Lexikon: Hypnose

 

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Die Hypnose ist ein vorübergehender Zustand geänderter Aufmerksamkeit. Sie wird als tiefer, "konzentrativer" Entspannungszustand beschrieben, der von einer anderen Person oder auch selbst herbeigeführt werden kann und in dessen Verlauf eine Vielzahl von Phänomenen auftreten können. Diese Phänomene schließen ein: Änderungen des Bewusstseins und des Gedächtnisses, vermehrte Empfänglichkeit für sowie ein Auftreten von für normales Bewusstsein ungewöhnlichen Reaktionen und Vorstellungen. Die Definition ist nur vage, da die zugrunde liegenden Mechanismen noch nicht besonders gut erforscht sind.

Der Zustand der Hypnose ähnelt jenen natürlichen, spontan auftretenden Zuständen, die man vor allem beim Einschlafen und Aufwachen sowie bei Tagträumen, konzentriertem Lesen eines Buches oder schauen eines Films erleben kann: Die Wahrnehmung ist eingeengt und die Konzentration des Bewusstseins auf eine bestimmte Sache gerichtet (das Buch, der Film oder aber die Worte des Hypnotisuers).

Das Wort Hypnose leitet sich von dem griechischen Wort hypnos für "Schlaf" ab und wurde 1843 von dem britischen Arzt James Braid (Arzt)|James Braid zum ersten Mal für eine hypnotische Trance verwendet. Der Bewusstseinszustand unter Hypnose ist jedoch nicht mit dem des Schlafes gleichzusetzen (siehe unten).

Hypnose findet in der Hypnotherapie Anwendung und gehört zu den wenigen Methoden in der Psychotherapie, deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist und als effektiv akzeptiert wird.


Geschichte der Hypnose

Hypnose wurde wahrscheinlich schon in der Frühzeit des Menschen verwendet. Auch wenn es keine wissenschaftliche Belege dafür gibt, lassen sich Berichte über kultische Handlungen oder Dinge aus dem Schamanismus durchaus mit Hypnose in Form der Selbst- oder Fremdsuggestion erklären. Es ist davon auszugehn, das Hypnose eher zufällig "erfunden" wurde und seinen Ursprung in meditativen und kultischen Handlungen religiösen Hintergrundes haben dürfte. Spekulativ kann man davon ausgehen, das aus massenpsychologischen Manipulationen bei religiösen oder kultischen Riten und aus den selbstmeditativen Erfahrungen von Priestern, Heilern und Schamanen sich die Hypnose entwickelt hat. Wissenschaftlich jedoch wurde die Hypnose um 1770 von Franz Anton Mesmer (1734-1815) wiederentdeckt. Dieser experimentierte mit Magneten, welche er Patienten auflegte. Er nannte den Effekt 'Magnetismus animalis' (der Name taucht auch heute noch auf). Er schrieb jedoch die Heilkräfte den Magneten zu. Aufgrund von Mesmers Popularität nannte man den Vorgang des Hypnotisierens lange Zeit auch "Mesmerisieren" (ein Ausdruck, der im zeitgenössischen Englisch noch existiert).

Im 19. Jahrhundert war Frankreich mit den Schulen in Nancy (Frankreich)|Nancy (Ambroise-Auguste Liebeault, Hippolyte Bernheim) und Paris (Jean-Martin Charcot) führend in der Erforschung der Hypnose.

Auch Sigmund Freud (1856-1939) wurde 1885 bei Jean-Martin Charcot in Paris auf die Experimente von Mesmer aufmerksam und versuchte selbst diese Methode um Patienten zu behandeln; dies wurde zum Ausgangspunkt seiner Studien über Hysterie. Später ließ er diese Methode jedoch wieder fallen und widmete sich seiner Technik der Freie Assoziation|freien Assoziation.

Wesentlich weiterentwickelt wurde die Hypnose im 20.Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zunächst durch Oskar Vogt (1870-1959), dann durch dessen Schüler Johannes Heinrich Schultz, der daraus das Autogenes Training|autogene Training entwickelte, und später durch Klaus Thomas. Im amerikanischen Sprachgebiet wurde die Hypnose wesentlich weiter entwickelt durch Milton H. Erickson und durch Kroger.

Milton H. Erickson begründete eine neue Form der Hypnotherapie, die heute als die modernste Form der Hypnose gilt und aus der sich weitere psychologische Methoden wie z.B. das Neurolinguistische_Programmierung|NLP (Neurolinguistisches Programmieren) entwickelten.

Wie funktioniert Hypnose

Hypnose kann selbsttätig oder durch Einfluss einer anderen Person erreicht werden. Wesentliche Bedingungen sind Entspannung, eventuell mittels Entspannungsübungen, oder Fremd, Konzentration auf eine Sache, aber auch wiederholte, monotone Reize. Allerdings wirken in der Hypnose eine Menge psychologischer Mechanismen lediglich verstärkt, die auch im normalen "Wachzustand" wirken.

Hypnose funktioniert auf Grund von Suggestionen. Dabei wird dem Patienten mittels geeigneter Worte Muskel-Entspannung suggeriert. Durch Sätze wie "hören Sie nur auf meine Stimme" wird die Konzentration auf den Hypnotiseur und seine Suggestionen eingeengt und eine intensivierte Verbindung zum Unterbewusstsein des Patienten aufgebaut (Rapport (Psychologie)|Rapport). Während einer Hypnosesitzung erfährt man keine Bewusstlosigkeit und auch keinen Schlafzustand. Es handelt sich vielmehr um eine Art Trance, bei welcher die Kritikfähigkeit des Wach-Bewusstseins eingeschränkt wird. Erst bei sehr tiefen Hypnosen (Somnambulismus) können u. U. partiell Amnesien, also Erinnerungslücken auftreten. Das Bewusstsein ist allerdings die ganze Zeit anwesend und der Patient schläft auch nicht. Auch ist es ein Irrglaube, dass der Hypnotisierte seinen Willen verliert. Selbst in Tieftrance ist die Erteilung von Befehlen, welche den Moralvorstellungen des Probanden widersprechen, nicht ohne weiteres möglich (man müsste den Probanden umfassend manipulieren, z.B. durch Halluzinationen, um Derartiges bewerkstelligen zu können. (Siehe Gefahren)). In der Regel würde ein solcher Befehl zu einem innerlichen Widerspruch und damit zum Abbruch des Rapports führen. Unlogische Befehle werden nur deshalb ausgeführt, weil der Probant glaubt, es tun zu müssen. Glaube und Wille stehen dabei in direkter Konkurrenz, wobei der Glaube immer mächtiger als der Wille zu sein scheint.

Die Suggestibilität, also die Fähigkeit, sich hypnotisieren zu lassen, ist nicht bei allen Menschen gleich und hängt mit den "mental-kreativen Fähigkeiten" des Einzelnen zusammen. Etwa 5% der Menschen sind praktisch nicht hypnotisierbar, etwa 10% dagegen sehr leicht.

Man spricht bei der intensivsten Form der Hypnose (der tiefste Trance-Zustand) vom Somnambulismus. Die Existenz dieses Zustandes durch die Hypnose wird allerdings angezweifelt, besonders seitens der Therapiehypnotiseure.

Aufgrund unsachgemäß angewandter Hypnose kann es zu körperlichem oder geistigem Schaden des Probanden kommen.

Gesetze der Hypnose

Kurt Tepperwein beschreibt in seinem Buch "Die Hohe Schule der Hypnose" die folgenden Gesetze, denen nicht nur jede Hypnose, sondern jede Form der suggestiven Beeinflussung unterliegt:

  • 1. Jede bildhafte Vorstellung, die uns erfüllt, hat das Bestreben, verwirklicht zu werden.
  • 2. Wenn Wille und Glaube konkurrieren, unterliegt immer und ausnahmslos der Wille.
  • 3. Jede willensmäßige Anstrengung ohne bildhafte Vorstellung bleibt nicht nur erfolglos, sondern bewirkt sogar das Gegenteil.

Weiterhin erwähnt der selbe Autor noch das "Pawlowsche Punktreflex-Gesetz", nach welchem jeder andauernde, monotone Reiz, der wiederholt einen bestimmten Punkt der Hirnrinde erreicht, zwangsläufig Schläfrigkeit erzeugt, solange dieser Reiz nicht durch einen anderen, noch intensiveren, gestört wird. Leicht lässt sich damit die hypnoseunterstützende Wirkung monotoner Geräusche und visueller Effekte (wie etwa Blinklichter oder sich drehende Scheiben) erklären.

Die verschiedenen Stadien der Hypnose

Man kann im Groben etwa die folgenden Hypnosestufen unterscheiden:

  • Die Leichte Trance (Somnolenz) - Die Aktivität des Bewusstseins unterscheidet sich hier noch kaum vom Wachzustand. Es werden einfache und logische Suggestionen ausgeführt und es ist eine beginnende Entspannung der Muskulatur zu beobachten.
  • Die Mittlere Trance (Hypotaxie) - Eintretene Katalepsie. Vertiefung der Entspannung. Das Wachbewusstsein ist kaum noch aktiv. Es werden alle Suggestionen ausgeführt, die nicht der Persönlichkeit der Versuchsperson zuwiderlaufen. Posthypnostische Suggestionen sind möglich. Es kann spontan partielle Anästesie festgestellt werden.
  • Die Tiefe Trance (Somnambulismus|Somnambulanz) - Vollkommene Entspannung. Die Kritikfähigkeit des Wachbewusstseins ist vollkommen ausgeschaltet. Es werden auch Suggestionen ausgeführt, die unlogisch und realitätsfremd sind. Es kann eine partielle oder auch vollständige Amnäsie (=Erinnerungsverlust) eintreten. In den tiefsten Stadien sind neben negativen Halluzinationen (Dinge "übersehen") auch positive Halluzinationen (Dinge sehen, die nicht da sind) möglich.

Die Übergänge der einzelnen Zustände sind fließend und die Phänomene sowie die erreichbare Tiefe sind keinesfalls absolut, sondern abhängig von der Versuchsperson. Es sei hier angemerkt, dass das Vorhandensein einer Tieftrance von vielen therapeutisch und medizinisch arbeitenen Hypnotiseuren abgestritten wird. Allerdings gilt es dabei zu bedenken, dass die Ausbildung zur therapeutischen und medizinischen Hypnose oftmals nur die Hypnotherapie|moderne Hypnose nach Milton Erickson beinhaltet. Nachgewiesenermaßen ist durch diese Methode ein Erreichen einer bestimmten Trancetiefe nicht oder nur kaum möglich, und für therapeutische Zwecke auch oft gar nicht Notwendig, da die meisten therapeutisch relevanten Phänomene bereits bei mittlerer oder gar leichter Trance möglich sind. So ist denn auch generell fraglich, wie tief eine Hypnose sein muss, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Durch konsequente Wiederholung und anhaltenes Training ist es oft nur eine Frage der Quantität der Hypnosesitzungen, ob ein gewünschter Effekt bereits bei einer leichten Trance eintreten kann. Die Therapieansätze gehen hier folglich in die verschiedensten Richtungen (siehe auch NLP).

A.A. Liebhault ("Schule von Nancy") unterschied sechs verschiedene Stufen:

  • 1. Somnolenz: Als schwer empfundene Augenlieder und Gliedmaßen, Müdigkeitsgefühl. Das Bewusstsein ist voll aktiv.
  • 2. Absichtlich positionierte Gliedmaßen (besonders die Arme) bleiben eine Weile in der gegebenen Stellung und sinken dann langsam und automatisch in eine bequemere Position zurück. Arme und Beine sind locker und entspannt. Das Bewusstsein und das Erinnerungsvermögen sind noch voll aktiv.
  • 3. Automatische Fortsetzung von Drehbewegungen der Arme, wenn man Suggeriert, die Versuchsperson könne mit der Bewegung nicht von alleine aufhören.
  • 4. Abhängigkeit vom Hypnotiseur und Ignorierung der Einflussnahme anderer Personen (vollständiger Rapport (Psychologie)|Rapport).
  • 5. Leichte Somnambulanz: Suggerierte Halluzinationen in den meisten Fällen möglich. Getrübtes Bewusstsein, eintretener partieller Erinnerungsverlust.
  • 6. Tiefe Somnambulanz: Verstärkung der Effekte der 5. Stufe. Vollständiger Erinnerungsverlust. Inaktivität des Bewusstseins.

Davis und Husband unterschieden die Folgenden 30 Grade:

  • Hypnotid
    • 1. Beginnende Entspannung
    • 2. Entspannung
    • 3. Zuckungen der Augenlieder
    • 4. Schließen der Augen
    • 5. Vollständige physische Entspannung
  • Leichte Trance
    • 6. Katalepsie (Bewegungsunfähigkeit) der Augenlieder
    • 7. Katalepsie der Gliedmaßen
    • 8. Wirkungsverstärkung
    • 9. Wirkungsverstärkung
    • 10. Kataleptische Starre
    • 11. Anästesie der Hand
  • Mittlere Trance
    • 12. Steigerung
    • 13. Partielle Anästesie
    • 14. Steigerung
    • 15. Posthypnotische Anästesie
    • 16. Steigerung
    • 17. Persönlichkeitsveränderung
    • 18. Einfache posthypnotische Suggestionen
    • 19. Steigerung
    • 20. Kinästhetische Illusionen der totalen Anmäsie
  • Tiefe Trance
    • 21. Augenöffnung ohne Tranceabbruch
    • 22. Steigerung
    • 23. Unlogische posthypnotische Suggestionen
    • 24. Steigerung
    • 25. Kompletter Somnambulismus
    • 26. Positive optische Sinnestäuschungen
    • 27. Positive posthypnotische akustische Sinnestäuschungen
    • 28. Systematische posthypnotische Amnäsien
    • 29. Negative akustische und optische Sinnestäuschungen
    • 30. Hyperästhesie

Die genaue Einteilung ist allerdings umstritten und wird höchstwahrscheinlich von der Versuchsperson abhängig sein. Es ist also möglich, dass bestimmte Phänomene bei der einen Person schon in einem leichteren Stadium zu beobachten sind, wärend eine Andere bestimmte Reaktionen erst viel später oder aber gar nicht zeigt.

Selbsthypnose

Es existieren verschiedenste Methoden, einen hypnotischen Trancezustand bei sich selbst hervorzurufen, zu den bekanntesten zählt das Autogenes Training|autogene Training oder die Meditation.

Es gilt der Grundsatz: Jede Hypnose ist eine Selbsthypnose! Wenn jemand nicht hypnotisiert werden will, kann man ihn nicht hypnotisieren. Da aber wenn Wille und Glaube sich feindlich gegenüberstehen ausnahmslos der Wille unterliegt, wird eine Person auch dann hypnotisierbar sein wenn sie nicht will - falls sie glaubt dass sie hypnotisiert werden kann.

Hypnose in der Therapie

Die Anwendungsmöglichkeiten der therapeutischen Hypnose sind vielgestaltig. So wird Hypnose oder werden hypnoseähnliche Techniken (siehe z.B. NLP) unter Anderem zur Behandlung von Depressionen und anderen psychische Störungen, Traumata, Suchtkrankheiten, Sprachstörungen (z.B. Stottern), zur Steigerung des Selbstwertgefühls, zum Stressabbau oder aber bei Ein- und Durchschlafproblemen verwendet.

Hypnose wird dabei oftmals innerhalb eines umfangreicheren Therapieprogramms eingesetzt und sollte nicht auf die Verwendung von Hypnose-CDs, wie sie immer mehr auch im Internet angeboten werden, reduziert werden. Zur Selbsthilfe stehen die Methoden der Selbsthypnose zur Verfügung, welche in vielen Fällen schon eine gute Abhilfe bei bestimmten Problemen - wie etwa Stress oder Schlafstörungen - leisten können.

Gefahren der Hypnose

Der von Seiten einiger Therapiehypnotiseure vorherrschenden Meinung, ein Mensch könne unter Hypnose niemals etwas wider seinem Willen tun, stehen Fälle gegenüber, wo Menschen unter Hypnose eine Bank überfallen haben oder auch versucht haben sollen, eine ihm nahestehende Person umzubringen.

Dabei braucht der Hypnotisierte nicht einmal eine latente Bereitschaft zu etwas moralisch Verwerflichem zu besitzen. Durch bestimmte im tiefen Hypnose-Zustand, dem Somnambulismus, ist es möglich, dem Hypnotisierten Umstände einzureden, die dazu führen, dass der Hypnotisierte die Umgebung einzig in der Form wahrnimmt, wie es der Hypnotiseuer bestimmt. Vermittelt man also den Hypnotisierenden den Eindruck, eine in Wirklichkeit verbrecherische Handlung wäre etwas legitimes und sogar notwendiges oder positives, besteht die Gefahr, dass der Hypnotisierte dieses Verbrechen tatsächlich begeht. Dieses setzt allerdings ein entsprechendes Können des Hypnotiseurs voraus.

Auch wird von Fällen berichtet, wo ein Hypnotiseur seinen Patienten suggerierte, er sei eine begehrenswerte Person, um sie so zum Geschlechtsverkehr zu bewegen.

Diese Art von Hypnose, die einen tiefen Trance-Zustand voraussetzt, wird vor allem von Bühnen-, Variete-, oder Showhypnotiseuren beherrscht und häufig von Therapiehypnotiseuren kritisiert.

Die grösste Gefahr geht von unausgebildeten Hypnotiseuren aus. Die Liste ist lang, angefangen von vergessenen oder gar unüberlegt gegebenen Suggestionen, die zu verheerenden Nebenwirkungen auswachsen können, bis hin zu Traumatisierungen die auch in den Wachzustand hineinreichen können. Ungeübten kann leicht der Fehler unterlaufen, dass sie die genaue Wirkung einer Suggestion nicht ausreichend überdenken oder unterschwellig gegebene bilderhafte Vorstellungen übersehen. Ein weiteres Problem ist die Gefahr eines Rapportverlustes (siehe Rapport (Psychologie)|Rapport). Ungeübte Hypnotiseure sind hier schon oft in Panik verfallen und haben die Situation dadurch noch verschlimmert. Insbesondere bei vorhandenen psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen ist das Gefährdungspotential riesig. Es gibt kaum etwas komplizierteres und grösseres als die menschliche Psyche, und in genau dieser stochert ein unausgebildeter Hypnotiseur rum. Vergleichbar wäre eine Hirnoperation am offenen Schädel durch einen Medizinstudenten im ersten Semester. Die Folgen können unabsehbar sein, insbesondere in ihrer zeitlichen Wechselwirkung. Schon allein aus diesen Gründen sollte eine Hypnose nur von ausgebildeten Personen durchgeführt werden. Berichte von derart verursachten Unfällen und die zweifelhafte Moralität von Bühnenhypnosen haben in einigen Ländern bereits zum Verbot solcher Veranstaltungen geführt. In Deutschland ist die Showhypnose allerdings weiterhin erlaubt und es existieren bereits Zusammenschlüsse seriöser Showhypnotiseure, welche dem Misbrauch der Hypnose durch Hochstapler und unverantwortliche Hypnotiseure entgegentreten wollen (siehe Weblinks).

Heutzutage ist Hypnose wissenschaftlich und klinisch anerkannt und wird als hervorragendes Adjunkt zu vielen herkömmlichen Methoden gesehen. Von Hilfe zur einfachen Lebensbewältigung über Psychotherapie bis hin zur Linderung oder Heilung von somatischen Erkrankungen und der Schmerzkontrolle, zeigt sich dei Hypnose überaus versatil und gewinnbringend. Als Kurzzeitmethode kann sie bereits in wenig Sitzungen deutliche Veränderung bewirken.

Lange Zeit wurde in uninformierten Kreisen davon ausgegangen, dass nur ein "Arzt" die Hypnose anwenden darf. Dieses Gerücht fällt wahrscheinlich auf die klassischen Hollywoodklischees zurück, wo der Hypnotiseur die Macht über den Patienten hat und ihn in einen Zustand völliger Willenlosigkeit versetzt. Ein Arzt ist aber nicht mehr (und auch nicht weniger) qualifizert, die Hypnose sachgemäß anzuwenden - dies wurde u.a. von dem berühmten englischen Arzt und Hypnotherapeuten John Hartland (Dictionary of Medical and Dental Hypnosis) bestätigt.

Hypnose wird in Deutschland nicht gesetzlich reglementiert; jeder darf hypnotisieren, und jeder darf sich Hypnotiseur und auch Hypnotherapeut nennen - es handelt sich um keine geschützten Begriffe wie etwa "Psychotherapeut". Hypnose fällt in manchen Fällen auch unter den New Age Bereich, und wird gegen allerlei psychische sowie physische Leiden angeboten. Oft werden Wunderheilungen versprochen, und die Hypnose wird als effektives Mittel gegen Multiple Sklerose, Krebs etc. propagiert. In 99% der Fälle wird hierbei mit der Verzweiflung der Patienten gespielt, die viel Geld und Hoffnung dabei verlieren.

Es empfiehlt sich also in jedem Fall, gründlich die Qualifikationen des Hypnotiseurs oder der Hypnotiseurin abzuklopfen, bevor man sich in eine Behandlung begibt. Ob nun Hypnotiseur, Psychotherapeut, Heilpraktiker oder Arzt - bei allen gibt es gute sowie schlechte Praktiker. Als Anhaltspunkt könnte also nun die hypnotherapeutische Qualifikation dienen: Wie viel Zeit und Energie hat Ihr Wunschpraktiker in seine Ausbildung gesteckt? Über welche Diplome verfügt er? Und hier gilt es auch, gründlich nachzuprüfen: So manches Diplom kann man an einem Wochenendkurs machen. Oder direkt über E-Bay ersteigern. Verfolgen Sie alle Qualifikationen deshalb im Idealfall bis zurück an ihre Quelle und prüfen Sie ganz genau, ob es sich dabei um eine renommierte, vertrauenswürdige Organisation handelt (ganz gleich, ob diese im In- oder Ausland sitzt).

Operationen unter Hypnose

Operationen unter Hypnose sind mit Einschränkungen möglich. So gibt es bereits praktizierende Zahnärzte, welche mit Hilfe von Hypnose Zahnoperationen durchführen (siehe Weblinks). Hypnose gilt als Alternative für Patienten, die allergisch auf reagieren. Zudem erhofft man sich durch den Verzicht konventioneller Narkose einen schnelleren Heilungsprozess.

Für die Operation unter Narkose wird eine Vorbereitungszeit vom Hypnosetherapeut und vom Patienten benötigt. Ärzte geben acht, was sie während der Operation sagen - was sie ja eigentlich auch sonst sollten - denn der Patient ist wach und weiß wo er ist und was gerade passiert. Nur seine Wahrnehmung wird mit Hilfe seiner selbst und des Therapeuten auf etwas Angenehmeres gelenkt und dadurch "vergisst" er den Schmerz.

Schwerere Operationen, bei denen z.B. größer Blutverlust eintreten kann, benötigen natürlich weiterhin eine medizinische Anästhesie mit Hilfe von Nakosemedikamenten.

Hypnose und Glauben

Im Allgemeinen vertritt man den Standpunkt, dass Hypnose nichts mit oder Glauben zu tun hat. Bezeichnend hierfür ist aber, dass in manchen Glaubensrichtungen hypnoseähnliche Zustände hervorgerufen werden (speziell in Sekten, um die Gläubigen zu beeinflussen). In gewissen Religionen oder bei einzelnen Vertretern und Richtungen bestimmter Religionen wird die Hypnose als etwas Okkultes angesehen. In diesem Fall müsste die Kritik im Detail analysiert werden; möglicherweise werden nämlich tatsächlich nur bestimmte Formen der Hypnose abgelehnt.

Bühnen, Variete-, oder Showhypnose

Bühnen, Variete-, oder Showhypnose sind Veranstaltungen, wo ein Hypnotiseur zur Unterhaltung eines Publikums Freiwillige hypnotisiert. Das Spektrum der hierbei erzielten Ergebnisse ist von enormer Größe. So berichten Anwesende, wie dem Hypnotisierten suggeriert wird, er sei ein Hahn, und er tatsächlich anfängt zu krähen, eine ganze Zitrone isst, ohne das Gesicht zu verziehen, im Glauben es sei ein Pfirsich, ein beliebiges Münzstück auf die Hand bekommt, mit der Suggestion es sei glühend heiß, und der Körper darauf mit einer Brandblase reagiert.

Die Glaubwürdigkeit der Showhypnose leidet an Hochstaplern, die sich in ihren Shows Hilfsmittel bedienen, wie zum Beispiel Äther (Chemie)|Äther um den Anschein zu erwecken, dass die Leute auf Kommando 'in Hypnose fallen'. Andere nutzen auch schlicht den Effekt der Massenpsychologie. Dabei benimmt sich eine Person beispielsweise wie ein Kind, nicht weil sie hypnotisiert ist, sondern weil sie vor einem großen Publikum steht.

Weitere Phänomene durch Hypnose

Umstritten ist die sogenannte Reinkarnationstherapie, in der Menschen über ihren Geburtszeitpunkt in die Vergangenheit zurückversetzt werden. Einige Patienten berichten dann über Erlebnisse in ihren angeblichen früheren Leben. Weitere Phänome, die durch Hypnose ermöglicht werden sollen, ist das Sehen durch feste Materie, das Erkennen einer Karte an der Rückseite und der Kontakt mit Verstorbenen und Geistwesen.

Auch diese Phänomene sind stark umstritten.

Wo darf Hypnose nicht angewendet werden

Bei geistig behinderten und psychotisch erkrankten Menschen sollte Hypnose nicht angewendet werden. Weiterhin ist bei Epilepsie, Kreislaufproblemen und Herzproblemen eine Hypnose nur mit größter Vorsicht und unter Aufsicht eines Arztes anzuwenden. GRUNDSÄTZLICH gilt, dass Hypnose vielleicht medizinisch umstritten sein mag, aber genau wie eine "neue" schulmedizinische Methode sollte Hypnose nur und ausschließlich von Fachleuten angewendet werden. Da die Auswirkungen im wörtlichen Sinne furchtbar sein können, sollte man genausoviel Sorgfalt auf die Auswahl eines Hypnotiseurs legen, wie auf die Auswahl des Chirurgen, der eine komplizierte OP ausführt.

Weblinks

  • http://www.dgh-hypnose.de
  • http://www.hypnose-kikh.de
  • http://www.hypnosegesellschaft.de - Freie Gesellschaft für Hypnose e.V.
  • http://www.dgzh.de/ - Zahnärztliche Hypnose
  • http://www.hpz.com/hypgesch.html - Geschichte der Hypnose
  • http://www.hpz.com/mythoshypnose.html - Der Mythos Hypnose
  • http://www.hpz.com/showhypnose.html - Wie und warum funktioniert Bühnen-Hypnose?
  • http://www.hypnoselernen.de/showhypnose.php4 - Showhypnose / Bühnenhypnose in der Praxis
  • http://www.gwup.org/skeptiker/archiv/2001/4/willenlos_im_rampenlicht.html
  • http://www.meg-hypnose.de/hypn.htm - Klinische Hypnose und Hypnotherapie
  • http://www.hypnoseberatung.de/selbsthypnose.html - Anleitung zur Selbsthypnose
  • http://www.hypnose-gesundheit.de

Siehe auch: Neurolinguistische Programmierung, , Hypnotherapie, , Portal Psychotherapie

Kategorie:Allgemeine Psychologie

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