Lexikon: Hämatit

 

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Hämatit
Bild: Hämatit.bär.660pix.jpg

Hämatitbär

Chemismus Fe2O3
Kristallsystem trigonal
Kristallklasse \bar{3}\frac{2}{m}ditrigonal-skalenoedrisch
grau bis schwarz, rotbraun, bunt anlaufend, rot verwitternd
Strichfarbe kirschrot bis rotbraun
Härte 6 bis 6,5
Dichte 5,2 bis 5,3
Glanz metallisch bis matt
Opazität opak
Bruch muschelig, spröde
Spaltbarkeit keine
Kristallhabitus pyramidal, würfelähnlich, rhomboedrisch, tafelig, rosettenartige Gruppen, säulenartig,

körnig, Oolith|oolithisch

Kristallflächen {0001}, {10\bar{1}1}, {11\bar{2}0}
Zwillingsbildung {10\bar{1}1}\ lamellar, {0001}
Kristalloptik
Brechungsindices

no=3,22-2,90
ne=2,94-2,69

Doppelbrechung δ=0,28-0,21 starke Dispersion
Pleochroismus ___
optische Orientierung negativ
Winkel/Dispersion
der optischen Achsen
-
weitere Eigenschaften
chemisches Verhalten schwerlöslich in HCl
ähnliche Minerale Goethit, Lepidolith, Ilmenit
nicht radioaktiv
___
besondere Kennzeichen kirschrote Strichfarbe

Hämatit (von griechisch αιματoεις (haimatoeis): blutig), auch Blutstein, Eisenglanz, Specularit, Iserin, Roteisenstein, Roteisenerz oder Rötel genannt, ist ein im trigonalen Kristallsystem kristallisierendes Oxid- der chemischen Zusammensetzung Fe2O3. Seine Härte liegt zwischen 5 und 6, seine Farbe ist rotbraun, stahlgrau oder schwarz. Die Strichfarbe ist meist ein charakteristisches blutrot - von ihr leitet sich der Name des Minerals ab. Das Mineral kann geringe Gehalte von , Mangan und Titan (Element)|Titan aufweisen.

Varietäten

Hämatit kristallisiert meist als Eisenglanz in stahlgrauen bis eisenschwarzen, metallglänzenden, oft irisierenden Kristallen, oder in blätterigschuppigen Kristallen als Eisenglimmer oder Eisenrahm. Hämatit in unterschiedlichen Einlagerungen nennt man:

  • mit niedriger Oberfläche und faseriger Struktur: roter Glaskopf,
  • mit Ton vermischt und daher weich: Eisenocker, roter Ocker oder Rötel
  • als oolithisch sedimentäre Bildung: Minette-Erze
  • feinschuppig: Eisenglimmer, Eisenrahm,
  • als völlig dichtes Roteisenerz im Erzgebirge: Blutstein (nicht zu verwechseln mit Jaspis|Blutjaspis)

Begleitmineralien sind Magnetit, Pyrit und Rutil.

Vorkommen

Bild: Roteisenerze_von_Suhl.jpg/Thüringer Wald]]
Roteisenerze (Roteisenglimmer, Roter Glaskopf, Blutstein)
von Suhl/Thüringer Wald.

Hämatit kommt sowohl in Sedimentgestein|sedimentären Lagerstätten als auch als Gangmineral vor. Es ist für die Rotfärbung vieler Gesteine verantwortlich - ein bedeutendes Beispiel sind die gebänderten Eisenerzformationen aus dem Erdzeitalter des Archaikums. Rote Sedimente, die in trocken-warmem (ariden) Klima entstanden sind, enthalten ebenso Hämatit wie Magmatisches Gestein|Ergussgesteine wie etwa Porhyrit oder Porphyr. Gangförmige Hämatit-Lagerstätten entstanden durch Ausscheidung in Wasser gelöster freier EisenIII-Ionen auf offenen Spalten und Klüften in diesen Gesteinen. In ihnen finden sich die verschiedenen Ausbildungsformen des Hämatits: Rot-Eisenrahm, Rot-Eisenglimmer, Rot-Eisenglanz, Rot-Eisenocker, Roter Glaskopf, Blutstein, Rötel und viele mehr.

Besonders reine Hämatitvorkommen waren die schon im Mittelalter abgebauten Gänge von Suhl im Thüringer Wald. Die Gänge verlaufen im Latit und Rhyolith (Porphyrit und Porphyr) und weisen als Gangarten nur Quarz, Kalk-, Fluss- und Schwerspat auf, aber keine Phosphor- und Schwefelminerale. Die Erze konnten deswegen zur Gewinnung weichen Eisens für die Büchsenrohrschmiede verwendet werden.

Mit Hämatit treten häufig auch andere Eisenerze wie Magnetit, Limonit oder Eisenspat auf. Das Ganggestein besteht hauptsächlich aus Kalzit, Dolomit, Quarz oder Thon und die Verunreinigungen sind meist Schwefelkies und Apatit.

Das Mineral findet sich weltweit, in Deutschland unter anderem im Lahn (Fluss)|Lahngebiet, das zu den größten Eisenkonzentrationen der Erde gehört, in der Eifel, dem Harz (Mittelgebirge)|Harz (bei Elbingerode und Büchenberg) und im Thüringer Wald. Weitere europäische Vorkommen liegen im England|englischen Cumberland (England)|Cumberland und in Nord-Lancashire, im Belgien|belgischen Vezin und Namur, auf der Italien|italienischen Insel Elba (Insel)|Elba und in Spanien. In Afrika ist Algerien ein nennenswerter Produktionsstandort, in den findet es sich am Oberer See|Oberen See und am Missouri (Fluss)|Missouri. Mehr als die Hälfte allen Eisenerzes kommt heute aber aus der Volksrepublik China, Brasilien und Australien.

Bedeutung als Rohstoff

Hämatit enthält im reinen Zustand 70 Prozent Eisen und ist das wichtigste Eisenerz.

Daneben findet Hämatit Anwendung als Poliermittel; die kristalline Form des Hämatit wurde zudem wegen ihrer hohen Reflektivität lange Zeit als Spiegel genutzt.

Schließlich ist Hämatit auch ein wichtiges und zudem ungiftiges Pigment. Schon in der Altsteinzeit wurde es für Höhlenmalereien und zur Körperbemalung eingesetzt; heute verwenden es unter anderem die Himbas in Namibia für die Körperpflege.

Für den Einsatz im künstlerischen Bereich wird Hämatit oft gepresst. Die gepressten Stangen werden unbehandelt oder als Stiftminen verwendet. Rötelstifte sind weich und färben gut und werden von Künstlern für Zeichnungen und zum Skizzieren genutzt. Wichtige Künstlerfarben sind etwa Roter Bolus, eine stark tonhaltige Sorte, die vor allem als Grundiermaterial bei Vergoldungen verwendet wird, Pompejanischrot, Englischrot, Venetianischrot, Terra Pozzuoli und das violettstichige Caput-mortuum.

Das Pigment eignet sich zudem zur Bemalung von Keramiken und zum Färben der Knüpffäden für Teppiche.

Geschichte

Der Abbau von Rötel war einer der frühesten Bergbauaktivitäten der Menschheit; das pulverförmige Mineral wurde in ca. 80.000 Jahre alten Grabstätten gefunden. Auch auf der griechischen Insel Thasos, bei Rydno in Polen und bei Lovas in Ungarn sind Paläolithikum|paläolithische Rötelgruben bekannt. Auch in Deutschland findet man prähistorische Bergbauspuren bei Bad Sulzburg und im Münstertal mit vergleichbaren Umfang aus der Zeit um 5.000 v. Chr. die der Bandkeramische Kultur|Bandkeramischen Kultur am Oberrhein zuzuordnen sind. Das ergiebige Vorkommen des Eisenglanzes der Insel Elba wurde schon von den Etruskern abgebaut.

Siehe auch: Liste von Mineralen

Literatur

  • W. E. Tröger, U. Bambauer, F. Taborsky und H. D. Trochim (1981): Optische Bestimmung gesteinsbildender Minerale, Teil 1: Bestimmungstabellen. Stuttgart (Schweizerbarth).

Weblinks

  • http://www.ufg.uni-freiburg.de/d/publ/gg/szb/sulzburg.html
  • http://www.ufg.uni-freiburg.de/d/publ/gg/szb/haematit.html
  • http://www.eisenstrasse.de/eisenerz.htm



Kategorie:Schmuckstein Kategorie:Mineral

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