Lexikon: Feuer

 

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Bild: JM_Fire.jpg Der Begriff Feuer (heiß) (von althochdeutsch: fiur) bezeichnet eine Form der Verbrennung (Chemie)|Verbrennung mit Flammenbildung, bei der und Wärme entstehen.

Im übertragenen (veraltenden) Sinn hat Feuer oder ist ein feuriger Charakter, wer leidenschaftlich und impulsiv handelt.

Feuerstellen

Bild: Feuermachen.jpg beim Feuermachen auf der EXPO 2000 in Hannover Eigenaufnahmen von Henryart]]

Eine unkontrollierte Verbrennung wird als Brand bezeichnet, eine Verbrennung ohne Flammenbildung wird als Glut (Verbrennung) bezeichnet. Die Kontrolle des Feuers war ein wichtiger Schritt in der Entstehung Menschheit|menschlicher Kulturen und Zivilisationen. Sein Gebrauch durch den Menschen ist für eine Zeit bis etwa vor 300.000 Jahren nachgewiesen, vermutlich aber schon vor 790.000 verwendet worden, wie 2004 veröffentlichte Funde in Gesher Benot Ya'aqov belegen könnten. Nachdem jahrhundertelang nur die einfache offene Feuerstelle als Heizung und für Speisezubereitung diente, setzte sich im 19. Jahrhundert sowohl der Ofen (Wärme)|Ofen als , wie auch der Herd als Kochstelle langsam durch.

Entfachen eines Feuers

Heutzutage werden Feuer meist mit dem oder mit Streichholz|Streichhölzern angezündet. Gegebenenfalls wird ein Fidibus verwendet, um unzugängliche Stellen zu entzünden.

Vorindustrielle Völker kannten verschiedene Methoden, um Feuer zu entfachen. Alle erfordern Zunder, um die entstandene Hitze in eine Flamme umzusetzen. Geübte Menschen können mit ihrer Hilfe ein kleines Feuer in etwa einer Minute entfachen, siehe dazu auch Survival.

  • Durch Reibung: Üblich ist das so genannte Feuerbohren, bei dem ein Stück hartes Holz schnell zwischen den Handflächen oder effizienter mithilfe eines Bogens in einem Stück weichen Holzes gedreht wird. Wenn genug Hitze entsteht, wird der Zunder vorsichtig an die heiße Stelle gebracht. Bei einem Alternativverfahren, dem so genannten Feuersägen, wird ein Stück weiches Holz schnell in einer Kerbe in einem Stück harten Holzes hin und her geführt. Der Zunder kann in der Kerbe liegen.
  • Durch Funkenschlag: Ein Stück Pyrit wird mit einem anderen Stück Pyrit, einem Feuerstein oder einem Stück Stahl geschlagen, um Funken zu erzeugen, die man in den Zunder fallen läßt.
  • Durch Luftkompression: Dieses Verfahren wird in Hinterindien mit der Feuerpumpe angewandt.

Sobald der Zunder glimmt, wird er vorsichtig angefacht und mit ihm Späne oder kleine Holzstücke entzündet. Diese wiederum können zum Entzünden größerer Holzscheite genutzt werden.

Feuer, Wirkungsgrad

Bild: Dosenherd.jpg Ein offenes Feuer setzt viel Energie frei. Die althergebrachte Methode, einen Topf ohne Deckel auf drei Steine zu stellen und dazwischen ein Feuer zu entfachen, sollte nur angewandt werden, wenn genügend Brennholz zur Verfügung steht. Eine einfache Energiesparmethode zeigt das Bild rechts. Das Feuer brennt in einer Konservendose, auf ihr steht ein Topf mit Deckel. Der Deckel hält Wasserdampf zurück und gewinnt Kondensationswärme.

Mit einer Handvoll Reisig läßt sich Wasser kochen. Im Idealfall genügt ein fingerdicker Holzstock von 10 cm Länge, um eine Wassermenge von 200 ml zum Kochen zu bringen:

Wieviel Holz benötigt man, um eine Tasse Suppe zu kochen?
Eine Tasse Suppe (200 ml): m = 0,2 kg
Spezifische Wärme von Wasser: C = 4 kJ/kg
Temperaturunterschied zur Raumtemperatur: T = 100 °C – 20 °C = 80 K
Heizwert von trockenem Holz: H = 10 MJ/kg
Dichte von Holz: 0,7 g/cm³
Gesuchte Wärmemenge, um die Suppe zu erhitzen: Q
Gesuchte Holzmasse, die die Wärmemenge q liefert: M
q = C · m · T = 4 · 0,2 · 80 kJ = 70 kJ
M = q / H = 0,07 / 10 kg = 7 g
Wenn sich die Verbrennungswärme vollständig nutzen läßt, genügen 7 g Holz, um 200 ml Wasser auf 100° C zu erwärmen.

Nutz- und Schadenfeuer

Bild: Wohnhausbrand.JPG Man unterscheidet grundsätzlich Nutz- und Schadenfeuer.

Das Nutzfeuer ist ein beabsichtiges und kontrollierbares Feuer. Es ist zum Erwärmen oder Verbrennen von Gegenständen oder anderem gedacht. Hierzu zählt z. B. das Kaminfeuer oder das Grillfeuer.

Das Schadenfeuer ist ein unbeabsichtigtes und zerstörerisches Feuer. Es verbrennt ungewollt Gegenstände und ist meistens erst kontrollierbar, nachdem es eingedämmt wurde. Bekämpfung von Schadenfeuern ist die originäre Aufgabe der Feuerwehren. Der Begriff Schadenfeuer stellt ein Äquivalent zum Ausdruck Brand dar. Die Versicherungen definieren den Begriff Feuer meistens als Brand, welcher ohne bestimmungsgemäßen Herd entstanden ist oder diesen verlassen hat, und sich selbständig auszubreiten vermag. Bestimmungsgemäßer Herd kann hier jedes Objekt sein, welches dafür bestimmt ist, Hitze zu erzeugen (Backofen, Bügeleisen) oder Feuer zu erzeugen (Kerze, Gas- oder Kohleofen etc.).

Nicht selten kommt es vor, dass ein Nutzfeuer zum Schadenfeuer umschlägt.

Geschichte

Die (zunächst) Zähmung von Wildfeuern, dann auch die Kunstfertigkeit, es selber zu entfachen, ist eine wichtige Stufe der Entstehung des heutigen en.

Religiöse Vorstellungen des Feuers

Die Bedeutung des Feuers spiegelt sich in zahlreichen Mythos|Mythen wieder, etwa dem des Feuerbringers Prometheus.

Der Perserreich|persische Religionsstifter Zarathustra wirkte nachhaltig in die dortige Volkskultur hinein, noch der Islam hatte sich mit den "Feueranbetern" auseinander zu setzen. Viele persische Vornamen nehmen noch heute auf das Feuer Bezug.

Die Römer verehrten als Göttin des Herdfeuers die Vesta mit einem eigenen Frauenkult.

Erst das Christentum verband es mit der Hölle.

Im finnischen Epos Kalevala spielt der Raub der Feuermühle Sampo aus dem "Nordort" (Pohjola) eine bedeutende Rolle; noch jetzt kauft man dort Streichholz|Streichhölzer der Marke "Sampo".

Frühe naturwissenschaftliche Konzepte des Feuers

Im antiken Griechenland wurde dem Element Feuer der Tetraeder als einer der fünf Platonische Körper|Platonischen Körper zugeordnet. Feuer galt als eines der Elemente sowohl der klassischen Vier-Elemente-Lehre als auch der chinesisch-japanischen Fünf-Elemente-Lehre.

Siehe auch

  • Bruder Feuer
  • Feuershow
  • Feuerwehr

Weblinks


Kategorie:Feuer

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