Lexikon: Heparin

 

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z   Alle

Heparine sind Therapie|therapeutisch eingesetzte Substanzen zur (Blut-)Antikoagulation|Gerinnungshemmung. Chemisch gesehen handelt es sich um Polysaccharide, bestehend aus einer variablen Anzahl von Aminozuckern mit einem Molekulargewicht zwischen 4.000 und 40.000 (Häufigkeitsgipfel etwa 15.000). Heparin wird nicht aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert und muss deshalb intravenös appliziert werden.

Die gerinnungshemmende Wirkung beruht darauf, dass im Blut Antithrombin III zirkuliert, ein , das aktivierte hemmt. Heparin bindet nun an Antithrombin III, was die von diesem katalysierte Reaktion etwa 1000fach schneller ablaufen lässt.

Neben den unfraktionierten Heparinen werden auch noch niedermolekulare, fraktionierte Heparine angewendet, die kürzere Ketten aufweisen (Molekulargewicht um 5.000) und die sich in der Wirkung insofern unterscheiden, welche Gerinnungsfaktoren sie hemmen.

Heparin wird angewandt zur und von n. Seine Dosis wird nicht in Gramm angegeben, sondern in Internationale Einheit|Internationalen Einheiten (IE): 1.000 IE vermögen 1l Schafs- oder Rinderblut bei 37 Â°C eine Stunde lang ungerinnbar zu machen.

Als unerwünschte Nebenwirkung|Nebenwirkungen treten auf: überschießende Blutungsneigung (Antidot in diesem Fall Protamin) und Heparininduzierte Thrombozytopenie Typ I und II.

Siehe auch Antikoagulation, , , Blutgerinnsel, Heparinoide

Andere Gerinnungshemmer sind:

  1. Ca-Komplexbildner, z. B. Citrat oder EDTA, die allerdings nur im Reagenzglas und nicht therapeutisch eingesetzt werden können.
  2. Vitamin-K-Antagonisten, z. B. Marcumar® (ein Coumarine|Coumarin).
  3. Hirudin, ein Thrombin-Hemmstoff.
  4. Fibrinolytika, z. B. Streptokinase, Urokinase, t-PA, die vor zur Therapie von , und tiefe Beinvenenthrombose.


im Detail:

Struktur

Heparine bestehen aus jeweils abwechselnden Folgen von D-Glucosamin und einer Uronsäure (D-Glucuronsäure oder L-Iduronsäure). Mit einer Monosaccharid-Kettenlänge von 5 (3 D-Glucosamine und 2 Uronsäuren) sind sie bereits gerinnungshemmend. Den Kettenbausteinen entsprechend besitzen sie viele negative Ladungen, über welche sie auch an Antithrombin III koppeln. Heparine mit Kettenlängen von 5 bis 17 werden als niedermolekulare Heparine (NMH), mit Kettenlängen ab 18 als unfraktionierte Heparine (UFH) bezeichnet.

Wirkungsmechanismus

Sowohl NMH als auch UFH wirken über Antithrombin III (AT III) und beschleunigen die Inaktivierung von aktivierten um das 1000fache. NMH inaktiviert vornehmlich den Prothrombinasekomplex, bestehend aus aktiviertem Faktor X (Stuart Prower Faktor), aktiviertem Faktor V (Proakzelerin), Calciumionen und Phospholipiden. UFH inaktiviert neben dem Prothrombinasekomplex auch den aktivierten Faktor II = Thrombin. Insofern erklärt sich die schneller gerinnungshemmende Wirkung von UFH gegenüber NMH. Des Weiteren werden die Faktoren IX (Anti Faktor B bzw Christmas Faktor), XI (Rosenthal Faktor), XII (Hagemann Faktor) und Kallikrein inaktiviert.

Pharamakokinetik

Heparin wird intravenös oder subcutan verabreicht. Bei subcutaner Gabe von UFH resultiert eine 30%ige Bioverfügbarkeit. Bei intravenöser Applikation kommt es initial zu einer schnellen Pharmakokinetik|Elimination von 40% des injizierten UFH (schnell ablaufender Sättigungsprozess -> aufgrund der vielen negativen Ladungen bindet UFH am Endothel und an Makrophagen sowie an Plasmaproteine) mit einer Halbwertszeit von 5-15 Minuten, welche dann in eine langsamere Elimination mit einer HWZ von 60-90 Minuten (Niere|renale Elimination über Glomerulum|glomeruläre Filtration und tubuläre Sekretion). Erst wenn alle Bindungsstellen abgesättigt sind, wird die Dosis-Wirkungs-Beziehung linear und der therapeutisch wirksame Spiegel erreicht. UFH ist nicht gängig und tritt nicht in die Muttermilch ein -> kann somit in der und Stillzeit eingesetzt werden.

NMH weisen eine geringere Affinität zu Plasmaproteinen, vaskulären Matrixproteinen, , Thrombozyten und Endothelzellen auf. Daraus erklärt sich eine bessere Pharmakokinetik|Bioverfügbarkeit, die längere Pharmakokinetik|Halbwertszeit und die ausschließlich renale Clearence der NMH. Nach subcutaner Injektion ergibt sich eine 90%+ Bioverfügbarkeit. NMH ist nicht plazentagängig, ein Übertritt in die Muttermilch ist nicht bekannt.

Indikationen

UFH ist indiziert:

  • postoperativer n
  • Therapie der tiefen Venenthrombose und der
  • Therapie arterieller n
  • Antikoagulans (synonym Gerinnungshemmer) bei extrakorporaler Zirkulation (z. B. Dialyse)
  • unter besonderen Gesichtspunkten:
    • zur Therapie der DIC (=disseminierte intravasale Coagulation)
    • zur Begleittherapie der Thrombolyse
    • zur Therapie des akuten es

NMH ist angezeigt:

  • zur peri- und postoperativen Prophylaxe von venösen Thrombosen
  • Therapie der tiefen Venenthrombose
  • Therapie der nicht massiven Lungenembolie
  • Thromboseprophylaxe bei instabiler Angina pectoris
  • Antikoagulans bei der Hämodialyse

Kontraindikationen

Eine kritische Nutzen/Risiko-Analyse und sorgfältige laboranalytische Überwachung des Patienten sind notwendig. Der Begriff "Kontraindikation" ist in diesem Rahmen relativ zu sehen.

  • therapierefraktäre Hypertonie und Retinopathie
  • Leber- und Nierenerkrankungen mit eingeschränkter Funktion, akute Pankreatitis
  • schwere Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes mellitus
  • fortgeschrittenes Malignom
  • fortgeschrittenes Alter (mit erhöhter )
  • intensivmedizinisch betreute (z. B. Intubation|intubierte) Patienten
  • Überempfindlichkeit oder vorausgegangene HIT II

hochdosiert:

  • bestehende oder drohende innere Blutungen
  • Punktion an Arterien und Parenchym|parenchymatösen Organen, intramuskuläre Injektionen (<7 Tage)
  • frische Operationen (Abhängig von Dauer und Art des Eingriffs)
  • bakterieller Endokarditis
  • Mitralvitium|Mitralvitien mit Vorhofflimmern

Unerwünschte Wirkungen

  • Blutungsgefahr (wie bei allen Antikoagulantien)
das Blutungsrisiko ist sorgfältig abzuwägen. Es ist bei NMH nicht wesentlich geringer als bei UFH
->Gabe des Antidots Protamin (basisches argininreiches Protein vom Lachs - ein Polykation -> bindet somit an das Polyanion Heparin, UFH und NMH
  • Osteoporose und Spontanfrakturen nach längerer Behandlung (bei NMH seltener)
für die Fortsetzung der antikoagulatorischen Therapie sind Cumarine in Erwägung zu ziehen
  • in seltenen Fällen reversibler Haarausfall, und allergische Reaktionen:
Urticaria, Rhinitis, Tränenfluß, , Bronchospasmus und abfall
  • Heparininduzierte Thrombozytopenie HIT (=durch Heparin hervorgerufener Blutplättchenmangel)
Man unterscheidet Typ I (reversibel - selten) und II (schwer und lebensbedrohlich - seltener)
-> sofortiges Abbrechen der Heparingabe - wechsel auf rekombinantes Hirudin (Lepirudin) oder Danaparoid - danach Umstieg auf Cumarine



Kategorie:Pharmazie Kategorie:Pharmakologie

en:Heparin ja:ヘパリン nl:Heparine pl:Heparyna