Lexikon: Deutschland

 

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Bundesrepublik Deutschland

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Bild: Bundesadler.png

(Flagge Deutschlands|Details) (Wappen Deutschlands|Details)

Einigkeit, Recht und Freiheit

Amtssprache Deutsch1
Hauptstadt Berlin2
Regierungssitz Berlin u. Bundesstadt Bonn2
Bundespräsident Horst Köhler
Bundeskanzler Gerhard Schröder
Staatsform Parlamentarische Demokratie
Fläche km²
Einwohnerzahl 82.431.390 Einwohner (Stand April 2005)
Bevölkerungsdichte km²
Gründung des deutschen Nationalstaats 18. Januar 1871
Gründung der Bundesrepublik 23. Mai 1949
Wiedervereinigung mit dem Territorium der Deutsche Demokratische Republik|DDR 3. Oktober 1990
Währung Euro
Zeitzone MEZ (Koordinierte Weltzeit|UTC+1)
Nationalhymne Liedes der Deutschen
Nationalfeiertag 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)
Kfz-Kennzeichen D
Internet-TLD .de
Vorwahl +49

(1) (Deutsch = Hochdeutsch), Dänische Sprache|Dänisch, Sorbische Sprache|Sorbisch, Friesische Sprache|Friesisch, Romani und Niederdeutsch (Niedersächsisch und Niederfränkisch) sind offiziell anerkannte Minderheiten- bzw. Regionalsprachen.
(2) Einige wichtige Regierungsbehörden und Ministerien (z. B. Verteidigungsministerium) befinden sich in Bonn.

Die 16 Bundesländer und ihre Hauptstädte
Land Hauptstadt
(1) Baden-Württemberg
(2) Bayern München
(3) Berlin - 3
(4) Brandenburg Potsdam
Bremen Bremen 3
(6) Hamburg - 3
(7) Hessen Wiesbaden
(8) Mecklenburg-Vorpommern Schwerin
(9) Niedersachsen Hannover
(10) Düsseldorf
(11) Rheinland-Pfalz
(12) Saarland Saarbrücken
Sachsen Dresden
(14) Sachsen-Anhalt Magdeburg
(15) Schleswig-Holstein Kiel
(16) Thüringen Erfurt

(3) Auch Bremen gilt als Stadtstaat. Im Gegensatz zu Hamburg und Berlin, die jeweils nur aus einer Stadt bestehen, gehört zum Bundesland Bremen noch die Stadt Bremerhaven

Bild: Germany Laender Map.png
Bild: Deutschland_topo.jpg
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Deutschland (die Langform der amtlichen Staatsbezeichnung lautet Bundesrepublik Deutschland) ist ein Staat in und hat gemeinsame Grenzen mit , Polen, Tschechien, , der , , Großherzogtum Luxemburg|Luxemburg, Belgien und den n. Im Norden bilden die Nordsee und die Ostsee die natürlichen Staatsgrenzen.

Bundeshauptstadt und Regierungssitz ist Berlin; einige Bundesministerien sind in Bonn angesiedelt. Das Politisches System Deutschlands|politische System ist Föderalismus|föderal und überwiegend als Parlamentarische Demokratie|parlamentarische Demokratie organisiert. Der Staat ist in 16 teilsouveräne Bundesland (Deutschland)|Bundesländer gegliedert. Die Bundesrepublik Deutschland ist unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen, der Europäische Union|Europäischen Union, der NATO und der Gruppe der Acht|G8.

Geographie

Landschaftsbild

Der nördliche Teil, die Norddeutsche Tiefebene, ist ein von den Eiszeiten geformtes Tiefland, an das sich nach Süden die bewaldeten Mittelgebirge im Zentrum und in südlicheren Teilen des Landes anschließen. Insbesondere in Bayern, aber auch in Baden-Württemberg, gehen diese Landschaften in das recht hoch liegende Alpenvorland|Nördliche Alpenvorland und dies in das Hochgebirge der Alpen über.

Landschaften in Deutschland sind: Alpenvorland, Altmark, Bayerischer Wald, Bergisches Land, Dithmarschen, Eifel, Emsland, Erzgebirge, Fläming, Fränkische Alb, Fränkische Schweiz, Harz (Mittelgebirge)|Harz, Holsteinische Schweiz, Lüneburger Heide, Magdeburger Börde, Mecklenburgische Seenplatte, Münsterland, Niederlausitz, Niederrhein, Nordfriesland, Oberlausitz, Odenwald, Ostfriesland, Pfälzerwald, Prignitz (Region)|Prignitz, Rheingraben, Rheinland, Rhön, Sächsische Schweiz, Sauerland, Schwäbische Alb, Schwarzwald, Steigerwald, Stormarn (Region)|Stormarn, Teutoburger Wald, Thüringer Becken, Uckermark (Region)|Uckermark, Vogtland, Weserbergland

Gewässer

Flüsse

Die nachfolgenden Fluss (Gewässer)|Flüsse und/oder Strom (Gewässer)|Ströme durchfließen das Land ganz oder nur teilweise. Die zehn längsten Fließgewässer sind:

  1. Donau (2.852 km)
  2. Rhein (1.320 km)
  3. Elbe (1.165 km)
  4. Oder (866 km)
  5. Mosel (545 km)
  6. Main (524 km)
  7. Inn (510 km)
  8. Weser (433 km)
  9. Saale (413 km)
  10. Spree (382 km)

Für weitere Flüsse siehe: Liste der Flüsse in Deutschland.

Seen

  • Größter See (Gewässer)|See: Bodensee (Dreiländersee)
  • Größter See, allein auf deutschem Gebiet: Müritz. Die Müritz ist Teil der Mecklenburgische Seenplatte|mecklenburgischen Seenplatte, einem zusammenhängenden Gebiet in Mecklenburg-Vorpommern, in dem sehr viele Seen dicht konzentriert beeinander liegen.
  • Ein weiteres Gebiet, in dem mehrere bekannte Seen etwas weitläufiger verstreut beeinander liegen, ist Oberbayern mit dem Allgäu und dem Alpenvorland südlich von München. Unter anderem befinden sich in dieser Region der Ammersee, der Chiemsee, der Starnberger See, der Forggensee, der Schliersee, der Walchensee und im südöstlichsten Zipfel Deutschlands am Fuß des Watzmann der Königssee.

Meere

Deutschland grenzt an die Nordsee, ein Randmeer des Atlantiks, und die Ostsee, ein Binnenmeer.

Gebirge und Berge

Das einzige Hochgebirge, an dem Deutschland Anteil hat, sind die (Nord-)Alpen. Es gibt zahlreiche Mittelgebirge; das ausgedehnteste ist der Schwarzwald.
Für weitere Gebirge siehe: Liste der Gebirge Deutschlands|Liste der Gebirge

Höchster Berg ist die Zugspitze (2.962 m; Alpen, Bayern); für weitere Berge siehe: Liste der höchsten Berge Deutschlands|Liste der höchsten Berge

Niedrigste Landesstellen

Die niedrigste Landesstelle, die betretbar ist, liegt bei Neuendorf-Sachsenbande in der Wilstermarsch mit 3,54 m u. Normalnull|NN. Die tiefste Kryptodepression, die unter liegt, befindet sich mit 39,10 m u. Normalnull|NN auf dem Grund des Hemmelsdorfer Sees.

Inseln

Die größte deutsche Insel ist Rügen in der Ostsee. Der Nordseeküste vorgelagert sind die Inselketten der zu Schleswig-Holstein gehörenden Nordfriesische Inseln|nordfriesischen Inseln, neben anderen z. B. mit den Inseln Sylt, Amrum, Föhr und der zu Niedersachsen gehörenden Ostfriesische Inseln|ostfriesischen Inseln wie Borkum, Norderney u.a.. Für weitere Inseln siehe: Liste deutscher Inseln|Inselliste

Städte

Die 5 größten Städte sind:

  1. Berlin (3,40 Millionen Einwohner)
  2. Hamburg (1,74 Millionen)
  3. München (1,28 Millionen)
  4. Köln (974.000)
  5. Frankfurt am Main (655.000)

Für weitere Städte siehe Liste der Städte in Deutschland

Die größten Ballungsgebiete sind die Rhein-Main Region (5,4 Millionen Einwohner), das Ruhrgebiet (5,3 Millionen) sowie die Region Stuttgart (2,7 Millionen).

Klima

Extreme Wetterbedingungen wie strenge Dürren, Tornados, Sturm|Stürme, strenger Frost oder Hitze usw. sind relativ selten, weil das Land in Mitteleuropa zur Gemäßigte Zone|gemäßigten Zone gehört und das u. a. vom warmen Golfstrom beeinflusst wird.

Seismologie

Erdbeben mit schweren Folgen gab es bisher nicht. Dies ist damit zu erklären, dass der Staat auf der Eurasische Platte|Eurasischen Platte liegt. Weil sich keine Grenzen zweier großer Platten innerhalb des Landes befinden, gibt es in der Regel relativ wenige und wenn, dann auch nur relativ schwache Erdbeben.

Der Rheingraben in zählt jedoch zu einer mäßig gefährdeten Erdbebenzone, die sich bis in die Nachbarländer Belgien und den n erstreckt (siehe auch Erdbebengebiet Kölner Bucht). Schon aus vergangenen Jahrhunderten wird von Erdbeben in dieser Region berichtet. Seit 1955 wurden in der Erdbebenstation Bensberg an der Universität Köln mehr als 2000 Erdbeben gemessen. Das stärkste gemessene Erdbeben in der Region ereignete sich am 13. April 1992 nahe der deutschen Grenze bei Roermond. Es erreichte eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala. Ausläufer des Bebens waren bis und München zu spüren. 30 Menschen wurden, meistens durch herabstürzende Gegenstände, verletzt. Es entstand, in allen betroffenen Ländern zusammengefasst, ein Sachschaden von umgerechnet ca. 150 Millionen Euro.

Bevölkerung

Die Bundesrepublik Deutschland ist flächenmäßig etwas größer als das östliche Nachbarland Polen, hat aber mit rund 83 Mio. Einwohner mehr als doppelt so viele Bewohner. In dem Land leben neben den etwa 69 Mio. Deutschstämmigen auch noch etwa 15 Mio. Menschen anderer Nationalitäten teilweise mit der Staatsangehörigkeit ihres Gastlandes. Am 31.Dezember 2004 besaßen rund 6,7 Millionen Einwohner einen ausländischen Pass.

Hauptartikel: Wohnbevölkerung in Deutschland| Wohnbevölkerung

Sprachen

Offizielle Sprache

Offizielle Schrift- und Amtssprache ist Hochdeutsch (Deutsche Sprache|Standarddeutsch). Deutsch als namensgebende Muttersprache der Deutschen wird vielfach auch noch in Form einer der vielen nieder-, mittel- und oberdeutschen Dialekt|Mundarten gesprochen, deren Sprachgebiete in die Nachbarstaaten hineinreichen bzw. sie teilweise einschließen, wie etwa in und einem großen Teil der 4-sprachigen .

Minderheitensprachen

Daneben werden anerkannte Liste von anerkannten Minderheiten in Deutschland|Minderheitensprachen gesprochen, wie dänische Sprache|Dänisch, Friesische Sprache|Friesisch, Sorbische Sprache|Sorbisch und Plattdeutsch.

In Deutschland leben viele Menschen aus anderen Kulturen, die vorwiegend aus wirtschaftlichen, manchmal auch aus politischen Gründen ins Land gekommen sind. Viele dieser Menschen ausländischer bzw. nichtdeutscher Herkunft bzw. Muttersprache und deren Nachkommen stammen aus dem euro-asiatischen Raum (etwa 2,5 Mio. Türkische Sprache|Türken, etwa 1 Mio. Kurdische Sprache|Kurden, Persische Sprache|Iraner, usw.), aber auch aus anderen Islam|islamischen Ländern (Nordafrika und weitere Staaten Vorderasiens), aus den ehemaligen Ostblockstaaten (etwa 5 Mio. Russische Sprache|Russen, etwa 2,5 Mio. Polnische Sprache|Polen, Ukrainer, usw.), dem ehemaligen Jugoslawien (Serbische Sprache|Serben, Kroatische Sprache|Kroaten und andere), Spanische Sprache|Spanier und [Italienische Sprache|Italiener.

Frühere deutsche Dialekte wie das Jiddische werden in der Bundesrepublik heute kaum noch gesprochen.

Ausgestorbene Sprachen

  • Moselromanisch (im 11. Jahrhundert ausgestorben)
  • polabische Sprache|Polabisch (im 18. Jahrhundert ausgestorben)

Religion|Religionen und Weltanschauung|Weltanschauungen

In der Gegenwart gilt die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit. Aufgrund der teilweise vorhandenen Verschränkung von Staat und Kirchen in vielen, vor allem in sozialen und schulisch-kulturellen, Bereichen besteht aber nur eine bedingte Trennung von Staat und Religion im Sinne der Amtskirchen - eine Trennung, die allerdings von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich stark ausgeprägt ist.

Wie der größte Teil West- und Mitteleuropas, ist Deutschland in einem, bis zur Antike zurück reichenden, historischen und kulturellen Kontext christlich-abendländisch geprägt. Dieser Prägung liegen Einflüsse aus der antiken griechischen und römischen Kultur ebenso zugrunde wie Traditionen aus der jüdisch-christlichen Glaubenslehre, die sich seit Beginn der Christianisierung Nordwesteuropas, ab etwa dem 4. Jahrhundert, mit den archaischen Sagen und Mythen urgermanischer und keltischer Traditionen vermischt hatten.

Im religiös-weltanschaulichen Bereich des heutigen Deutschland ist eine Dreiteilung festzustellen: jeweils etwa ein Drittel der Bevölkerung gehört einer evangelischen - zumeist der lutherischen - Glaubensgemeinschaft oder der römisch-katholischen Kirche an. Etwa ein weiteres Drittel ist zum größten Teil konfessionslos oder anderen Religionen und entsprechenden Weltanschauungen zugehörig.

Die Mehrheit der bundesdeutschen Staatsbürger gehört offiziell einer Liste der christlichen Konfessionen|christlichen Konfession an: Römisch-Katholische Kirche 31,7 % (tendenziell eher in West- und Süddeutschland), Evangelische Kirche 31,3 % (tendenziell eher in Nord- und Ostdeutschland), Orthodoxe Kirche und Orientalische Kirchen insgesamt 1,14 %, Neuapostolische Kirche 0,46 % und ein geringer Anteil von Angehörigen christlicher Vereinigung evangelischer Freikirchen|Freikirchen, wie z.B. der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten), der Bund Freier evangelischer Gemeinden in Deutschland|Bund Freier evangelischer Gemeinden, die Methodisten und verschiedene Charismatische Bewegung|charismatischer Gemeinden. Die Anzahl praktizierender Christen dürfte jedoch weit geringer sein, da viele Bundesdeutsche nur aus traditionellen Gründen einer der beiden Amtskirchen angehören. Das Land wurde seit der Fränkisches Reich|fränkischen Zeit Christianisierung|christianisiert. Die christliche Reformation begann Anfang des 16. Jahrhundert im Heiliges Römisches Reich|Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, angeführt durch die Lehren Johannes Calvins, Martin Luthers und Ulrich Zwinglis. Sie prägt die religiöse Landschaft im deutschen Sprachraum bis heute.

Etwa 30 % der Bevölkerung gehören keiner Religionsgemeinschaft an. Dies gilt insbesondere für das Gebiet der ehemaligen Deutsche Demokratische Republik|DDR, da hier zu sozialistischen Zeiten seitens der Regierung eine Atheismus|atheistische Weltanschauung propagiert und vermittelt (siehe auch Jugendweihe) und der Kirchenaustritt gefördert wurde. Aber auch im Westen hat die Zahl von Kirchenaustritten, insbesondere aus den evangelischen Kirchen, immer mehr zugenommen.

Die Angehörigen der Islam|Islamischen Gemeinden zählen ca. 3,3 Mio. Menschen oder rund 4 % der Bevölkerung, davon etwa 732.000 deutsche Staatsangehörige oder knapp 0,9%; die Zeugen Jehovas zählen ca. 164.000 oder 0,2 % der Bevölkerung.

Etwa 100.000 Menschen oder 0,12 % der Bevölkerung gehören den Judentum|jüdischen Gemeinden an. Seit den 1990er Jahren verzeichnen die jüdischen Gemeinden einen Zuwachs durch die Zuwanderung von Menschen jüdischen Glaubens aus Osteuropa, v.a. aus der Ukraine und aus Russland.

Von den Mitgliedern bestimmter christlichen Kirchen, sowie der jüdischen Gemeinden, erhebt der Staat traditionell eine Kirchensteuer und leitet diese an die Kirchen (bzw. den Zentralrat der Juden in Deutschland) weiter, die davon u.a. wichtige öffentliche Aufgaben übernehemen. Desweiteren ist der Religionsunterricht in Deutschland|Religionsunterricht laut Grundgesetz fakultatives, aber dennoch ordentliches Unterichtsfach in den Schulen (mit Ausnahme weniger Bundesländer wie Bremen, Berlin und Brandenburg). Dieser wird in aller Regel von einem Vertreter einer der beiden großen Kirchen abgehalten.

Siehe auch: Religionen in Deutschland

Feiertage

Die Feiertage (Deutschland)|Feiertage haben überwiegend einen christlich-religiösen Hintergrund. Die wichtigsten christlichen Feiertage sind Weihnachten, Ostern und Pfingsten. Der sogenannte Tag der Deutschen Einheit und der Erster Mai|Erste Mai (Tag der Arbeit) sind ebenfalls Feiertage. Dazu kommen noch Feiertage speziell in den einzelnen Bundesländern. Die Sonntage und neun Feiertage gelten im gesamten Bundesgebiet als "Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung".

Geschichte

Der Hauptartikel Geschichte Deutschlands gibt einen detaillierteren Überblick. Zum mittelalterlichen Deutschland, siehe Deutschland im Mittelalter. Mit der Entwicklung der beiden deutschen Staaten nach dem 2. Weltkrieg befassen sich die Artikel Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Geschichte der DDR.

In früheren Zeiten bzw. vom Namensursprung her war mit „Deutschland“ das Land der deutschsprachigen Menschen (Deutsche Sprache|deutscher Muttersprache) gemeint (siehe dazu auch Deutschland (Begriffsklärung)).'

Urgeschichte, Antike, Frühmittelalter

Die ältesten Nachweise von Menschen auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland sind etwa 700.000 Jahre alt. Seit rund 500.000 Jahren geht man von dauerhaften Besiedlungen aus.

Erste Erwähnung finden einige Kelten|keltische und Germanien|germanische Stämme bei den Griechen und Römer (Volk)|Römern in der vorchristlichen Zeit. Um 500 vor Christus war das heutige Süddeutschland keltisch und das heutige Norddeutschland germanisch besiedelt. Die Germanen wanderten im Laufe der Jahrhunderte südwärts, so dass um Christi Geburt die Donau die ungefähre Siedlungsgrenze zwischen Kelten und Germanen war. Sprachforscher vermuten, dass viele Merkmale süddeutscher Dialekte auf keltischen Einfluss zurückgehen. Von 58 v. Chr. bis etwa 455 n. Chr. gehörten die Gebiete links des Rhein|Rheins sowie südlich der Donau zum Römisches Reich|Römischen Reich, von etwa 80 bis 260 n. Chr. auch der größte Teil des heutigen Baden-Württemberg südlich des Limes. "Die Römer" gründeten bekannte Städte wie Köln und Bonn und führten Neuerungen in Hausbau und Handwerk ein, die zum Teil bis heute fortwirken. Siedler aus allen Teilen des Römisches Reich|Römischen Reiches, insbesondere aus Italien, wanderten ein und wurden westlich des Rheins und südlich der Donau sesshaft. Eine erste Geschichte Gesamtgermaniens liefert im Jahr 98 der römische Schreiber Tacitus. Im 5. Jahrhundert und 6. Jahrhundert wanderten viele germanische Stämmme im Zuge der Völkerwanderung nach Süd- und Westeuropa aus. In die nurmehr fast menschenleeren Gebiete des heutigen Ostdeutschland wanderten im 7. Jahrhundert bis zur Elbe-Saale-Linie Slawen|slawische Stämme ein. Weite Teile der Bevölkerung der heutigen ostdeutschen Bundesländer waren daher bis ins hohe Slawen|slawisch geprägt (Germania Slavica). Im Zuge der hochmittelalterlichen Ostsiedlung wurden sie assimiliert und akkulturiert.

Vom Frankenreich zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation (800-1806)

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Das Frankenreich stellte mit Karl der Große|Karl dem Großen als erstem westlichem Kaiser nach den Römern (800) den Anspruch auf die Führungsmacht in Europa. Doch sein Reich währte nicht lange. Streitigkeiten unter seinen Nachfolgern bewirkten im Vertrag von Verdun 843 die Dreiteilung des Reiches in das Ostfränkisches Reich|ostfränkische Reich (Königreich Ludwigs des Deutschen), Burgund (Königreich Lothars I.) und das Westfränkisches Reich|westfränkische Reich (Königreich Karls des Kahlen). – Das ostfränkische Reich bildete den groben geographischen Rahmen für das später entstehende Deutsche Reich.

Als traditionelles Gründungsdatum Deutschlands als Kaiserstaat (Heiliges Römisches Reich) wird oft der 2. Februar 962 angesehen, an dem Otto I. (HRR)|Otto I. als erster ostfränkischer König in zum Kaiser gekrönt wurde. Im 10. Jahrhundert wurde erstmals für das bisherige ostfränkische Reich auch der Terminus "regnum teutonicum" ("Deutsches Reich") verwandt.

Das westfränkische Reich entwickelte sich zu einem Nationalstaat (dem späteren ), während im bisherigen ostfränkischen Reich die Fürst|Territorialfürsten nach und nach ihre Partikularinteressen durchsetzen konnten. Obwohl die Kaiser des römisch-deutschen Reiches wiederholt versuchten, das Reich zu einen, zersplitterte sich das entstehende "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heilige Reich" (so in den Urkunden des Kaisers bezeichnet ab 1157) bzw. "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heilige Römische Reich" (so bezeichnet ab etwa Mitte des 13. Jahrhunderts) immer weiter in weitgehend unabhängige Staaten und Freie Reichsstadt|Reichsstädte. Nach Reformation und Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigem Krieg, der nach Opferzahl hinsichtlich der Gesamtbevölkerung Deutschlands fatalste Krieg, hatte der Kaiser des "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" (so bezeichnet seit dem 16. Jahrhundert) nur noch eine überwiegend formale Machtstellung.

Der Weg zum deutschen Nationalstaat

Dieser Zustand währte bis 1806, als der deutsche Kaiser Franz II. (HRR)|Franz II., der bereits zuvor 1804 auch Kaiser des Kaisertum Österreich|österreichischen Vielvölkerstaates wurde, die Reichskrone auf Druck des französischen Kaisers Napoleon ablegte. Unter Napoléon Bonaparte|Napoleon Bonaparte wurden die Anzahl der deutschen Staaten durch Zusammenlegung erheblich verringert, und auch viele Reichsstädte verloren ihre Unabhängigkeit (deren Zahl betrug zur Blütezeit über 80). Der Wiener Kongress führte die Vereinigung fort und schließlich gründeten 38 deutsche Staaten einen losen Deutscher Bund|Deutschen Bund unter Führung Österreichs.

Schon bald nach der gescheiterten nationalen und liberalen Märzrevolution von 1848/1849 kam es zur Kollision der erstarkenden Preußen mit der deutschen Großmacht Österreich um die Vormachtstellung im Deutschen Bund wie auch in Europa, die zum Deutsch-Österreichischer Krieg|Deutschen Krieg von 1866 führte. Nachdem Preußen diesen Krieg für sich entschieden hatte, kam es zur Teilung und damit zur Auflösung des Deutschen Bundes, zur Annexion seiner norddeutschen Kriegsgegner durch Preußen und dadurch zu einer weiteren Schrumpfung der Zahl deutscher Staaten.

Deutsches Kaiserreich (1871-1918)

Die anschließende Gründung des Norddeutscher Bund|Norddeutschen Bundes unter preußischer Führung ging fast nahtlos über in das Deutsches Reich|Deutsche Reich (so genannte kleindeutsche Lösung), das nach dem Deutsch-Französischer Krieg|deutsch-französischen Krieg 1870/1871|71 und der Proklamation des preußischen Königs Wilhelm I. (Deutsches Reich)|Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser (er sah sich nicht als „Kaiser von Deutschland“, da Deutschösterreich|der deutsche Teil Österreichs fehlte) seinen Anfang nahm. Bild: Reichsgruendung2.jpg Mit der Reichsgründung kamen verschiedene Gebiete hinzu, die gar nicht oder nicht mehr zum Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation|Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehört hatten, aber Teile Preußens außerhalb des Reiches waren. Dazu gehörten Westpreußen|West-, Ostpreußen und Danzig sowie das überwiegend polnischsprachige Gebiet Provinz Posen|Posen, ferner Schleswig (Land)|Schleswig, Lothringen und das Elsass. Als eigentlicher Begründer des Deutschen Reiches wurde Otto von Bismarck Reichskanzler. Bismarcks Innenpolitik bestand hauptsächlich aus einem unerfolgreichen Kampf gegen die Sozialdemokratie und die katholische Kirche (= Kulturkampf). Seine aggressive Außenpolitik änderte sich ab der Reichsgründung zu einer Friedenspolitik, die viele Bündnisse schuf und dadurch die halb-hegemoniale des Reiches in Europa sowie den Frieden Europas über Jahrzehnte bewahrte. In den 1880er Jahren erwarben deutsche Vereine Deutsche Kolonien|Kolonien in Afrika und Asien. Im Dreikaiserjahr kam Wilhelm II. (Deutsches Reich)|Wilhelm II. an die Macht, der wenig später Bismarck zur Kündigung zwang und die Außenpolitik zu einer Imperialismus|imperialistischen änderte. Das Attentat auf den Franz Ferdinand von Österreich-Este|österreichischen Thronfolger löste im Jahre 1914 den erster Weltkrieg|ersten Weltkriegs aus.

Zum Ende des ersten Weltkriegs von 1914 bis 1918 endete mit der Novemberrevolution 1918 auch die Monarchie im Deutschen Reich (wie auch in Österreich-Ungarn). Der Kaiser dankte ab, und das Deutsche Reich wurde zu einer Parlament|parlamentarisch-demokratischen Republik. Im Vertrag von Versailles|Versailler Vertrag wurde es von den Siegermächten zu großen Gebietsabtretungen gezwungen. Ferner wurden jährliche Reparationszahlungen festgelegt, die über einen Zeitraum von 80 Jahren gelten sollten. Der Vertrag, der nur widerwillig von einem Vertreter des deutschen Volks unterschrieben worden ist, bedeutete für Deutschland eine Demütigung, die den Revanchegedanken Frankreichs—ausgelöst durch die Reichsgründung—umsetzte und stellte einen wichtigen Grund für Hitlers Erfolg dar.

Weimarer Republik (1919-1933)

Die Weimarer Republik war von ständigen Auseinandersetzungen zwischen demokratischen und autoritären Kräften geprägt. Sie litt unter verbreiteter Ablehnung des Versailler Vertrags und wirtschaftlichen Schwierigkeiten. 1933 endete sie durch die Machtübernahme des gebürtigen Österreichers Adolf Hitler und seiner Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei|NSDAP).

Nationalsozialistische Herrschaft (1933-1945)

Die NSDAP errichtete im Deutschen Reich sehr schnell einen totalitären Einparteienstaat. Von Beginn an wurden politische Gegner verfolgt, während Juden einer Ausgrenzungspolitik unterworfen waren. Während des Krieges schließlich wurden zwischen fünf und sechs Millionen Juden in Europa ermordet (Holocaust). Auch Tausende Mitglieder anderer Bevölkerungsgruppen, Sinti und Roma, Homosexualität|Homosexuelle, behinderte Menschen sowie politische Gegner (Sozialdemokraten, Kommunisten, einzelne Mitglieder konservativer Parteien) fielen dem Massenmord zum Opfer.

Das nationalsozialistische Deutsche Reich war zudem auf Expansion ausgerichtet: Zunächst gliederte Hitler 1938 seine Heimat (unter dem Jubel großer Teile der Bevölkerung) an und es entstand das „Großdeutsches Reich|Großdeutsche Reich“ und noch im selben Jahr durch das Münchner Abkommen das von Deutschen besiedelte Sudetenland. Erst durch die Annexion des restlichen Tschechiens einige Monate später erkannten die anderen Staaten die Expansionspolitik Hitlers. Schließlich löste er am 1. September 1939 den Angriff auf Polen aus und damit den Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg, der weltweit schätzungsweise 55 Millionen Menschen das Leben kostete. Für das (Groß-)Deutsche Reich endete dieser Krieg am 8. Mai 1945 mit der bedingungslose Kapitulation|bedingungslosen Kapitulation. Hitler nahm sich zuvor am 30. April selbst das Leben; die überlebenden politischen und militärischen Hauptverantwortlichen wurden in den Nürnberger Prozessen verurteilt.

Die Siegermächte|Hauptsieger, zunächst die USA, die Sowjetunion und Großbritannien, später auch Frankreich, bemühten sich anfangs noch um eine gemeinsame Besatzungspolitik. Einig war man sich über eine Demilitarisierung und der so genannte Entnazifizierung sowie die Demontage der deutschen Industrie. Aber schon bei der Frage, was man unter einer Demokratie zu verstehen habe, zeigten sich erste Meinungsverschiedenheiten zwischen der Sowjetunion einerseits und den Westmächten andererseits. Zudem hatten Frankreich und die Sowjetunion umfangreiche Annektionspläne zuungunsten Deutschlands.

Stalin annektierte zugunsten Polens große Teile des deutschen Ostens als Ausgleich für die von ihm besetzten polnischen Ostgebiete und für die Sowjetunion die nördliche Hälfte Ostpreußens, was von den Westmächten auf der Potsdamer Konferenz|Konferenz von Potsdam widerstrebend gebilligt wurde. Die meisten deutschen Bewohner im neuen Einflussbereich der UdSSR wurden aus Polen, der Tschechoslowakei|ČSSR, usw. vertrieben. Im Kerngebiet des besiegten Deutschen Reiches entstanden die Bundesrepublik Deutschland (BRD - nichtamtliche, politisch strittige Abkürzung) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) - wobei die Bundesrepublik sich gemäß einem Verfassungsgerichtsurteil als "teilidentisch" mit dem Deutschen Reich betrachtete.

Die Republik Österreich wurde - abgesehen vom endgültigen Verlust Südtirols - in den früheren Grenzen wiederhergestellt. Die Grenzziehung in der Bundesrepublik Deutschland, später Bundesland (Deutschland)|Bundesländer, wurden teilweise durch die Grenzen der Besatzungszonen bestimmt, z. B. zwischen Niedersachsen und Mecklenburg bzw. Sachsen-Anhalt sowie zwischen Thüringen und Hessen.

Bundesrepublik Deutschland und Wiedervereinigung (ab 1949)

Die Bundesrepublik Deutschland wurde am 23. Mai 1949 in den drei westlichen Besatzungszonen gegründet. An diesem Tag wurde die Verfassung (Grundgesetz) als Provisorium in Kraft gesetzt. Das Grundgesetz enthielt in der Präambel "...Das gesamte Deutsche Volk bleibt aufgefordert, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden" ein "Wiedervereinigungsgebot", an dem bis zur tatsächlichen Wiedervereinigung 1990 festgehalten wurde. Die Gründung der Deutsche Demokratische Republik|DDR erfolgte am 7. Oktober 1949 in der Sowjetischen Besatzungszone. Große Gebiete des ehemaligen Deutschen Reiches waren den Nachbarstaaten zugeschlagen worden. Der anschließende Kalter Krieg|Kalte Krieg zwischen West und Ost trennte Mitteleuropa, die Bundesrepublik und die DDR durch einen Eiserner Vorhang (Politik)|Eisernen Vorhang. Ein Machtwechsel in der Sowjetunion führte schließlich zu einer Öffnungspolitik, zu (friedlichen) Revolutionen und letztendlich zum Zusammenbruch der kommunistischen Regimes der DDR und den anderen Staaten des Warschauer Vertrages. Mit dem Fall des „Eiserner Vorhang (Politik)|Eisernen Vorhangs“ in Mitteleuropa öffnete sich auch die Grenze zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Am 3. Oktober 1990 erfolgt der Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland, die als Deutsche Wiedervereinigung|deutsche Wiedervereinigung bezeichnet wird. Die Truppen der Besatzungsmächte verließen weitgehends das Land und die neue bzw. „vergrößerte“ Bundesrepublik Deutschland erlangte damit wieder ihre volle Souveränität.

Politik

Hauptartikel: Politisches System Deutschlands

Bild: Instanzen der vertikalen Verwaltungsstruktur Deutschlands.png

Horst_Köhler.jpg|thumb|thumb|Bundespräsident
Prof. Dr. [[Horst Köhler ]]

Hauptstadt und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland ist Berlin. Nach Artikel 20 GG ist die Bundesrepublik Deutschland eine Demokratie|demokratische, Sozial|soziale und Rechtsstaat|rechtsstaatliche Bundesrepublik. Es gibt 16 teilsouveräne Bundesland (Deutschland)|Bundesländer, von denen einige wiederum in Regierungsbezirke untergliedert sind. Die staatliche Ordnung regelt das Grundgesetz. Staatsoberhaupt ist der Bundespräsident (Deutschland)|Bundespräsident mit repräsentativen Aufgaben. Der Regierungschef Deutschlands ist der Bundeskanzler (Deutschland)|Bundeskanzler. Er besitzt die Richtlinienkompetenz für die Politik der Bundesregierung (Deutschland)|Bundesregierung (Kanzlerdemokratie).

Als Bundesstaat ist Deutschland Föderalismus|föderal organisiert, d. h. es gibt zwei Ebenen im Politisches System Deutschlands|Politischen System: die Bundesebene, die den Gesamtstaat Deutschland nach außen vertritt, und die Länderebene, die in jedem Bundesland einzeln existiert. Jede Ebene besitzt eigene Staatsorgane der Exekutive, Legislative und Judikative.

Bundestag und Bundesrat (Deutschland)|Bundesrat entscheiden gemeinsam über die Gesetze des Bundes und haben die Befugnis mit 2/3-Mehrheit in beiden Organen die Verfassung zu ändern. In den Bundesländern entscheiden die Länderparlamente (Landtag bzw. Bürgerschaft) über die Gesetze ihres Landes. Obwohl die Abgeordneten der Parlamente nach der Verfassung nicht weisungsgebunden sind, dominieren Vorentscheidungen in den politische Partei|Parteien die Gesetzgebung.

Die Exekutive bildet auf Bundesebene die Bundesregierung (Deutschland)|Bundesregierung, die durch den Bundeskanzler (Deutschland)|Bundeskanzler geleitet wird. Auf der Ebene der Bundesländer leitet der Ministerpräsident (bzw. der Bürgermeister der Stadtstaaten) die Exekutive. Die Verwaltungen des Bundes und der Länder werden jeweils durch die Minister|Fachminister geleitet, sie stehen an der Spitze der Behörden. Bild: Gerhardschroeder01.jpg]] Wie in anderen Ländern auch spielen Verbände im politischen System eine wichtige Rolle. Mit ihrer Lobbyarbeit versuchen sie, die Politik in die Richtung ihrer Interessen zu bewegen. Die Zulässigkeit dieser Tätigkeiten ist nicht unumstritten und unterliegt häufiger Kritik insbesondere der durch die Lobbyarbeit jeweils negativ betroffenen anderen Verbände.

Das Bundesverfassungsgericht wacht über die Einhaltung des Grundgesetzes. Die Obersten Gerichtshöfe des Bundes sind Bundesgerichtshof in Karlsruhe, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, das Bundesarbeitsgericht, das Bundessozialgericht und der Bundesfinanzhof in München. Der Großteil der Rechtsprechung liegt in der Verantwortung der Bundesländer. Die Bundesgerichte sind fast immer nur Revision|Revisionsinstanz und prüfen die Entscheidungen der Landesgerichte auf formelle und materielle Rechtmäßigkeit.

Siehe auch: Politische Parteien in Deutschland, Grundgesetz

Außenpolitik

Bild: Joschka Fischer.jpg]] Ein wichtiger Grundsatz Bundesdeutsche Außenpolitik 1945-1989|deutscher Außenpolitik ist die Westbindung. Deutschland hat am Aufbau europäischer organisatorischer Strukturen einen entscheidenden Anteil; Ziel war dabei auch, den Nachbarn Angst vor Deutschland zu nehmen und die Beschränkungen durch die Besatzungsmächte überflüssig zu machen. Die Bundesrepublik ist seit 1950 Mitglied des Europarates und unterschrieb 1957 die Römischen Verträge, den eigentlichen Grundstein für die Europäische Union.

Während des Kalter Krieg|Kalten Kriegs war der Spielraum deutscher Außenpolitik begrenzt. Als eines der wichtigsten Ziele galt die Deutsche Wiedervereinigung|Wiedervereinigung. Militäreinsätze im Ausland kamen nicht in Frage.

Seit einigen Jahren nimmt auch die Bundeswehr – sie darf sich laut Grundgesetz nicht an Angriffskriegen beteiligen und dient lediglich der Landes- und Bündnisverteidigung – mit Zustimmung des Bundestages an verschiedenen friedenserhaltenden und friedenserzwingenden Einsätzen teil. Im Einzelnen handelt es sich um die folgenden Missionen:

  • 1992-1996 Operation SHARP GUARD mit Schiffen und Aufklärungsflugzeugen in der Adria gegen Rest-Jugoslawien
  • 1993 Beteiligung an der UN-Mission UNOSOM II in Somalia
  • 1999 Beteiligung am Krieg der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien
  • 2002 Beteiligung an der Friedensmission ISAF in Afghanistan
  • seit 2002 Beteiligung an der Operation Enduring Freedom u. a. mit einem Marinekontingent vor Ostafrika und im Mittelmeer
  • 2003 mit AWACS-Aufklärern und Überflugrechten im Irak (jedoch ohne deutsche Besatzung)

Heute spielt Deutschland zusammen mit Frankreich eine führende Rolle in der Europäischen Union. Deutschland treibt die Bemühungen voran, über die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion|Wirtschafts- und Währungsunion hinaus ein einheitliches und mächtiges System der Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union|europäischen Außen- und Sicherheitspolitik zu schaffen. Die Bundesregierung strebt außerdem einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen|Sicherheitsrat der Deutschland in den Vereinten Nationen|Vereinten Nationen an.

Militär

Hauptartikel: Bundeswehr

Nach ihrer Gründung 1949 hatte die Bundesrepublik Deutschland zunächst keine eigenen Streitkräfte. Unter dem Eindruck des Koreakrieges und der als aggressiv empfundenen Sowjetunion|sowjetischen Politik in Osteuropa trat die Bundesrepublik 1955 der NATO bei und stellte Streitkräfte auf. Nach der Wiedervereinigung wurden Teile der Nationale Volksarmee|Nationalen Volksarmee der DDR in diese Streitkräfte eingegliedert.

Die als Bundeswehr bezeichnete militärische Gesamtorganisation besteht aus den Streitkräften und ihrer Verwaltung. Die Streitkräfte gliedern sich in die Teilstreitkraft|Teilstreitkräfte Heer (Bundeswehr)|Heer, Deutsche Marine|Marine und Luftwfaffe (Bundeswehr)|Luftwaffe und die unterstützenden Organisationsbereiche Streitkräftebasis und Zentraler Sanitätsdienst.

In der Bundeswehr dienten im April 2005 257.000 Soldaten und 125.000 Zivilist|zivile Mitarbeiter. Seit 2001 haben auch Frau|Frauen uneingeschränkten Zugang zum Dienst in den Streitkräften. Ihr Anteil beträgt 6,2 Prozent der Soldaten (Stand 2005). Die Bundesrepublik Deutschland gab im Jahr 2004 24,4 Milliarden Euro für die Bundeswehr aus, womit sie im internationalen Vergleich den sechsten Platz belegt. Das wird von einigen als zu wenig angesehen, vor allem, da die Bundeswehr sich nach dem Kalter Krieg|Kalten Krieg auf erheblich veränderte Aufgaben einstellen muss.

Auf den zum deutschen Hoheitsgebiet zählenden US-Stützpunkten Ramstein und Büchel (beide in Rheinland-Pfalz) sind heute noch 65 amerikanische Wasserstoffbomben stationiert, an deren Einsatzplanung Deutschland im Rahmen der nuklearen Teilhabe beteiligt ist.

Infrastruktur

Der hat in der zweiten Hälfte des 20._Jahrhundert|20. Jahrhunderts die Eisenbahn als wichtigsten Verkehrsträger abgelöst. Deutschland hat eines der dichtesten Straßennetze der Welt. Es umfasst 11.980 km Autobahn (Deutschland)|Autobahnen und 41.386 km Bundesstraßen.

Das Eisenbahnnetz der Deutsche_Bahn_AG|Deutschen Bahn AG ist in den vergangenen Jahren geschrumpft. Dem Rückgang des Eisenbahnverkehrs, besonders nach seiner Umstellung vom gemeinnützigen öffentlichen auf einen gewinnorientierten Privat|privaten Bahnbetrieb im Rahmen der Bahnreform ab 1993, steht ein starkes Wachstum des Straßenverkehr|Straßen- und Luftverkehrs gegenüber.

Es gibt in Deutschland ein gut ausgebautes Netz von Wasserstraßen für die Binnenschiffahrt. Die wichtigsten schiffbaren Flüsse sind Rhein, Main, Weser und Elbe. Bedeutende Kanäle sind der Mittellandkanal, der Main-Donau-Kanal, der Dortmund-Ems-Kanal, der Nord-Ostsee-Kanal und der Elbeseitenkanal. Der Binnenhafen Duisburg-Ruhrort ist der wichtigste und umschlagsstärkste Hafen Deutschlands und der größte Binnenhafen Europas. Der Mannheimer Hafen ist der zweitgrößte Binnenhafen Europas.

Der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt am Main ist das Drehkreuz der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa. Trotz der durch den weiter wachsenden Straßen- und Luftverkehr verursachten Umweltschutz|Umweltschäden und der wesentlich von diesen beiden Verkehrsträgern mitverursachten Globale Erwärmung|globalen Erwärmung ist die deutsche Verkehrspolitik auf deren weiterer Förderung statt auf die Verlagerung dieser Transporte auf die Eisenbahn|Schiene im Rahmen des Möglichen ausgerichtet.

Auf Grund des überproportional hohen Außenhandelsanteils ist Deutschland in erheblicher Weise auf den Seehandel angewiesen. Es verfügt über eine Anzahl moderner Seehafen#Deutsche Seehäfen|Seehäfen, wickelt aber auch große Anteile seines Handels nach Übersee über die Häfen von Nachbarländern, vor allem der , ab. Um künftig wieder größere Anteile in eigenen Häfen umzuschlagen, gibt es derzeit mehrere große Bauprojekte. Dazu gehört der Bau eines 4. Containerterminals in Bremerhaven, die geplante – und sehr umstrittene – Vertiefung von Weser und Elbe und der neue Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Er wird als einziger echter Tiefwasserhafen in Deutschland ab 2010 die größten dann in Fahrt befindlichen Containerschiffe abfertigen können. Die drei umschlagstärksten Seehäfen in Deutschland sind Hamburg, Wilhelmshaven und Bremen mit Bremerhaven.

Siehe auch: Liste deutscher Eisenbahngesellschaften, Liste der Autobahnen in Deutschland, Liste von Eisenbahnstrecken in Deutschland

Wirtschaft

Hauptartikel: Wirtschaft Deutschlands

Da Deutschland relativ rohstoffarm ist, ist seine Wirtschaft vorwiegend auf den industriellen und Dienstleistungssektor konzentriert. Große Flächen des Landes werden allerdings lich genutzt (jedoch sind nur 2 %–3 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig). Deutschland ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von über 2,06 Billionen Euro die drittgrößte Volkswirtschaft und nation der Welt. Zudem ist Deutschland die größte Exportnation. Beim Lebensstandard, der durch den Human Development Index repräsentiert wird, liegt Deutschland auf Platz 19 in der Welt. Innerhalb der EU nimmt Deutschland nach dem durchschnittlichen BIP je Einwohner Rang 11 ein.

Derzeit ist Deutschlands Wirtschaft durch eine für Deutschland ungewohnt hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere in Ostdeutschland, und relativ niedrige wirtschaftliche Zuwachsraten gekennzeichnet. Die Arbeitslosigkeit steigt seit den 1970er Jahren kontinuierlich an. Die Suche nach der Ursache dieser Wirtschaftsmisere spaltet derzeit die Gesellschaft: Unternehmerverbände und neoliberale Ökonomen sehen den in Deutschland traditionell stark ausgebauten Sozialstaat als Verursacher der Wirtschaftskrise, da die geringen Lohnkosten in osteuropäischen Nachbarstaaten zur Verlagerung der Produktion verleiten. Als Ursache gilt auch, dass die Staatsausgaben zu einem großen Teil über Sozialabgaben finanziert werden, die die Arbeitsplätze verteuern anstatt den Staat stärker über arbeitsplatzunabhängige Steuern zu finanzieren. Gewerkschaften und Globalisierungskritiker argumentieren mit Keynesianismus|keynesianistischen Modellen und behaupten, dass die Binnennachfrage durch Kürzungen im Sozialbereich geschwächt werde.

Zudem fehlte nach der Wiedervereinigung eine ausreichende ökonomische Basis für die politisch motivierte Angleichung ostdeutscher Lohn|Löhne an das Westniveau.

Als weltweit konkurrenzfähigste Branchen der deutschen Industrie gelten die Automobil-, Elektrotechnik|elektrotechnische, Maschinenbau- und industrie.

Bildung

Das Bildungswesen liegt in der Verantwortung der Bundesländer, wird jedoch durch bundesweite Konferenzen der Kultusminister koordiniert. In allen Bundesländern besteht eine neunjährige Schulpflicht, die Hochschulreife wird je nach Bundesland nach zwölf oder dreizehn Schuljahren erworben.

Praktisch alle jungen Erwachsenen besuchen nach der Schule eine weiterführende Bildungseinrichtung. Auszubildende in Betrieben besuchen an ein oder zwei Tagen in der Woche die Berufsschule. Studierende können zwischen universitäteren und anwendungsorientierten Hochschulen (Fachhochschulen) wählen.

Auch die berufliche Weiterbildung spielt eine große Rolle. Für Arbeitslose stellt die Bundesagentur für Arbeit Weiterbildungsgutscheine bereit.

Beinahe regelmäßig erntet das Land in den letzten Jahren Kritik von der OECD für seine Bildungspolitik, da insbesondere die ausländische Bevölkerung schulische Mängel aufweist (Pisa-Studie). Die Ausgaben für Bildung liegen im OECD-Vergleich unter dem Durchschnitt. Ein besonderer Schwachpunkt sind ausbleibende Ausgaben in den ersten Schuljahren, andererseits wird viel Geld in Hochschulen investiert. Experten befürchten ein Zurückfallen des Landes in der Bildungspolitk und fordern einen massiven Umbau des Bildungssystems.

Kultur

Auf Grund der föderativen, also dezentralen Struktur des Landes gibt es eine Vielzahl von kulturellen Institutionen und Ereignissen, vor allem in den großen Städten des Landes.

Beispiele: Richard-Wagner-Festspiele|Bayreuther Festspiele, Berliner Festwochen, Berliner Philharmoniker, Internationale Filmfestspiele Berlin (Berlinale), Lange Nacht der Museen, Frankfurter Buchmesse, Leipziger Buchmesse, Internationale Kurzfilmtage Oberhausen

Die Deutschen wurden früher, im Rückblick auf besonders viele Erfinder (Carl Benz, Wernher von Braun, Werner von Siemens, etc.), bedeutende Wissenschaftler (Otto Hahn, Max Planck, Wilhelm Conrad Röntgen, Albert Einstein, Carl Friedrich Gauß, etc.), ihre klassische Deutsche Literatur|Literatur (Johann Wolfgang von Goethe|Goethe, Friedrich Schiller|Schiller, etc.), ihre berühmten klassischen Komponisten (Ludwig van Beethoven|Beethoven, Mozart|Mozart, Richard Wagner|Wagner, Johann Sebastian Bach|Bach, etc.) und Philosophie (Immanuel Kant|Kant, Karl Marx|Marx, Friedrich Nietzsche|Nietzsche, etc.), auch als „Volk der Dichter und Denker“ bezeichnet.


Sport

Die beliebteste Sportart in Deutschland ist Fußball in Deutschland|Fußball; alleine sechs Mio. Aktive aus 170.000 Mannschaften sind im Deutscher Fußball-Bund|Deutschen Fußball-Bund organisiert, der im Jahre 2006 die Fußball-Weltmeisterschaft 2006|Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten wird. Regelmäßige TV-Zuschauerzahlen betreffend kann hiermit nur die Formel 1 konkurrieren. Mittlerweile ist auch Basketball unter der Teenager|jungen Bevölkerung sehr beliebt, jedoch hinsichtlich von TV-Zuschauerzahlen nicht mit der Formel 1 beziehungsweise dem zu vergleichen. Auch Handball und Eishockey sind beliebte Mannschaftssportarten in Deutschland. hat nach dem Ende des Boris Becker|Becker/Steffi Graf|Graf-Booms wieder an Popularität verloren.

Höchste Bauwerke

Bild: Berlin Fernsehturm 2005.jpg Berliner Fernsehturm|Fernsehturm Berlin, 368 Meter. Danach folgen die LW-Sendemasten des Senders Donebach mit 363 Metern Höhe und der Richtfunkmast Berlin-Frohnau mit 358,7 Metern Höhe. Ulm: Das Ulmer Münster hat mit 161,53 m Höhe den höchsten Kirchturm der Welt.

Sehenswürdigkeiten

Bild:Berlin-brandenburg-gate.jpg |Brandenburger Tor Bild:Messeturm (Messegelände), Frankfurt.jpg |Messeturm Frankfurt Bild:Kölner Dom.jpg |Kölner Dom

Küche

Hauptartikel: „Deutsche Küche”

Die Deutsche Küche ist äußerst vielfältig und variiert stark von Region zu Region. Bekannt ist Deutschland vor allem für seine deftigen und schweren Gerichte wie Eisbein mit Sauerkraut oder verschiedenen Eintopf|Eintöpfen. Dies ist mit Deutschlands relativ weit nördlicher Lage zu begründen, weshalb man, vor allem im Winter, auf ausreichende Kalorienversorgung achten musste. Aber auch sehr alte und einfache Speisen wie z. B. Armer Ritter sind Tradition. Die regionale Küche variiert jedoch stark und ist außerdem von den umliegenden Ländern beeinflusst. Vor allem in Norddeutschland werden sehr viele Kartoffeln gegessen.

Im Süden kommen jedoch die traditionellen Knödel, Spätzle und Nudeln hinzu. Ziemlich neu ist Reis als Beilage. Regionale Besonderheiten sind z. B. die Weißwurst in Bayern, oder der Saumagen in der Pfalz. Heute machen sich in Deutschland starke ausländische Einflüsse bemerkbar. Beliebt sind so auch Pizza, Spaghetti und Döner. Ferner gibt es auch viele Griechenland|griechische, Indien|indische und Chinesische Küche|chinesische Restaurants. Außerdem sind inzwischen Fast Food|Fast-Food-Restaurants von den Liste der Schnellrestaurantketten|bekannten Fast Food-Ketten in nahezu jeder Stadt vertreten. Getrunken wird in Deutschland viel Kaffee, im Norden auch . Die Deutschen lieben außerdem ihr (regional ebenfalls verschiedenartiges) sowie die verschiedenen sorten (aus klimatischen Gründen ist der Weinanbau und -konsum im Westen und Süden verbreiteter als im Norden und Osten).

Ähnlich wie in anderen europäischen Staaten gibt es auch in Deutschland einen Trend weg von den traditionellen „schweren“ Speisen zu „leichterer“, fettärmerer Kost.

Siehe auch

  • Portal Deutschland
  • Deutschland (Begriffsklärung)
  • Geschichte Deutschlands
    • Deutschland im Mittelalter
    • Preußen
    • Deutsches Reich
    • Deutsche Kolonien
    • Statistik der deutschen Länder von 1925
    • Deutsche Demokratische Republik
    • Gesellschaft in Deutschland 1949-1989
    • Deutsche Marine (Geschichte)|Geschichte der deutschen Marine
  • Liste der Burgen in Deutschland
  • Liste der zwischenstaatlichen Abkommen Deutschlands
  • :Kategorie:Deutsche Zeitung|Deutsche Zeitungen
  • seltene und endemische Tiere Deutschlands
  • Bundeswehr
  • Standort Deutschland
  • („Das Lied der Deutschen“)

Weblinks




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