorliegen einer bestimmten wahrscheinlicher macht oder beweist. Umgangssprachlich ist dagegen das Ergebnis des Vorliegens einer Erkrankung für die betroffene Person zumeist als negativ zu betrachten, während das Fehlen eines Befundes grundsätzlich positiven Charakter hat. Aus dieser Darlegung verständlich nun die Frage des befreundeten Arztes - War der Befund negativ? und die korrekte Antwort - Nein, nein, es ist alles gut!

Im akademischen Sinne gilt eine steile Lernkurve als positiv, wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer bei den Schülern einen Erfolg im Unterricht erzielt, oder wenn ein Psychologie|Psychologe bei einem Versuchstier einen Erfolg im Experiment verzeichnen kann. Wird Lernen aber als grundsätzlich störende Aufwandsgrösse betrachtet, was insbesondere umgangssprachlich der Fall ist, so gilt eine steile Lernkurve als negativ.

Umgangssprache und Sprachentwicklung

Jede Sprache ist in einem ständigen Wandel begriffen. Die Sprachentwicklung findet heute im Alltag|alltäglichen Leben beschleunigt statt -

  • unter anderem wegen höherer , Fremdenverkehr, Massenmedien, Anglizismen, und U-Musik,
  • aber in anderer Hinsicht verlangsamt durch die normierende Wirkung des Fernsehens und der Auflockerung von Dialektgrenzen.

Andererseits ist die formelle Beschreibung einer Sprache nicht rein abstrakt, sondern an die Umgangssprache angelehnt. Sie nimmt Elemente der Umgangssprache auf (siehe Sprachgebrauch) und verändert sich, nachdem die Umgangssprache eine erkennbare Veränderung durchgemacht hat.

Beiträge zur Umgangssprache

Die Umgangssprache ist immer durch die Sprache unterschiedlicher Teile der Gesellschaft beeinflusst. Insbesondere Jugendsprache und andere Jargon|Szenesprachen nehmen Einfluss auf die Umgangssprache der folgenden Generation. Daneben kennt man noch Sprachen, die auf spezielle Gruppen beschränkt sind und somit eine geringere Bedeutung innerhalb der Gesellschaft haben: Soldatensprache, Sportlersprache, Gefängnissprache, Bergmannssprache, Jägersprache, Fachsprachen.

Regionalsprachen, Umgangssprachen, Dialekte und Mundarten

Durch die gegenwärtig und die Massenmedien schwindet die Zahl der Mundarten und Dialekte kontinuierlich. Zugleich schwindet der Regionalcharakter umgangssprachlicher Elemente. Gleichzeitig wächst der Wirkungsbereich der Umgangssprache.

Siehe auch

Hochdeutsch, Standardsprache, Pidgin, Anglizismus, en, Kreolsprachen/Kreolisch, Slang, Volksmund, Mundart, Regionalsprache, Sauglattismus

Literatur

  • Küpper, Heinz: Illustriertes Lexikon der deutschen Umgangssprache. Stuttgart: Klett 1982. 8 Bde. -- ISBN 3-12-570010-8.
  • Küpper, Wörterbuch der deutschen Umgangssprache, 1987, 959 S. ISBN 312570300X
  • Lameli, Alfred: Standard und Substandard. Stuttgart 2004, 272 S. ISBN 3515085580

Kategorie:Umgangssprache

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