Lexikon: Farbe

 

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Bild: Farbfaecher_01_KMJ.jpg Bild: Buntstifte_01_KMJ.jpg Farbe ist ein Sinneseindruck, der entsteht, wenn einer bestimmten oder eines Wellenlängengemisches auf die des s fällt. Diese elektromagnetische Strahlung veranlasst dort spezielle Sinneszellen zu einer Nervenerregung, die zum geleitet wird und dort auf bisher weitgehend ungeklärte Weise als Farbe ins Bewusstsein des tritt.

Farbe ist also eine Sinnesempfindung und keine alische Eigenschaft eines Gegenstandes. Der Begriff der Farbe gibt nur in Bezug auf einen lebenden mit Sinneszellen für Licht einen Sinn. Das Phänomen Farbe ist daher auch nicht auf der Oberfläche der Objekte selbst lokalisiert, sondern nur auf deren Abbild, das uns unser Gehirn in unserem Bewusstsein präsentiert, und damit in unserem Gehirn selbst.

Nach DIN 5033 ist Farbe diejenige Gesichtsempfindung eines dem Auge des Menschen strukturlos erscheinenden Teiles des Gesichtsfeldes, durch die sich dieser Teil bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge von einem gleichzeitig gesehenen, ebenfalls strukturlosen angrenzenden Bezirk allein unterscheiden kann.

Farbeindruck des Menschen

Die optische Wahrnehmung des en erfolgt durch bestimmte Photorezeptor|Rezeptoren, die sich auf der befinden. Von diesen Sinneszellen gibt es zwei Grundtypen: die so genannten Photorezeptor|Stäbchen unterscheiden nur Schwarz/Weiß-Kontraste, die so genannten Zapfen (Auge)|Zapfen – nicht ! – dienen der Farbwahrnehmung.
(Zum Merken: Stäbchen - Schwarz/weiß; Zapfen - Farben)

Die Zapfen sind in drei Ausprägungen vorhanden, die jeweils ihr Empfindlichkeitsmaximum in den Spektralbereichen haben, die uns als die Grundfarben "Rot", "Grün" und "Blau" vorkommen. Der rotempfindliche Zapfen hat dabei eine Nebenempfindlichkeit im violetten Spektralbereich -- deshalb erscheinen uns rotes und violettes Licht auch ähnlich, obwohl sie rein physikalisch betrachtet an den entgegengesetzen Enden des sichtbaren Lichtspektrums liegen. Jede Kombination von Anregungen der drei Zapfenarten durch auf die treffende bewirkt einen spezifischen Farbeindruck.

Für eine detaillierte Darstellung dieses Vorganges siehe den Artikel zur Farbwahrnehmung.

Menschen, die nur zwei Arten von Zapfen haben, sind Rot-Grün-Blindheit|rot-grün-blind oder (seltener) Grün-Blau-Blindheit|grün-blau-blind. Wenn Menschen nur eine Art von Zapfen haben, oder gar keine Zapfen (d.h. sie sehen nur mit den Photorezeptor|Stäbchen), sind sie Farbenblindheit|farbenblind. Siehe auch Farbwahrnehmung.

Eine verbreitete Einteilung trennt die Helligkeit als Stärke des Farbeindruckes von der Sättigung (Farbe)|Sättigung als "Reinheit einer Farbe" und dem eigentlichen Farbton, der über die eigentliche Charakteristik der Farbe entscheidet.

Die eindimensionale Darstellung der Spektralfarben im Regenbogen zeigt nur einen Teil aller Farbwahrnehmungen. Die sichtbare ist eine elektromagnetische Strahlung im Wellenlängenbereich von 380 bis 760 nm.

Kontraste der Gegenfarben

Werden die Farben durch e ausgelöst, bewirkt deren räumliche oder zeitliche Nähe subjektive Kontrastverstärkungen. Durch räumliche Nähe bewirkte Kontraste nennt man Simultankontrast, den Nachfolgeeffekt von Gegenfarben aber Sukzessivkontrast. Mit dem Simultankontrast verwandt sind die farbigen Schatten: Ein mit grünem Licht beleuchteter Gegenstand hat demzufolge einen roten Schatten.

Psychologische Wirkung

Wird das Auge von Licht eines bestimmten Wellenlängenbereichs getroffen, so hat dies außer der einfachen Sinnesempfindung (wie „rot“, „blau“) noch weitere, komplexere und farbspezifische psychologische Wirkung. Diese haben bei Menschen desselben Kulturkreis|Kulturkreises große Gemeinsamkeiten, weisen aber auch individuelle Unterschiede auf. Solche Wirkungen der Farbwahrnehmung werden - intuitiv oder bewusst - zur Erzeugung bestimmter Effekte genutzt: sowohl für künstlerische Design|Gestaltungen als auch in der Mode|Mode- und Werbung|Werbebranche. Psychologischer Test|Psychologische Farbtests versuchen, aus der überdurchschnittlich häufigen Wahl einer bestimmten Farbe oder Farbkombination auf bestimmte Eigenschaften der Persönlichkeit des betreffenden Menschen zu schließen. Im Alltagsleben machen viele Sprichwörter und Redewendungen (Farbe)|Redewendungen Gebrauch von den psychologischen Farbwirkungen. Die Tabelle zeigt einige Beispiele für mögliche Wirkungen und Bedeutungen von Farben.

Farbe Assoziationen, Gefühle
Rot Blut - Feuer - Energie - Wärme - Liebe - Leidenschaft - Erotik - Sünde - Gefahr - Sozialismus, Kommunismus, Revolution - Leben - Freude - Scham - Zorn - Politik: Links - China: Glück - Signalfarbe: verboten, stopp, negativ
Grün Gras - Natur - Unreife - - Ökologiebewegung - Hoffnung - Frieden - auf Fahnen: Islam - Esperanto (auch: auf Fahnen)-Frische - Signalfarbe: erlaubt, vorhanden, start, ok
Blau Wasser - Himmel - Freiheit - Adel - Ferne - Sehnsucht - Treue - Beständigkeit - Mäßigkeit - Israeliten: Gott, Himmel, Glauben, Offenbarung - Harmonie - Ausgeglichenheit - Ruhe
Gelb Zitrone - Frische - Fröhlichkeit - Lebensfreude - Lebenskraft - Liberalismus - Neid - Hass - Eifersucht
Goldgelb Sonne - Reichtum - Freude
Orange Orange - Erfrischung - Fröhlichkeit
Braun Lehm - Erde - Gemütlichkeit - Nationalsozialismus
Violett Frauenbewegung - Mystisch - Alter - Trauer - Entsagung - Würde - - lutherischer Protestantismus - Katholiken: Buße
Weiß Unschuld - Reinheit - Medizin - Neutral - Katholiken/Israeliten: Heiligkeit - Trauer (Asien, besonders China)
Grau Maus - Farblosigkeit - Neutralität - unauffällig
Schwarz Asche - Tod - Konservatismus - Macht - Trauer - Bosheit - unerlaubter Handel/Arbeiten - Kirche: Orthodox, besonders Katholizismus - Anarchie - Leere - Weltraum

Es ist zweckmäßig, zwischen zwei Arten von psychologischer Wirkung der Wahrnehmung von Farben zu unterscheiden

  • Assoziationen, das sind Vorstellungen, und zwar meistens Erinnerungen an zuvor Wahrgenommenes, in der Tabelle z.B. Feuer (Rot), Gras (Grün), Zitrone (Gelb);
  • Gefühle (Farbgefühl, Gefühlston, Anmutungsqualität, Gefühlscharakter). Diese kommen vor allem dann gut zum Ausdruck, wenn man Substantive in Eigenschaftswörter verwandelt oder von vornherein Eigenschaftswörter verwendet, die am ehesten Gefühle auszudrücken vermögen, in der o.a.Tabelle z.B. gefährlich (Rot), giftig (Grün), frisch (Gelb).

Beide Arten der psychologischen Farbwirkung gehen in die Schöpfungen der Kultur(en) ein. Nach der "Empiristischen Theorie der Gefühlswirkung von Farben" werden die Farbgefühle individuell und implizit (unbewusst, nicht erinnerbar) gelernt: es sind vor allem diejenigen Gefühle, die der Mensch auf Grund seiner ererbten Triebstruktur und Daseinsthematik ursprünglich gegenüber bestimmten überall vorkommenden "Universalobjekten" bzw. "Universalsituationen" entwickelt. Da diese eine bestimmte Eigenfarbe besitzen, treten als Folge eines Lernprozesses nach einiger Zeit die gleichen Gefühle bereits bei alleiniger Wahrnehmung dieser Farbe auf (entsprechend der Ausbildung "bedingter Reflexe" bei den Pawlowschen Hunden). Als solche Universalobjekte finden sich der blaue Himmel, die grüne Vegetation, das rote Feuer (bzw.Blut), die gelbe Sonne, der braune Erdboden (und die braunen Fäkalien); und die Universalsituationen, in denen sich der Mensch täglich befindet, sind die dunkle (schwarze) Nacht und der helle (weiße) Tag.

Farbwahrnehmung von Tieren

haben unterschiedliche Farbwahrnehmungen.

Ein bekanntes Beispiel sind die Bienen, die auch e Strahlung wahrnehmen können. Man vermutet, dass in Korallenriffen oft viele Farben wahrnehmen können.

Geschichte der Farbenlehre

Es gibt Farbenlehren von Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe, Johannes Itten, Harald Küppers, Hermann von Helmholtz und Ewald Hering.


Farbmodelle

Um Farben quantitativ (mit Hilfe von Zahlen) beschreiben zu können, wurden verschiedene Farbmodelle entwickelt. Je nach Anwendungsfall werden verschiedene Modelle benutzt, die eine leichtere oder genauere Farbauswahl ermöglichen. Häufig verwendete Farbmodelle sind:

  • RGB
  • CMYK
  • HSV (Farbmodell)|HSV
  • CIELab
  • XYZ (Farbmodell)|XYZ
  • YUV

Im Druckbereich und in der Technik wichtige Modelle sind:

  • Pantone
  • HKS-Farbfächer|HKS
  • Hexachrome
  • RAL-Farbsystem|RAL
  • Natural Color System|NCS

Die Farbwerte der verschiedenen Modelle können mathematisch ineinander umgerechnet werden. Da die Farbmodelle aber einen unterschiedlichen Farbumfang besitzen, führt dies nicht immer zu befriedigenden Ergebnissen. Um eine gute Näherung zu finden, bedient man si|ch der Farbnachstellung.

Spektral- und Mischfarben

Farben, die durch die Zerlegung weißen Lichts entstehen, werden als Spektralfarben bezeichnet. Allerdings enthält das Elektromagnetisches Spektrum|Spektrum nur einen kleinen Teil aller möglichen Farben â€“ nämlich nur die reinen Farben, und von diesen nicht diejenigen auf der so genannten „Purpurlinie“ zwischen Violett und Rot. Alle anderen, die durch Farbmischung entstehen, bezeichnet man als Mischfarben. Bestimmte Mischfarben können dem menschlichen Auge durch Metamerie als identisch zu bestimmten Spektralfarben erscheinen. Die folgende Übersicht zeigt einige Beispiele von Mischfarben, von denen die ersten acht auf dem Computermonitor wie reine Spektralfarben erscheinen.

Farbe
Rot ≈ 625–740 nm
Orange (Farbe)|Orange ≈ 590–625 nm
Gelb ≈ 565–590 nm
Grün (Farbe)|Grün ≈ 520–565 nm
Cyan  ≈ 500–520 nm
Blau ≈ 450–500 nm
Indigo ≈ 430–450 nm
Violett ≈ 380–430 nm
Magenta Mischfarbe
Braun Mischfarbe

Die Wellenlängen sind in Nanometer|Nanometern (nm) angegeben (siehe auch Größenordnung (Länge)).

Bunte und unbunte Farben

Die Frage, ob Schwarz und Weiß Farben sind, bietet erstaunlicherweise einigen Diskussionsstoff. In der Alltagssprache spricht man zwar von den "Farben" Schwarz und Weiß, würde sie aber nicht als "farbig" bezeichnen. Auf der anderen Seite erfüllen Schwarz und Weiß alle Kriterien für eine Farbe. Sie auszuschließen führte zu etlichen unsinnigen begrifflichen Verrenkungen.

Möchte man sich exakt ausdrücken, unterscheidet man besser zwischen bunten und unbunten Farben. Schwarz und Weiß einschließlich aller dazwischenliegenden Grau|Grauwerte bezeichnet man als unbunt. Alle anderen Farben werden als bunt bezeichnet.

Die Unterscheidung rührt aus der Farbwahrnehmung her, in der die deutlich lichtempfindlicheren Stäbchen nur Helligkeitsunterschiede erfassen, in die eine Farbigkeit von Spektralfarben aus der Wahrnehmung der Zapfen im Gehirn eingemischt wird. Daher rührt die Scheidung von Farbe in Farbton und Helligkeit. Die Farben Schwarz und Weiß sind hier Helligkeitsnuancen der Grau|Grautöne, und Grautöne können auch bei Lichtverhältnissen wahrgenommen werden, in denen die Farbzapfen nicht mehr reagieren. Denn die Farbzapfen brauchen eine bestimmte Lichtmenge, um zu funktionieren. Daher sind nachts "alle Katzen grau". Denn ohne genügend Licht kann das Auge die Farben nicht mehr wahrnehmen.

Verwandte Themen

  • Wikipedia:Farbtabelle|Wikipedia:Farbtabelle
  • Lichtspektrum
  • Farbkreis, Farbstoff, Komplementärfarbe
  • Farbtypenlehre
  • Liturgische Farben
  • Stadtfarben
  • Couleur
  • Web-Farben
  • Farbtiefe
  • Farbmanagement
  • Farbfotografie
  • Farbtemperatur
  • Hautfarbe
  • Spray
  • Klangfarbe

Physikalische, chemische und biologische Aspekte:

  • Entstehung von Farben
  • Emission (Physik)|Emission, Transmission (Physik)|Transmission
  • und Reflexion (Physik)|Reflexion = Remission (Optik)|Remission
  • Schwarzlicht
  • Anstrichfarbe
  • Bodenfarbe
  • Farbige Schatten
  • Flammenfärbung


Allgemeine Aspekte:

  • Kunst
  • Malerei
  • IG Farben

Literatur

  • Gerriet Hellwig: Farbe ist selbstverständlich. Zur Ordnung von Farbe., Diedersdorf, 1996, ISBN 3-932358-01-5
  • Harald Küppers: Das Grundgesetz der Farbenlehre, Dumont, ISBN 3-8321-1057-7
  • Hazel Rossotti: Colour: Why the World Isn't Grey. Princeton University Press, 1992, ISBN 0-6910-2386-7
  • Johann Wolfgang von Goethe: Zur Farbenlehre. Tübingen, Cotta, 1810
  • Jim Krause: Index Farbe. Addison-Wesley, ISBN 3-8266-1306-6
  • Norbert Welsch, Claus Chr. Liebmann: Farben. Spektrum Akademischer Verlag, 2004, ISBN 3-8274-1563-2
  • Rolf Gierling: Farbmanagement. mitp Verlag Bonn, ISBN 3-8266-1382-1
  • Lothar Kleine-Horst: Empiristische Theorie der Gefühlswirkung von Farben. Köln: Enane 1992, ISBN 3-928955-02-0


siehe auch

  • Mauve, Feng Shui

Weblinks


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