Lexikon: Asbest

 

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Asbest (Griechische Sprache|griechisch asbestos etwa: unzerstörbar, unvergänglich, unauslöschlich) ist ein Sammelbegriff für natürlich vorkommende faserförmige ische Silikatmaterialien. Die aus Hornblende (Krokydolith) ist bläulich, die Faser aus Serpentin (Chrysotil) ist weiß oder grün.

Es wurde in mehr als 3000 Produkten eingesetzt: Dachplatten, Dachverkleidungen, Dachwellplatten, für Rohrverkleidungen und Wandverkleidungen, für Brems- und Kupplungsbeläge, in Schutzanzügen, Isolierungen und Filtern, in Nachtspeicherheizungen ...
In den wurden im Jahre 1973 eine Million Tonnen Asbest verbraucht.

Eigenschaften

Es ist gegen Hitze bis etwa 1000 Grad Celsius und schwache Säuren sehr widerstandsfähig und hat eine höhere Zugfestigkeit als Stahldrähte mit dem gleichen Querschnitt. Bei Temperaturen über 1200 Grad Celsius wandelt sich der Asbest um in Olivin und dessen Modifikationen.Bei noch höheren Temperaturen sublimiert Asbest.

Durch die sehr feinen Fasern ist das Material sehr langlebig. Es hat jedoch einen schwerwiegenden Nachteil. Beim Bearbeiten oder durch Verwitterung gelangen die Fasern in die , entfalten dort zellschädigende Wirkung und lösen damit die so genannte Asbestose, eine Schädigung des Bindegewebes aus. Diese Schädigungen können Atemnot, Lungenfunktionseinschränkungen und in schweren Fällen Ateminvalidität zur Folge haben. Auch erhöhen sie das Risiko an Lungenkrebs zu erkanken sehr stark. Obwohl die Gesundheitsgefahren seit 1900 bekannt sind, wurde es erst 1990 in und 1993 in verboten. Seit 2005 gibt es ein EU-weites Verbot.

Als bekanntes Gebäude muss in den nächsten Jahren die UNO-City in Wien saniert werden. Stockwerkweise wird das damals verbaute Asbest beseitigt.

Ein weit weniger gesundheitsschädlicher Ersatz für Asbest sind bei niedrigen und mittleren Temperaturen n, bei hohen Temperaturen verschiedene künstliche Keramik-Fasern.

Geschichte

Erstmals erwähnt wurde Asbest in einem Buch über Steine von Theophrast im dritten Jahrhundert vor Christus. In Athen wurde die ewige Flamme in der Akropolis zu dieser Zeit mit einem Asbestdocht betrieben. Griechische Ärzte verwendeten Taschentücher aus Asbest, welche im Feuer gereinigt werden konnten.

Obwohl im ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung über Asbest von Europa bis China berichtet wird, konnten sich nur sehr reiche Menschen Gegenstände daraus leisten.

Im Mittelalter ging das Wissen um die Herkunft in Europa verloren und es entstanden Gerüchte, dass es sich beim Asbest um Schuppen von drachenartigen Reptilien oder sogar um Federn des Phönix_(Mythologie)|Phönix handeln könnte. Schwindler versuchten auch, Stoffe aus Asbest als Teile der Kleidung Jesu zu verkaufen.

In der Neuzeit fand Asbest erstmals in den 1820er Jahren eine ernsthafte Anwendung. Die Fasern wurden zu feuerfester Kleidung für Feuerwehrleute verarbeitet. Bald kamen Anwendungen wie feuerfeste Dächer oder Wärmeisolierungen für Dampfmaschinen hinzu.

Am 15. Juli 1900 erhält der Österreicher Ludwig Hatschek als Besitzer einer Asbestwarenfabrik ein österreichisches Patent für Eternit. Damit begann auch ein Boom in der Verwendung von Asbest. Viele Produkte wurden daraus hergestellt, so zum Beispiel Knöpfe, Telefone, Teile für elektrische Geräte.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Fallschirme für Bomben, Postsäcke, Getränkefilter und sogar Zahnpasta aus Asbest hergestellt. Sogar der Besen der Hexe aus The wizard of Oz enthielt Asbest.

Sanierung

Für die Sanierung gilt in die TRGS 519 (Technische Regeln|Technische Regeln für Gefahrstoffe: Asbest). Da die Beschädigung von Asbest-Produkten zur Freisetzung von Fasern führt, muss die Sanierungsbaustelle in Gebäuden staubdicht von der Umgebung abgeschottet werden. Der Innenbereich muss während den Arbeiten unter Unterdruck gehalten werden.

Entsorgung

Mit dem Verbot der Nutzung von Asbest in Deutschland im Jahr 1993 trat eine große Verunsicherung ein; jeder wollte das bis dahin hoch gepriesene Material loswerden. Allerdings hatte sich niemand vorher über eine geordnete Entsorgung Gedanken gemacht. Und bei den meisten Deponien herrschte Ratlosigkeit, sie durften Asbest nicht annehmen, weil dieser Stoff nicht in ihrem Entsorgungskatalog stand. Damit stiegen die Entsorgungspreise für Asbest-haltiges Material auf das 6 - 10-fache des bis dahin üblichen Preises an, was die Verfahrensentwickler in Forschung und Industrie anlockte.

Es wurde an 4 unterschiedlichen Verfahrentypen gearbeitet, aus denen sich dann auch noch Mischtypen bildeten.

  • Mechanische Zerkleinerungsverfahren, die davon ausgingen, dass bei hinreichender Zerkleinerung der Fasern (unter 1 µm Faserlänge) die Gefährdung ausgeschlossen werden konnte. Die Verfahren funktionierten mit reinem Asbest gut, bei dem bei der Asbestentsorgung anfallendem inhomogenem Gemisch versagten die Mühlen jedoch.
  • Thermische Verfahren, die den Asbest auf Temperaturen oberhalb seines Umwandlungspunktes bringen und damit ein anderes nichtfaseriges Material erzeugen wollten. Das meiste Know how brachten hier die Glasofen-Bauer und die Drehrohrspezialisten mit. Die Glasofenbauer scheiterten an der Inhomogenität des angelieferten Abfalls, der führte zu Bildung nicht vorhersehbarer Mineralien und damit zur Zerstörung der Öfen. Wesentlich weiter kamen die Drehrohrofenbetreiber, sie konnten Anlagen im Betrieb vorführen. Da die Genehmigungsbehörden auch reichlich unsicher waren, stellten sie unerfüllbare Forderungen wie Fasergehalt Null in der Abluft, was dann zur Aufgabe dieser Entwicklungen führte. Ein in Frankreich entwickeltes Plasma-Schmelzverfahren funktionierte wohl im Pilotbetrieb ganz gut, erwies sich aber als extrem teuer.
  • Chemische Verfahren, die auf der Anwendung Fluorid-haltiger Säuren aufbauten. Sie hatten die gleichen Probleme wie die anderen Verfahren mit der Inhomogenität des asbesthaltigen Abfalls, konnten aber nach mehreren Jahren die Genehmigung der Behörden für den Betrieb der Anlage innerhalb eines großen Chemiewerkes erlangen. Jedoch zog hier der Stadtrat seine vorher erteilte Genehmigung zurück.
  • Einbindungsverfahren, die den Abfall komplett in Zement (Baustoff)|Zement oder andere Bindemittel einarbeiteten, in Fässer gossen und die Fässer dann vorzugsweise untertage deponierten. Diese Verfahren hatten als alleinigen Vorteil, schnell zur Verfügung zu stehen, denn der Asbest wird dadurch nicht vernichtet und billig ist auch diese Variante nicht.

Als sich im Jahre 1995 die Asbest-Hysterie zu legen begann und es sich abzeichnete, dass die öffentliche Hand die Asbestentsorgungsverfahren ihren Gebäuden nicht mehr bezahlen konnten, begann ein Sinneswandel. Plötzlich waren Sicherungsmaßnahmen erlaubt (der Asbest musste nur noch fest verschlossen werden, aber nicht mehr entfernt, da reichte oft schon Überlackieren) und die Deponien durften Asbest zur Entsorgung annehmen (Asbest hatte eine Gefahrstoffklasse erhalten und die Deponien die Genehmigung zur Entsorgung). Damit erlosch jedes Interesse an neuen Verfahren zur Asbestvernichtung.

Am 1.1.2006 wird jedoch eine EU Regelung eingeführt, die Asbest als gefährliches Gut einstuft. Es bleibt abzuwarten ob dies eine Auswirkung auf die Entsorgungskosten hat.

Berufskrankheit

Seit einigen Jahren gibt es in Deutschland mehr Todesfälle durch Asbest-Belastungen als tödliche Arbeitsunfälle. Die Berufsgenossenschaften veröffentlichten für das Jahr 2003 im Bundesgebiet die Zahl von 1.068 Todesfällen, gegenüber dem Jahr 2002 mit 1.009 Toten ein neuerlicher Anstieg. Der Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften weiß, einschließlich älterer, von etwa 24.000 Fällen, in denen wegen asbestbedingter Erkrankungen Zahlungen geleistet werden.

Literatur

  • H.J. Bossenmayer; H.P. Schumm; R. Tepasse (Hrsg.) Asbesthandbuch. Erich Schmidt Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-503-03162-6
  • G. Albracht; A. Schwerdtfeger (Hrsg.) Herausforderung Asbest. Universum Verlag Wiesbaden 1991
  • K. Rödelsperger; U. Teichert; B. Brückel (2004) Umweltgefährdung durch Asbestfasern und andere anorganische Fasern. Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft 64(10), S. 415 - 426
  • H.J. Krolkiewicz; (2003) Vom Asbestzement zum Faserzement; Geschichte der Baustoffe; baustoff-technik, Gert Wohlfarth GmbH, Verlag Fachtechnik, Duisburg, ISSN 0721-7854
  • James E. Alleman/ Brooke T. Mossman; Asbest: Aufstieg und Fall eines Wunderwerkstoffs, Spektrum der Wissenschaft 11/1997, S. 86 - 92

Siehe auch

Glaswolle, Steinwolle, Faserzement

Weblinks

Kategorie:Mineral Kategorie:Gesundheitsrisiko

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