Lexikon: Humus

 

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z   Alle

Als Humus (lateinisch "Erdboden") wird das gesamte im Boden enthaltene tote Organische Chemie|organische Material bezeichnet. Zum Humus gehören abgestorbene Pflanzenreste, tierische Exkremente und Kadaver u.a. in allen Stadien der Zersetzung. Humus kann an der Bodenoberfläche mehr oder weniger mächtige Auflagen bilden oder auch, durch tierische Aktivität oder von abgestorbenen Wurzeln herrührend, in den Mineralboden eingearbeitet sein. Der Humus unterliegt vor allem der Aktivität von Mikroorganismen, die durch ihre Stoffwechselaktivitäten zu seinem Auf-, Um- oder Abbau beitragen (siehe hierzu auch: Mutterboden und Oberboden).

Entstehung

Das Ausgangsmaterial für Humus, vornehmlich Pflanzen und Pflanzenteile, bestehen aus einer Fülle unterschiedlichster organischer Stoffe, die sich in ihrer Abbaubarkeit durch Mikroorganismen erheblich unterscheiden können. Viele e und e werden sehr schnell zersetzt. Andere Stoffe, beispielsweise Cellulose oder Lignin können aufgrund ihrer molekularen Konstitution oder bedingt durch die hohe Stabilität nur langsam bzw. von Spezialisten angegriffen und abgebaut werden. Daher kommt es, dass bestimmte Humusbestandteile nur wenige Wochen oder Monate im Boden verweilen (Nährhumus), andere jedoch Jahrhunderte oder Jahrtausende lang im Boden verbleiben (Dauerhumus).

Struktur

Die Humusauflage eines naturbelassenen Bodens kann maximal drei Horizonte umfassen:

Mit Ol wird der Streuhorizont bezeichnet (engl.: litter - Streu). Er enthält abgestorbene Pflanzenreste. Diese sind als solche noch ohne Einschränkung erkennbar und nach Pflanzenart usw. klassifizierbar. Ein Boden, bei dem direkt unter der Streuauflage ein humusreicher Ah-Horizont (s. u.) liegt, wird als Mull (Humusform)|Mull bezeichnet.

Of bezeichnet den Moderhorizont. Durch Fermentation und Vermoderung hat bereits eine weitgehende Zersetzung der Pflanzenreste stattgefunden. Noch sind Strukturen pflanzlicher Gewebe erkennbar, diese sind jedoch bereits mit Humuspartikeln vermengt. Besteht die Humusauflage aus Streu- und Moderhorizont, so wird sie als Moder bezeichnet.

Oh bezeichnet den Rohhumushorizont. An dem darin enthaltenen Material sind keinerlei pflanzliche Strukturen mehr erkennbar. Die Zersetzung des Pflanzenmateriales hat ein weit fortgeschrittenes Stadium erreicht. Eine Humusauflage, die alle drei beschriebenen Auflagenhorizonte umfasst, wird als Rohhumus bezeichnet.

Nicht mit zur Humusauflage gehört der Ah-Horizont. Dieser ist der mineralische Oberboden und enthält, meist durch tierische oder auch menschliche Aktivität (tierisch z.B: Regenwürmer und Maulwürfe , menschlich z.B: Pflügen), Humus. Der Humusanteil beträgt hier maximal 30%.

Wie stark die Humusauflage ausgeprägt ist und welche der beschriebenen Horizonte sie aufweist, hängt insbesondere davon ab, inwieweit durch die bestehenden Umweltbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, Bodenversauerung, Nährstoffversorgung, Exposition, Lage Breitengrad, Klima, u. a.) Humusakkumulation begünstigt wird. Allgemein ist die Humusakkumulation desto stärker, je ungünstiger sich die Umwelt für die Aktivität der Mikroorganismen gestaltet.

Bedeutung

Für den Boden als ist der Humus von essentieller Bedeutung. Der Humus

  • schützt den Boden vor Erosion durch Regen, weil das Wasser gleichmäßig und tief einsickern kann
  • reduziert die Erosion durch Wind
  • enthält Schleim- und Klebestoffe, die dem Erdreich eine körnige Struktur verleihen
  • ernährt Regenwürmer und andere nützliche Bodenorganismen
  • senkt die Bodentemperatur im Sommer und erhöht sie im Winter
  • versorgt die Pflanzen mit Nährstoffen, wobei er sie so langsam abgibt, dass die Pflanzen sie bewältigen können
  • befähigt den Boden, das Wasser schwammartig zu speichern und begrenzt die auf ein Minimum
  • kontrolliert die chemischen Veränderungsprozesse im Boden bei Zugabe von Kalk und organischem Dünger
  • setzt organische Säuren frei, mit denen hoch alkalischer Boden neutralisiert wird, um Mineralien freizusetzen
  • speichert und andere Stickstoffverbindungen in austauschbarer und verwertbarer Form

Siehe auch:

, Kompostierung, Kulturboden, Dünger, Ton-Humus-Komplexe

Literatur

  • John Seymour: Selbstversorgung aus dem Garten ISBN 3332017039

Weblinks

Weitere Infos zu Humus


Kategorie:Bodenkunde Kategorie:Feldwirtschaft

bg:Хумус cs:Humus da:Humus en:Humus fr:Humus he:הומוס nl:Humus pl:Próchnica