Lexikon: Tierversuch

 

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Als Tierversuche werden Experimente mit oder an Tieren bezeichnet. Sie dienen der Grundlagenforschung als Erkenntnisgewinn und werden in der Medizin zur Entwicklung und Erprobung neuer Therapiemöglichkeiten durchgeführt.

Versuchstiere in Deutschland sind insbesondere die Modellorganismus|Modellorganismen, die alle großen Tiergruppen von den Fadenwürmern und über Amphibien und bis zu den n abdecken. Das verbreitetste Tiermodell ist die Hausmaus|Maus. Primaten (insbesondere Rhesusaffen, Javaneraffen und Totenkopfaffen) werden ebefalls als Versuchstiere verwendet, weil kein anderer Organismus dem Menschen stärker ähnelt. Sie werden zum Beispiel in den Bereichen Kognitionsforschung und Prionenforschung beansprucht. In der HIV-Forschung werden keine Primaten mehr verwendet, weil inzwischen mit Mäusen (und ähnlichen Tieren) ein brauchbares Tiermodell zur Verfügung steht.

Die Grundlagenforschung an Tieren und Mensch ist für das Verstehen der Ursachen von Krankheiten von zentraler Bedeutung. Auch die angewandtere medizinische Forschung, bei der es gezielter um die Entwicklung von Therapien geht, hätte ohne Tierversuche kaum Fortschritte zu verzeichnen.

Für Tierversuche werden speziell gezüchtete Tiere verwendet, da man für aussagekräftige Resultate genaue Daten über diese Tiere braucht, z.B. durchschnittliche Lebendsdauer, aber auch Daten darüber, welche Krankheiten (Krebs, Diabetes etc.) wie häufig normalerweise in der Population auftreten. Darüber hinaus gibt es auch Populationen, die z.B. garantiert an Leberkrebs erkranken. In der freien Wildbahn eingefangene Tiere werden aus diesen Gründen niemals verwendet. Gerüchte über "Tierfänger", die im Auftrag von Pharmaunternehmen Haustiere einfangen (insbesondere streunende Katzen) gehören in den Bereich der "Urban Legends".

Die Konsequenzen aus dem möglichen Rückzug von Tierversuchen müssen überdacht werden. Ein Beispiel: Deutschland führt seit einiger Zeit keine Versuche an Schimpansen mehr durch. In den U.S.A. jedoch werden Schimpansen zur Gewinnung von Hepatitis-Medikamenten verwendet. Obwohl Deutschland keine Versuche an Schimpansen mehr durchführt, werden Hepatitis-Medikamente aus den U.S.A. importiert.

Tierrechtler und Tierschützer sowie beispielsweise auch die Organisation Ärzte gegen Tierversuche führen an, dass Tierversuche lediglich eine Tendenz anzeigen können, ob das Medikament Nebenwirkungen am Menschen haben wird. Sie sind damit vom Kosten/Nutzen-Verhältnis sehr ungünstig und nicht als Sicherheit geeignet. Ein Beispiel: In den Sechzigern führte das Schlaf- und Beruhigungsmittel zu schweren Missbildungen bei Kindern, wenn die Mutter das Medikament während der Schwangerschaft einnahm. In Tierversuchen konnte eine solche Verbindung nicht festgestellt werden und das Medikament wurde für sicher erklärt. Allerdings werden die abertausenden von Fällen, in denen ein Pharmaunternehmen ein vielversprechendes Medikament nicht auf den Markt gebracht hat, weil es in Tierversuchen zu starken, nicht aktzeptabeln Nebenwirkungen kam, erst gar nicht bekannt. Deswegen ist die Ablehnung von Tierversuchen nur aufgrund einzelner Vorkommnissen zu fordern nicht geboten.

Wegen der großen Ähnlichkeiten mit dem Menschen werden von Tierschützern zumindest für Menschenaffen auch Menschenrechte eingefordert.

Der Eingriff an lebenden Tieren (die so genannte Vivisektion) ist nach dem deutschen Tierschutzgesetz nur erlaubt, wenn sie von fachlich geeigneten Personen oder unter Anleitung solcher Personen durchgeführt werden. Sie müssen auch entweder genehmigt werden oder zumindest (in den Fällen, wo sie vorgeschrieben sind) angemeldet werden.

Die Firma COVANCE in Münster (Westfalen)|Münster ist eines der größten Tierversuchs-Labore Europas. Tierrechts-Organisationen setzen sich für einen Stopp von Tierversuchen und die Schließung von COVANCE ein.

Siehe auch:

  • Tierrecht
  • Tierschutz
  • Tierquälerei

Weblinks

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