Lexikon: Landwirtschaft

 

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Landwirtschaft ist der Prozess , Futter, Faser|Fasern und andere gewünsche Produkte durch den gezielten Anbau von (, Gartenbau, Obstbau, Weinbau, nicht jedoch Waldbau) sowie die Nutzung und Zucht von Haustier|domestizierten Tieren (Viehzucht) zu produzieren. Image:Agriculture (Primitive) CNE-v1-p58-I.jpg|thumb|right|350px|Landwirtschaft in [[Ägypten, 1920er-Jahre]]

Einordnung

Allgemein

Landwirtschaft beinhaltet dreierlei:

  • Subsistenzwirtschaft: Hierbei produziert der Landwirt genug Nahrungsmittel für sich und seine Familie (jedoch nicht mehr).
  • (generell in den sogenannten "entwickelten" Ländern und in anderen Ländern ebenfalls mehr und mehr) die Produktion eines finanziellen Einkommens durch Landkultivierung oder kommerzielle Viehzucht.

Neben Nahrungsmitteln und Futter nimmt die Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Schnittblumen, Dekoration und Baumschulen, Düngemittel, Leder, industriellen Chemikalien (Stärke (Zucker)|Stärke, und Plastik), Fasern (Baumwolle, , Hanf und Flachs), Kraftstoffen (Methan, , Biomasse) sowie zugelassenen und verbotenen Drogen (Biopharmaceutica, , Marihuana, Opium, Kokain) zu. Auch die Produktion genetisch veränderter Pflanzen und Tiere steigt an.

Ökonomische Einordnung

In den Wirtschaftswissenschaften wird die Landwirtschaft als Wirtschaftssektor|Primärsektor (auch: Urproduktion) bezeichnet. Die Betriebswirtschaftslehre bezieht sich in die vielen Grundlagen auf die landwirtschaftliche Produktion.

Bedeutung in Deutschland

Im Jahr 2003 gab es in Bundesrepublik Deutschland|Deutschland ca. 388.500 landwirtschaftliche Betriebe ab 2 ha LF. Darin waren rund 1,3 Millionen Personen haupt- oder nebenberuflich beschäftigt, was 560.000 Vollzeitarbeitsplätzen entsprach.

Insgesamt wurden 17,6 Millionen ha (Hektar) landwirtschaftlich genutzt (das sind ca. 49,3 Prozent der Gesamtfläche). Davon entfielen auf die Pflanzenproduktion rund 11,8 Millionen Hektar und auf Grünland (Landwirtschaft)|Dauergrünland rund 5 Millionen Hektar. Im Vergleich dazu spielen Obstanlagen, Baumschulen und Weihnachtsbaumkulturen hinsichtlich des Flächenverbrauchs keine große Rolle. Deutschland war 2004 mit Waren im Wert von 13,8 Mio. Dollar weltweit viertgrößter Exporteur von Agrarprodukten.

Produktion

Bild: DSC01398.JPG

Bereiche

Generell kann die Landwirtschaft in zwei Produktionsrichtungen eingeteilt werden:

  • Viehhaltung
  • Pflanzenproduktion.

Welche dieser Formen lokal überwiegt, ist vom Standort abhängig: Auf leichten Standorten (schlechter Boden) ist die Viehhaltung konkurrenzkräftiger, während auf besseren Böden die Pflanzenproduktion wirtschaftlicher ist.

Ziele

  • Ernährungssicherung durch die Erzeugung hochwertiger Lebensmittel,
  • Schonung der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft,
  • infrastrukturelle, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Belebung der ländlichen Räume,
  • Pflege der Kulturlandschaft und Erhalt der Artenvielfalt,
  • in Zukunft möglicherweise vermehrt Erzeugung regenerativer Energien

Formen der Landwirtschaft

  • historische Landwirtschaft
bis zur Erfindung des mineralischen Düngers
  • traditionelle Landwirtschaft
bis ca. 1960
  • moderne Landwirtschaft
erzielt hohe Ernteerträge durch Züchtung spezieller Sorte (Pflanze)|Sorten (in einigen Staaten auch bereits unter Einsatz der ), durch Monokultur, sowie den Einsatz von Futtermitteln, (dessen Entwicklung maßgeblich zur Erholung der Wald|Wälder in beigetragen hat), Insektiziden, en, Herbiziden und Wachstumsregulatoren (den so genannten n). Der intensive Einsatz der genannten Produktionsfaktoren dient der stetigen Ertragssteigerung, führt aber oft zu negativen Wechselwirkungen mit der () und den erzeugten n (Fragen zu Rückstand (Chemie)|Rückständen in n).
  • bäuerliche Landwirtschaft
  • industrielle Landwirtschaft
  • extensive Landwirtschaft
  • ökologische Landwirtschaft
versucht, modernes Wissen zu nutzen und dabei die genannten negativen Wechselwirkungen zu vermeiden.

Die Agrar- und Ernährungswissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität Kiel|Christian-Albrechts-Universität zu Kiel führt seit Sommer 2003 einen auf mehrere Jahre ausgelegten Vergleich der beiden Produktionsformen durch, dessen Ergebnis in der aktuellen Diskussion hilfreich sein kann.

Methoden

Hinsichtlich der Produktionsmethoden wird heute unterschieden in (alphabetisch):

  • Ökologische Landwirtschaft|Biologische Landwirtschaft, zu der auch die Unterform der auf den Lehren Rudolf Steiner|R. Steiners gründende Biologisch-dynamische Landwirtschaft zählt
  • Konventionelle Landwirtschaft mit der Unterform der Integrierte Landwirtschaft|integrierten Landwirtschaft
  • Permakultur
  • Synergistische Landwirtschaft

Politik

Hauptartikel: Agrarpolitik

  • Deutsche Agrarpolitik
  • Europäische Agrarpolitik
  • Agrarpolitik der USA

Politische Konfliktfelder

Die Landwirtschaft in Deutschland, Europa und weltweit befindet sich in einem tiefen Umbruch: Große Erfolge in der Produktivitätssteigerung auf der einen Seite stehen ungleicher Verteilung, Preisdumping, zahlreichen Betriebsaufgaben sowie ökologischen Problemen gegenüber. Die seit 1992 eingeleiteten Reformen der europäischen Agrarpolitik mit einem komplexen System von Ausgleichszahlungen konnten Fehlentwicklungen nicht verhindern. Die gegenwärtige Situation ist für die soziale Lage der landwirtschaftlichen Familien, für die Volkswirtschaft und für die ökologische Situation von Boden-, Gewässer- und Tierschutz mit hohen Belastungen verbunden. Die große Zahl der Betriebsaufgaben ist Zeugnis einer existenziellen Not. Die in der Öffentlichkeit heftig diskutierten Krankheiten bzw. Skandale – BSE-Krise, Maul- und Klauenseuche – sind keine Einzelphänomene, sondern sind teilweise Ausdruck von Strukturproblemen der Landwirtschaft in der Zerreißprobe zwischen ökonomischen und ökologischen Erfordernissen.

Zugleich ist die weltweite Krise der Landwirtschaft ein Kernproblem globaler Gerechtigkeit: Während auf den Weltmärkten ein Überschuss an Nahrungsmitteln herrscht, die Preise immer weiter fallen und subventionierte Überschussprodukte aus den USA und der EU die Eigenproduktion von Nahrungsmitteln in Entwicklungsländern zurückdrängen, ist es nicht gelungen, das Problem der Welternährung zu bewältigen. Der rapide Verlust an fruchtbarem Boden und der bedrohliche Rückgang der Verfügbarkeit von Wasser, das zu 70 % in der Landwirtschaft verbraucht wird, ist schon heute eine der primären Armutsursachen. Wirksame Armutsbekämpfung für die 800 Millionen hungernden Menschen ist nicht möglich ohne eine tiefgreifende Reform der globalen Agrarpolitik.

Die Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft mbH, die heimische Agrarprodukte in den Medien bewirbt, ist bei den Landwirten weitgehend umstritten, da sie ihre Beiträge zwangsweise erhebt.

Geschichte

Bild: Fruchtbarer Halbmond.JPG]] Hauptartikel: Agrargeschichte

Der systematische Anbau von Pflanzen begann vermutlich vor rund 12.000 Jahren am Ende der letzten Würmeiszeit|Eiszeit. Es ist wahrscheinlich, dass die Entwicklung nahezu gleichzeitig in Amerika (Kontinent)|Amerika, und dem mittlerer Osten|mittleren Osten einsetzte. Dabei werden die Veränderung des s durch das Ende der Eiszeit, das Bevölkerungswachstum und die beginnende Sesshaftigkeit als sich begünstigende Faktoren angesehen.

Im 8. Jahrhundert wurde der auf die Fruchtfolge|Dreifelderwirtschaft umgestellt. Die bis dahin verwendeten Ochsen wurden durch Pferde ersetzt, wodurch schwere Pflug|Eisenpflüge eingesetzt werden konnten.

Durch die Entdeckung Amerikas 1492|Entdeckung Amerikas 1492 entwickelte sich ein reger, weltweiter Austausch an Agrarprodukten, der für nahezu alle Völker einschneidende Änderungen bewirkte (Columbian Exchange).

Aktuelle Diskussion

Erneuerbare Energieträger

Die landwirtschaftliche Produktion von Erneuerbare Energie|Erneuerbaren Energieträgern kann nicht mehr leisten als den durch die Sonne gegebenen Energieeintrag. Solange die Nicht-Bilanzierung der Nutzung von fossiler Brennstoff|fossilen Brennstoffen in unseren Wirtschaftssystemen anhält, kann jede Form der landwirtschaftlichen Produktion von regenerativen Energieträgern (unabhängig von ihrer Nachhaltigkeit) nicht mit der Nutzung der fossilen Energiegewinnung konkurrieren.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist in Deutschland gesetzlich festgeschrieben.

Siehe auch

Portal Land- und Forstwirtschaft, Agrarpolitik, Forstwirtschaft, Landwirt, Leibgedinge, Erzeugergemeinschaft, Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, FAO


Weblinks

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