Lexikon: Mensch

 

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Moderner Mensch
Image:429px-Vitruvian.jpg|none|250px|Die menschlichen ProportionenModerner Mensch, Darstellung von Leonardo da Vinci
: Altweltaffen (Catarrhini)
: Menschenartige (Hominoidea)
: Menschenaffen (Hominidae)
: Echte Menschen (Hominini)
: Menschen (Homo)
: Moderner Mensch
Wissenschaftlicher Name
Homo sapiens
Carl von Linné|Linnaeus 1758

Der moderne Mensch (Homo sapiens) ist ein Säugetiere|Säugetier aus der Ordnung (Biologie)|Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie (Biologie)|Familie der Menschenaffen (Hominidae). Früher wurden Mensch (Hominidae) und Menschenaffen (Pongidae) insbesondere aufgrund der besonderen geistigen Entwicklung des Menschen als zwei getrennte Familien betrachtet, jüngere Untersuchungen sehen zwischen beiden Gruppen ein engeres Verwandtschaftsverhältnis und stellen sie daher in eine gemeinsame Familie. Der moderne Mensch ist die einzige bis heute überlebende Art der Gattung Homo (Mensch)|Homo.

Manchmal wird für den modernen Menschen auch die wissenschaftliche Bezeichnung Homo sapiens sapiens gebraucht, die zum Ausdruck bringen soll, dass der Neanderthaler (dann Homo sapiens neanderthalensis) zur selben Art gehörte wie der moderne Mensch. Diese Ansicht gilt heute aber als sehr zweifelhaft, weswegen die moderne Bezeichnung schlicht Homo sapiens ist. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo:„Mensch“ und sapiens:„weise“ ab.

Die einzigartige Stellung des Menschen im Tierreich

Wie manche andere Tiere, weist der Mensch einige hoch spezialisierte Merkmale auf. In vermutlich zwei Eigenschaften, sicher aber hinsichtlich eines Kriteriums unterscheidet er sich deutlich von den heute bekannten übrigen Tierarten:

Mit Bestimmtheit lässt sich sagen, dass beim Menschen die biologische zu Gunsten einer kulturellen in den Hintergrund getreten ist. Aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten ist er in der Lage, sich veränderten Umweltbedingungen sehr viel besser und schneller anzupassen als jedes andere Tier. Die Evolution hat sich beim Menschen auf die Verbesserung seiner Kulturfähigkeiten (Schrift, , gedankliche Konstrukte wie , Religion oder Recht, Ausdruck von Gefühlen und Gedanken durch Kunst) ausgeweitet; diese Kulturtechniken unterliegen nunmehr selbst einem Evolutionsprozess. Andere Tierarten dagegen unterliegen nach heutigem Wissen mitsamt ihrer Kultur der Evolution, sofern überhaupt von einer Kultur gesprochen werden kann.

Bild: Human.png der Pioneer-Raumsonden]] In diesem Zusammenhang ist festzustellen, dass andere Tiere nicht im selben Maße wie der Mensch die Fähigkeit besitzen, ihre im Phänotyp entwickelten Fähigkeiten, ihr erlerntes Wissen, auf die nachfolgenden en zu übertragen. Der Mensch besitzt ein historisches Bewusstsein: Er steht nicht in der Notwendigkeit, Informationen entweder durch die genetische Vererbung zu erhalten oder Erfahrungen genauso wie seine Vorgänger immer aufs Neue selbst machen zu müssen, sondern er kann auf Handlungen und Informationen zurückgreifen, die viele Generationen vor ihm geschaffen haben (wobei es aber auch bei zahlreichen sonstigen Tierarten zur Traditionsbildung kommt, beispielsweise bei Menschenaffen). Der Mensch ist viel stärker als jedes andere Tier in der Lage, in seinem zeitlichen Bewusstsein Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft in kausale Zusammenhänge zu bringen. Somit kann er seine Handlungen vergleichen, um "viele Ecken herum" planen (Kreativität) und somit eine Zukunft entwerfen, die er durch seine absichtlichen Handlungen schafft. Der Mensch ist in der Lage, die Lebensbedingungen seiner Art durch Arbeit (Philosophie)|Arbeit bewusst zu Gestaltung|gestalten.

Zum zweiten sind sich menschliche Individuen – vermutlich als einzige Lebewesen auf der Erde – sich selbst und ihrer eigenen bewusst. Durch das absehbare Sterben ergibt sich nur für den Menschen die Frage nach dem Sinn des Lebens und dem Leben nach dem Tod. Diese Fragen sind in der Philosophie und der Religion zentralständige Themen.

Nicht allein typisch für den Menschen, jedoch bei ihm besonders stark ausgeprägt, ist seine Eigenschaft, sich hochorganisiert in größeren Gruppen zusammenzuschließen. Dies wird begünstigt durch die komplexe Sprache des Menschen, die eine fortschreitende Arbeitsteilung ermöglicht. Auf der anderen Seite steht zu vermuten, dass die Entwicklung der Zivilisation auch die Entwicklung der Sprache in enger Wechselwirkung förderte und beides letztlich zu der hoch entwickelten Kultur führte, die die Menschheit heute besitzt.

Entwicklung

Mit der Entwicklungsgeschichte der Menschheit von ihren Anfängen bis zum heutigen Jetzt-Menschen beschäftigt sich die Paläanthropologie, deren wichtigste Datenquellen die Archäologie liefert. Noch immer sind die Vorgänge der Menschwerdung aus affenartigen Vorfahren, vermutlich im Osten Afrikas, nicht endgültig aufgeklärt. Der gegenwärtige Stand der Erkenntnisse wird im Artikel Hominisation aufgezeigt.

Neben der biologischen Entwicklung ist für den Menschen jedoch auch seine kulturelle Entwicklung maßgeblich. Der kulturelle Entwicklungsstand des Menschen war zunächst über Jahrhunderttausende hinweg nahezu konstant. Mit der Entstehung des modernen Menschen und seiner nachfolgenden Auswanderung aus Afrika beschleunigte sich jedoch die kulturelle Innovation, bis seit Ende der letzten Eiszeit mit dem Aufkommen von Ackerbau und Viehzucht der Mensch erstmals großräumig gestaltend in seine Umgebung eingriff. Seit dieser Zeit besitzt der Mensch eine über weitaus mehr als ein paar Generationen zurückreichende Geschichte, auf deren Grundlage die Individuen agieren.

Alle heute lebenden Menschen sind sehr nahe miteinander verwandt, wie molekularbiologie|molekularbiologische Untersuchungen an der ribosomalen und mitochondrialen Desoxyribonukleinsäure|DNA gezeigt haben. Die größten Unterschiede finden sich innerhalb der afrikanischen en. Die Populationen außerhalb Afrikas sind - mit Ausnahme einiger später aus Afrika ausgewanderter Gruppen - genetisch sehr uniform. Moderne Funde unterstützen die „Out of Africa“-These, also die Ausbreitung des modernen Menschen vom afrikanischen Kontinent aus.

Vor etwa 100.000 Jahren begann die Auswanderung afrikanischer Gruppen nach und . Vor etwa 15.000 Jahren erreichte der Mensch Amerika (Kontinent)|Amerika, vor etwa 45.000 Jahren Australien (Kontinent)|Australien (Lake Mungo-Grab). Die ersten Menschen, die von Ostafrika aus nach Asien aufbrachen, wählten eine Route entlang der Küste. Denn neueste Ergebnisse genetischer Analysen legen dar, wie wenig es wahrscheinlich sei, dass sie - wie bisher vermutet - durch das Landesinnere des Mittleren Ostens reisten. Nach einem anderen wissenschaftlichen Bericht vom Juni 2005 stammen aufgrund genetischer Überprüfungen sämtliche Indianer Amerikas von einer Gruppe mit nur 70 Menschen ab, die während der vergangenen Eiszeit von Asien aus über die Beringstraße nach Nordamerika eingewandert sei.

Fossilien, die dem biologisch modernen Menschen zugerechnet werden, gibt es seit etwa 160.000 Jahren, verstärkt seit ca. 100.000 Jahren. Lange Zeit lebte die Art in Afrika zeitparallel zum primär Europa|europäischen Neandertaler, der besonders an das Leben im Eiszeit|eiszeitlichen Klima angepasst war. Im Nahen Osten, später auch in Europa, kamen beide zeitgleich gemeinsam vor. Es ist unklar, ob sich beide Arten vermischt haben, die Mehrzahl der Fossilien weist deutlich erkennbare morphologische Unterschiede auf. Molekularbiologie|Molekulargenetische Desoxyribonukleinsäure|DNA-Analysen sprechen gegen eine Vermischung beider Arten; bisher konnte keine DNA des Neandertalers in heutigen Menschen festgestellt werden.

Typische Merkmale des modernen Menschen im Vergleich:

  • Das Gehirnvolumen von Homo sapiens ist etwas kleiner als das des Neandertalers.
  • Die Stirn ist am steilsten von allen Menschenaffen|Hominiden ausgeprägt
  • Ober- und Unterkiefer sind leicht reduziert

Als Vorfahren des Homo sapiens kommen insbesondere die afrikanischen Populationen von Homo ergaster und Homo erectus in Frage. Die Zuordnung der Fossilfunde zu einzelnen Arten ist allerdings umstritten.

Der wissenschaftliche Begriff Homo sapiens wird nicht selten in leicht humoristischer Anspielung als Vorlage für die Kreation neuer Begriffe benutzt, die Eigenschaften des Homo sapiens darstellen, beispielsweise

  • Homo Ökonomicus
  • Homo faber (Roman von Max Frisch)
  • Homo ludens
  • Homo sociologicus
  • Ötzi|Homo ötzi

Biologie

Zusammensetzung eines Menschen aus den Elementen

Die Angaben beziehen sich auf einen Menschen
von 80,0 kg Körpergewicht

Element Gew-% ca. Masse ca.
Sauerstoff (O) 63 44 kg
Kohlenstoff (C) 20 14 kg
Wasserstoff (H) 10 7 kg
Stickstoff (N) 3 2,1 kg
Kalzium (Ca) 1,5 1 kg
Phosphor (P) 1 0,7 kg
Kalium (K) 0,25 170 g
Schwefel (S) 0,2 140 g
Chlor (CI) 0,1 70 g
Natrium (Na) 0,1 70 g
Magnesium (Mg) 0,04 30 g
Eisen (Fe) 0,004 3 g
Kupfer (Cu) 0,0005 300 mg
Mangan (Mn) 0,0002 100 mg
Iod (I) 0,00004 30 mg

Anatomie

Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70% aus , etwa 20% n, 15% en und 5% en besteht. Die Anatomie dieses Körpers ist im Artikel Anatomie des Menschen detailliert beschrieben: Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die Innere Organe|inneren Organe, das und die Sinnesorgane. Doch greift die Reduktion auf eine rein funktionale Betrachtung des Körpers zu kurz, der Körper des Menschen stellt als Grundbedingung für die Existenz des Menschen einen unabdingbaren Rahmen für seinen Geist und sein Erleben der Welt dar.

Genetische Verwandtschaft

Das menschliche enthält sowohl kodierende als auch nicht-kodierende Desoxyribonukleinsäure|DNA-Sequenzen, die denjenigen anderer Lebewesen erkennbar Homologie|homolog sind und mit DNA-Sequenzen sehr nahe verwandter Arten wie der anderer Menschenaffen sogar völlig übereinstimmen. Anhand quantitativer Messungen der Ähnlichkeit dieser Basenpaarketten kann man umgekehrt auf die Verwandtschaftsverhältnisse zurückschließen. Dies bestätigt Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in dieser Reihenfolge als nächste menschliche Verwandte.

Soziologie

Die Soziologie beschäftigt sich nahezu ausschließlich mit dem Menschen, obwohl es in den 1920er Jahren Versuche gab, eine "Tiersoziologie", sogar eine "Pflanzensoziologie" zu etablieren.
Warum das biologisch erschlossene Tier "Mensch" besondere Eigenarten hat, untersuchen beziehungsweise beantworten i. w. S. die Anthropologie, sodann die Soziobiologie und die Biosoziologie. Daher nimmt dann die Soziologie ihre Axiome, wenn nicht Soziologen selber soweit ausgreifen.
Der Versuch, schon einmal eine Soziologie für extraterrestrischer Lebewesen mit menschenähnlicher geistiger Entwicklung zu entwerfen, wie beispielsweise die 'Exosoziologie', sind so lange rein spekulativ, bis sie empirisch geprüft werden können.

Recht

Rechtlich gesehen ist der Mensch zumeist eine ("natürliche") Person, deren Status je nach Staat unterschiedlich festgelegt ist, jedenfalls ist er rechtsfähig. Im "Bürgerliches Gesetzbuch|Bürgerlichen Gesetzbuch" der Bundesrepublik Deutschland heißt es dementsprechend in § 1: Die Rechtsfähigkeit des Menschen beginnt mit der Vollendung seiner Geburt. Es gibt Gesellschaften, in denen das nicht jeder Mensch ist: In Stammesgesellschaften beispielsweise kann ein Neugeborenes bis zur Anerkennung durch den Vater ohne Rechtsfähigkeit sein; in Staaten mit Sklaverei gelten Sklaven zuweilen als "Sachen" u. a.
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen soll in jedem Staat einen Grundstatus vorgeben. Gemäß diesem Menschenbild besitzt jeder einzelne Mensch von Geburt an eine besondere, unantastbare und unveräußerliche Würde. Aus diesem Grund hat jeder Einzelne bestimmte Rechte, zum Beispiel das Recht auf , auf Gesundheit|körperliche Unversehrtheit, auf Religionsfreiheit und auf Meinungsfreiheit sowie auf einen angemessenen Arbeitslohn. Dieses Ideal ist aber nicht überall verwirklicht, denn in vielen Staaten werden Leute ohne Gerichtsverfahren eingesperrt, Gefangene gefoltert, Frauen und Kinder unterdrückt und Menschen leben in Armut. Ferner wird das Grundrecht auf Leben, obgleich mit dem Begriff der Würde eng verknüpft, in keinem Land als unantastbar angesehen, da eine solche Unantastbarkeit mit jeglicher Bewaffnung (Armee, Polizei usw.) im Widerspruch stünde.

Manche Kulturkreise und Religionen kennen keine allgemeingültigen Menschenrechte. Insbesondere der Islam, die Indien|indische und die China|chinesische Kultur machen einen Unterschied zwischen "Gläubigen" und "Ungläubigen" bzw. zwischen den Rechten des Mannes und denen der Frau.

Religion

Menschen entwickeln und entwickelten unterschiedliche Religionen und Glaubensvorstellungen.

Dabei handelt der Mensch selbst sowohl als glaubendes, betendes, Ritus|Riten ausübendes , als auch als Objekt religiöser Riten und Anbetungen. Nicht in allen Religionen gilt er als direkte Schöpfung (eines) Gottes.

Religionen und religiöse Motive haben nahezu die gesamte bekannte Geschichte des Menschen begleitet, zuerst als Verehrung von Naturkräften, dann als Anbetung mehrerer Götter und schließlich als . Dies führte zu der Philosophie|philosophischen Frage, in wieweit die Religion zu den spezifischen Merkmalen des Menschen gehöre.

Das Christentum, das Judentum und der Islam betrachten die Entwicklung des Menschen, wie auch die gesamte Schöpfung als Werk Gottes. Für die großen christlichen Liste der christlichen Konfessionen|Religionsgemeinschaften bestehen dabei keine Widersprüche zwischen dem wissenschaftlich Bewiesenem und dem christlichen Glauben, weil nach ihrer Auffassung Theologie und Wissenschaft unterschiedliche Fragestellungen behandeln.

Aus Sicht christlicher Kreationismus|Kreationisten, die vor allem in den ein umfangreiches Unterstützerfeld haben, wird die Vorstellung, der Mensch habe sich über Jahrmillionen aus tierischen Vorfahren entwickelt, in wörtlicher Bibelauslegung|Auslegung der Bibel|biblischen Schöpfungsgeschichte entschieden abgelehnt.

Verwandte Themen

  • Anatomie des Menschen
  • Anthropologie
  • Hominisation
  • Humanismus
  • Körpergröße
  • Körper des Menschen
  • Kreativität
  • Menschenbild
  • Menschenrechte
  • Philosophische Anthropologie
  • Schwanzmensch
  • Soziologie
  • Weltbevölkerung

Literatur

  • Friedemann Schrenk, Timothy G. Bromage, Henrik Kaessmann: Die Frühzeit des Menschen: Zurück zu den Wurzeln. Biologie in unserer Zeit 32(6), S. 352 - 359 (2002), ISSN 0045-205X
  • Walfried Linden, Alfred Fleissner: Geist, Seele und Gehirn. Entwurf eines gemeinsamen Menschenbildes von Neurobiologen und Geisteswissenschaftlern, LIT-Verlag Münster 2004, ISBN 3825879739

Weblinks


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